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viernes, 13 de diciembre de 2019


Rundbrief 31 zu Weihnachten 2019

Liebe Freunde in Deutschland
Nun bin ich schon ueber 2 Jahre Bischof in Caraveli. Ich versuche jeden Tag neu fuer die Armen in den Anden ein Ansprechpartner und Begleiter zu sein. Langsam wird die Kirche von Caravelí von einer pfarrerzentrierten Institution zu einem Hospital fuer seelisch Verwundete, die oft im Glauben und in der Tradition ihren einzigen Halt haben.
Von Januar bis April hat mich Kurt Faulhaber begleitet, den ich als 11 Jaehriger auf meinem ersten Ferienlager der Schoenstattjugend kennengelernt habe. Diesmal hat er mir geholfen, mit der pastoralen Schriftrolle zu arbeiten, was sowohl bei den Pfarrern und Ordensschwestern der Praelatur wie auch bei der Schoenstattfamilie gut ankam. Waehrend dieser Zeit schrieb Kurt kraeftig am Buch das gerade dazu erschienen ist: Michael Gerber u.a. „Pastral am Puls“, Herder-Verlag. Im Sinne des „praktischen Vorsehungsglaubens“ von Pater Josef Kentenich konnten wir uns mit dieser Methode ganz praktisch von Gott fuehren lassen, besonders bei der Erarbeitung des Jahresmottos der Praelatur: „Ausgesandt um die Menschen barmherzig zu begleiten“. Mehr als leiten wollen wir begleiten: die Armen in der Pfarrcaritas, die Katecheten bei der Gemeindeleitung, die Jugendlichen in ihren Gruppen, die Menschen in ihrer andinen Kultur und Denkweise.
Ein grosses Ereignis im Januar war die Pfarrmission in Caraveli, zu der 50 Laienmissionare der Schoenstattbewegung aus Argentinien und vor allem aus Lima angereist waren. Ebenso hat mich die Weihe des neuen Erzbischofs von Lima, Carlos Castillo, Ende Januar sehr begeistert. Da geht die Erneuerung der Kirche im Sinne von Papst Franziskus ganz kraeftig voran.
Im Mai war ich auf Heimaturlaub, wo ich eine gute Zeit mit meinen Geschwistern und meiner Mutter verbringen konnte, sie ist 85 geworden.




Seit Ende Oktober bin ich nun auf Firmreisen, von einer Pfarrei in die Andere. In manchen Pfarreien bin ich mehrere Tage, wir fahren auch auf die Doerfer zur Firmung, wenn es mindestens 10 Firmlinge sind. So kam ich auch zu meiner bisher „hoechsten“ Firmung, naemlich auf 4400m ueber dem Meeresspiegel. Es waren gerade einmal 14 Firmlinge in Negromayo, aber die Kapelle war so klein, dass wir die Feier davor auf dem Platz im Freien gemacht haben. Der Himmel war uns gut gesinnt, die heftigen Regenfaelle kamen erst 1 Stunde nach der Feier. Besonders beeindruckt haben mich in dieser Kapelle die Heiligenfiguren, denen die Glaeubigen eine Wollmuetze und Wollschal verpasst haben, was in dieser Hoehe halt einfach wichtig ist. Ausserdem bekam ich einen Chuyo, eine Wollmutze mit Ohrenklappen in violett, was die uebliche Bischosmuetze ganz wunderbar inkulturiert. Tja, so war ich 2 Monate lang am Firmen und zwischendurch nur einmal fuer ein paar Tage zu Hause in Caraveli, ein richtiges Nomadenleben.
Seit dem ersten September gibt es eine neue mexikanische Schwesterngemeinschaft in der Praelatur, 4 „Missionarinnen und Katechetinnen des Heiligen Josef“, sie helfen in Atico mit, sollen aber demnaechst die Pfarrei in Chaparra uebernehmen, wenn die Gemeinde das Schwesternhaus fertigstellt. Damit haben wir neben den „Seelsorgeschwestern aus Caraveli“ nun 3 mexikanische Schwesterngemeinschaften, eine davon (Familia in Corde Jesu) feiert gerade das silberne Jubilaeum ihrer Station in Lampa.
Eure Spendengelder wurden dieses Jahr fuer Projekte der Pfarrcaritas verwendet. 7 Pfarreien haben Projekte fuer bis zu 1500 Euro durchgefuert: Altenspeisungen, Kinderspeisung, Gemuesegaerten, Dachreparaturen bei Hagelschaeden.
Ich hatte gehofft, bei Adveniat mehr Unterstuetzung fuer Kirchenbauten und Pfarreifahrzeuge (unerlaesslich bei unseren weiten Entfernungen zu den Doerfern) zu bekommen bzw. beim Kindermissionswerk fuer Baumassnahmen an unseren 3 Pfarrschulen. Leider werden solche Proyekte immer weniger gefoerdert und die Wartelisten sind lang. Hoffentlich kann ich auf Eure Hilfe zaehlen. Diese Proyekte sind nicht meine, sondern die meiner 22 Pfarreien, und die Erwartungen an einen deutschen Bischof sind halt schon da. Es tut mir immer wieder weh, viele Erwartungen enttaeuschen zu muessen.
In meiner Gegend sind auch einige sozial-oekologische Konflikte ausgebrochen. Die Bauern stellen sich gegen die Mienen, oft mit gutem Recht, weil die Umweltbelastung meist nicht transparent kommuniziert wird und die soziale Verantwortung der Minen oft unzureichend ist. Allerdings gibt es auch jede Menge Kleinunternehmer, fruehere Angestellte der grossen Minen, die nur die grosse Miene weghaben wollen um dann dort Kleinstmienen zu errichten, die ueberhaupt keine Umwelt- und Sozial-auflagen beachten.
Die wirtschaftlich- politische Lage in Peru bleibt instabil. Der Praesident hat unter grossem Beifall der Bevoelkerung das weitgehend korrupte Parlament aufgeloest und Neuwahlen fuer Januar angesetzt. Dadurch blieben uns bisher die sehr gewalttaetigen und spontanen Massendemonstrationen in den Nachbarlaendern Ecuador, Kolumbien, Bolivien und Chile erspart. In der Justiz hat Peru grosse Erfolge im Kampf gegen die Korruption zu verzeichnen, aber innerhalb der Staatsanwaltschaft und der Gerichte herrscht eine Art Vernichtungskrieg, und der Ausgang ist noch offen.
Natuerlich habe ich die Amazonassynode sehr aufmerksam begleitet. Ich verstehe, dass es in Deutschland Enttaeuschungen gibt, weil es in der Zoelibats- und Frauenfrage keinen grossen Durchbruch gab. Aber das waren fuer uns hier halt eher Nebenthemen. Die wirklich wichtigen Themen am Amazonas sind in den 4 Bekehrungen drin, und da ging es sehr gut vorwaerts:
Oekologische Bekehrung - Pastorale Bekehrung – Kulturelle Bekehrung – Synodale Bekehrung.
Ich bin sicher, da werden wir noch einiges in der Region zum Weiterarbeiten haben und bin schon sehr gespannt auf das postsynodale Lehrschreiben von Papst Franziskus. Auch der deutschen Kirche wuensche ich einen guten synodalen Weg. Hoffentlich produziert er nicht nur Papier sondern auch konkrete Aenderungen im Leben, Bekehrungen eben.
Papst Franziskus hat vor wenigen Tagen ein wunderbares Lehrschreiben zur Weihnachtskrippe verfasst. Daraus einen Weihnachtsgruss an Euch alle:
Warum erstaunt und bewegt uns die Krippe so sehr? Vor allem, weil sie uns die Zaertlichkeit Gottes zeigt. Er, der Schoepfer des Universums beugt sich zu unserer Kleinheit hinab…
Die Krippe in ihrem franziskanischen Ursprung ist vor allem eine Einladung, die Armut zu „spueren“ und zu „beruehren“, die der Sohn Gottes in seiner Menschwerdung fuer sich gewaehlt hat. Und sie ist eine Einladung fuer uns ihm auf dem Weg der Demut, der Armut, des Hinabsteigens zu folgen, der vom Stall in Bethlehem zum Kreuz fuehrt. Es ist eine Einladung ihn zu finden und ihm barmherzig zu dienen in den beduerftigen Bruedern und Schwestern.
In diesen Sinne wuensche ich Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Ich werde es diesmal in meiner ehemaligen Pfarrei „San Antonio de El Estrecho“ am Putumayofluss im peruanischen Regenwald feiern.

Caraveli, 15.12.19                                                           Euer Bruder Bischof Reinhold Nann

Spenden koennt ihr ueber das uebliche Adveniatkonto schicken mit Vermerk „Praelatur Caraveli“.
www.reinholdnann.blogspot.com     r.nann@web.de                                                                                      

martes, 30 de mayo de 2017

Abenteuer Putumayo Rundbrief 28 Mai 2017

Abenteuer Putumayo: 4 Wochen im Boot, 1200km, 22 Doerfer



Vom 20.4. bis 19.5. war ich unterwegs auf dem Fluss Putumayo, dem Grenzfluss zwischen Peru und Kolumbien . 2/3 des 1300km langen peruanischen Teils gehoeren zu meiner Pfarrei, alle 39 Doerfer liegen an diesem Fluss. Er ist hier ungefahr so breit wie der Rhein bei Breisach, weniger tief aber mit sehr vielen Seitenarmen und Inseln schlaengelt er sich mit unzaehligen Windungen durch den Urwald. In der ersten Jahreshaelfte steigt er um einige Meter an und ueberschwemmt mit seinen schlammhaltigen Wassern den sonst recht sandigen und wenig fruchtbaren Boden. So sind diese Ueberschwemmungen ein Segen und ein Fluch zugleich, wenn sie zu frueh kommen, vernichten sie die Ernte, machen das Leben im Dorf kompliziert (die Hauser stehen ja auf Pfaehlen aber von einem Haus zum anderen gehts dann nur im Kanu) und vor allem verbreiten sich diese fuerchterlichen Stechmuecken ungehindert, das heisst Durchfall, Malaria, Dengue-Fieber.
Mit im Boot waren 4 Personen: Bea, eine polnische Laienmissionarin, die zum dritten Mal diese Tour organisiert, Saul ein junger Mann aus der Pfarrei, Raul der Steuermann und Gisella, die Koechin. Die Tour ist nicht billig, der Motor gehoert der Pfarrei, das Boot ist geliehen und der Sprit (5 Faesser) kostet etwas mehr als 1000 Euro, ungefaehr 6 Monate Mindestlohn in Peru. Das 19m lange Holzboot hatte 5 Schlafpritschen mit Schaumstoffmatratze und Moskitonetz, der einzig sichere Ort vor den verfluchten Plagegeistern. Das Mueckenschutzspray oder Oel half zwar ganz gut gegen die Schnaken, aber die wesentlich kleineren Mosquitos die einem lautlos in die Haut beissen, haben sich darán nicht im geringsten gestoert. Die Schlafstelle war ueberdacht und mit Plastik verstaerkt, was wunderbar gegen die ploetzlichen und starken Regenfaelle war, aber tagsueber bei Sonne einfach zu viel Hitze erzeugte. Lange Aermel sind ein Schutz aber nach einer Stunde war das Hemd verschwitzt. Mit einem Faecher Wind zu machen war das einzige was half. Die Einheimischen waren auch ueberall mit Stichpumkten uebersaet, da half nur eines: Zaehne zusammenbeissen. Das Klo im Boot war nur 1,5m hoch und duschen musste man sich mit einem Eimer zwischen den Benzinfaessern, das war ein Fressen fuer die Muecken. Ich war nach wenigen Tagen voellig genervt, vor allem als auch noch mehrmals der Motor ausfiel. Ich war drauf und dran alles hinzuschmeissen, Was mir geholfen hat waren die langen Stunden des Ausruhens in der Nacht. Da es auf den meisten Doerfern keinen Strom gab, ging man um 8 ins Bett bis am naechsten Morgen um 6.
In den 39 Doerfern gibt es 8 Ethnien (Huitotos, Orejones, Maijuna, Bora, Yaguas, Ticuna, Quichua und Ocaina. Allerdings haben sich seit dem Voelkermord in der Kautschukzeit (um 1900) die Etnien vermischt und die Sprachen und Traditionen sind am Aussterben. Nur in einem Dorf wird noch wirklich untereinander Tikuna gesprochen, in den restlichen gibt es noch ein zwei Alte, die oft auch noch unterschiedliche Sprachen sprechen. Es wird keine traditionelle Kleidung mehr getragen, aber in der Vorstellung was Gott ist, die Sehle und die Heilung von Krankheiten, da haben sich noch viele alte Werte erhalten, die wir als Kirche nicht ablehnen. Ja so hat Gott frueher zu den Alten im Urwald gesprochen, das ist so etwas wie das Alte Testament, auf dem der Glaube an Jesus Christus dann aufbaut.
Interessant am Leben am Fluss ist: Jedes Kind ab 3 Jahren kann schwimmen. Ab 5 Jahren koennen sie schon Kanu fahren und fischen und wenn sie ihr erstes Wildschwein geschossen haben, koennen sie auch eine Familie ernaehren und gruenden.
Die kleineren Doerfer haben 5-10 Familien und ca 50 Einwohner. Die meisten sind verwandt. Der Haeuptling (cacique) wird gewaehlt. Es ist eine Subsistenzwirtschaft. Man produziert um zu leben, es gibt kaum Verkauf oder Einkauf von Waren. Es gibt auch kaum eine Moeglichkeit etwas zu verkaufen, Fisch kann nicht 14 Tage lang transportiert werden bis in den Rest von Peru. Holz wird an der Grenze scharf ueberwacht, im Augenblick gibt es nur eine legale Moeglichkeit gut zu verdienen: Der Arahuana-fisch (ich vermute dass es sich um den Drachenfisch handelt, laicht im Maerz bis Abril. Dem Mutterfisch werden seine Laiche aus dem Mund gezogen und dafuer bekommt der Fischer von einem Aufkauefer ca. 50 Euro. Man sagt, dieser Fisch sei bei den Chinesen sehr beliebt. Seit 10 Jahren waehrt der Boom, wie lange noch? Sonst gibt es natuerlich noch die illegalen Geschaefte: Edelhoelzer, deren letzte Exemplare man immer tiefer im Urwald suchen muss. Kolumbianische Haendler zahlen gut. Coca natuerlich, frueher war hiera uf beiden Seiten des Flusses ein wahres Drogenanbaumekka, aber das hat sich in den letzten Jahren doch sehr geaendert. Die Praesenz und Zusammenarbeit von Militaerpatrullen beider Laender hat das Geschaeft schwieriger gemacht. Das gleiche gilt fuer die illegalen Goldwaescher. Auf grossen Floessen wird der Sand am Ufer abgepumpt, mit Quecksilber versetzt und nachher wird von Hand das Quecksilber und das Gold getrennt. Auch da haben beide Staaten diesen Umweltverschmutzern und Sich-selbst-vergiftern den Krieg erklaert. Ca 6 diesser Floesse sind bereits vernichtet worden. Das Problem ist. Die einzigen groesseren Doerfer, die wachsen, weil es dort Arbeit gibt, leben von diesen illegalen Aktivitaeten, ich schaetze es duerften ca 50 Familien sein.
Wenn wir in ein Dorf kommen, wird zu erstmal der Kazike besucht. Mit ihm machen wir aus, wann die Dorfversammlung sein kann, ob am gleichen Abend (geht meistens nicht, weil es keinen Strom gibt) oder am naechsten Morgen. Wenn  das Dorf mehrheitlich katholisch ist, gibt es dann noch eine Feier, manchmal eine Messe. Insgesamt habe ich auf dieser Fahrt 42 Kinder und 6 Erwachsene getauft, nur dreimal Eucharistie gefeiert, weil niemand ausser dem Misssionsteam zur Kommunion gegangen ist, da waren Wortgottesdienste dann einfach die bessere Loesung.
Ca 1/3 der Doerfer sind jetzt mehrheitlich evangelikal. Bis in die 80er Jahre, als die Pfarrei mehr praesent war, waren noch alle katholisch und es gab Gemeindeleiter in allen Doerfern, die meisten feierten Wortgottesdienste am Sonntag. Da die Pfarrei nicht mehr kam wurde das nur noch in einem Dorf durchgehalten, aber es gelang mir, in mehreren Doerfern wieder Leute zu gewinnen, die sich darauf vorbereiten werden, Gemeindeleiter zu sein. Die meisten waren sehr erfreut, dass die Pfarrei nun wieder in den Doerfern auftaucht. Oft wurde ich etwas abwartend gefragt, ob ich denn laenger bleiben wuerde. “Wenn Gott will” war dann meine Antwort.
So werde ich nun wahrscheinlich 3 Monate im Jahr auf dem Fluss leben: 2 Reisen flussabwaerts und 2 Flussaufwaerts. Nirgendwo gibt es Haendyempfang, allerdings gibt es in 5 Doerfern ein oeffentliches Telefon und in weiteren 10 ein Amatuerfunkgeraet, so dass die Schwestern am Pfarreisitz informiert werden koennen, wo wir gerade sind.
Gottseidank ist der Sitz der Pfarrei in der Kleinstadt El Estrecho, wo die Muecken (fast) kein Problem sind und ich zumindest uebers Telefon erreichbar bin. Herzlichen Dank auch allen Spendern, ich bin heute nach langer Zeit mal wieder im Internet und muss mich erst mal informieren, was von wem gekomen ist. Ganz besonders moechte ich Euch um Euer Gebet bitten, in solchen Extremsituationen ist es die Kraft, die mich durchhalten laesst.

Iquitos, 22.5.17                                                                               Euer Reinhold Nann

Alles am Fluss Rundbrief 27 Maerz 2017

Pfr Reinhold Nann                                                                                                        Rundbrief 27 aus Perú 3/17
Alles am Fluss
Liebe Freunde,
Nun bin ich schon fast 5 Wochen in Iquitos und doch noch nicht an meiner neuen Stelle. Diese erste Zeit ist noch eine Einfuehrungs- und Kennenlernphase. Ich bin zwar schon 20 Jahre in Perú, habe aber das Gefuehl, noch einmal ganz von vorne anzufangen.
Gleich am Anfang hat sich ein Zehennagel quer gestellt und musste teilweise gezogen werden. Ich schenkte dem kaum Beachtung, habe meinen normalen Rhytmus beibehalten und der Zeh wollte einfach nicht abschwellen. Daraufhin bekam ich eine Woche Bettruhe verordnet, was ich fuer intensives Lesen genutzt habe. An die Temperatur habe ich mich mittlerweile gewoehnt, auch das verlangsamt den Lebensrythmus weiter. Die Stechmuecken bleiben laestig, so langsam weiss ich wann und wo ich mich dagegen einschmieren muss.
Ich bin viel gereist. Von den 17 Pfarreien oder Missionsstationen habe ich 10 besucht, davon waren 4 nicht mit einem Priester besetzt. Alle liegen am Fluss: die meisten direkt am Amazonas oder an einem der 3 groesseren Nebenfluesse. Mein Reisebegleiter war Cesar Caro, spanischer Dioezesanpriester, der auch gerade hier seinen Dienst beginnt. www.kpayo.blogspot.pe
Wir haben viel gesehen, mit den anderen Missionaren geredet und von ihnen gelernt. Es gibt ein Netzwerk fuer Amazonaspastoral, das auch vom Vatikan und den deutschen Hilfswerken unterstuetzt wird: REPAM. Es hat unter anderem folgende Schwerpunkte: Pastoral an den Grenzen (Migration), Indiopastoral, Menschenrechte, lebenswertes Leben, Bildung. Es gibt in den 6 Laendern, in denen der Amazonas ist, 100 Dioezesen oder Vikariate, die am Amazonas gelegen sind. Der Amazonas produziert 20% des Sauerstoffs dieser Erde und einen grossen Teil des Suesswassers.
Meine zukuenftige Pfarrei: San Antonio del Estrecho
El Estrecho ist eine Klein- und Grenzstadt am Putumayo, der die Grenze zu Kolumbien bildet. Ausser den 5000 Einwohnern in der Stadt (knapp 1000 sind Militaer: Marine, Luftwaffe und Heer!) liegen ca 100 Doerfer an diesem Fluss, auf ca. 600km Laenge verstreut, die auch zur Pfarrei gehoeren. Diese Pfarrei hat seit Jahren keinen Pfarrer und wird von 3 Ordensschwestern betreut, die auch noch ein Internat haben. Dort sind Schueler aus den Doerfern, die dadurch die Moeglichkeit haben, eine weiterfuehrende Schule (nach der Grundschule) zu besuchen. In nur 5 Minuten bringt uns ein Fischerboot ans andere Ufer und ohne Grenzkontrolle bist Du in Kolumbien, in einem kleinen Fischerdorf. Bis vor kurzem waren dort noch die Farc – Rebellen an der Macht, sie geben in diesen Tagen ihre Waffen ab. El Estrecho ist ca. 300km noerdlich von Iquitos (Luftlinie). Es gibt keine Strasse, mit dem Boot waeren es ca. 2 Wochen. Gott sei Dank fliegt die peruanische Luftwaffe taeglich ca. 25 Passagiere und eine Menge Waren in weniger als einer Stunde dorthin.
Auf dem Bild bin ich am Flughafen mit Pfr. Cesar Caro und Schwester Lupita.
San Pablo: das Lepra Getto vor 90 Jahren
Ca 250km von Iquitos abwaerts am Amazonas liegt San Pablo. Dorthin wurden ab 1928 die Leprakranken des ganzen Gebietes verbannt und isoliert. Erst in den 40er Jahren fand Maxim Kuczynski, ein polnischstaemmiger Jude aus Berlin, der wegen den Nazis auswanderte und in Iquitos als Arzt wirkte, experimentell eine Behandlungsmethode. Er ist der Vater des heutigen Praesidenten von Peru! In den 50er Jahren war auch der Che Guevara fuer einige Monate hier, bevor er nach Kuba kam (siehe sein Motorradtagebuch). 1948 entstand die Pfarrei mit kanadischen Missionaren, die kanadischen Schwestern leiten bis heute das Lepra-heim, das allerdings nur noch 10 Patienten hat. Alle sind von der Lepra geheilt, Leiden aber an ihren Folgen (Verstuemmelungen). In der Praxis ist es ein Altenheim fuer Behinderte.
Das Dreilaendereck
Die Insel Santa Rosa ist 500km von Iquitos entfernt. Im Schnellboot sind das immerhin 11 Stunden. 5min ueber den Fluss im Fischerboot ist man entweder in Leticia/Kolumbien oder in Tabatinga/Brasilien, wenn zwischen beiden nicht ein Schild “Grenze” stehen wuerde, wuerde man den Uebergang nicht bemerkt haben. Beide Staedte sind Bischofssitze, haben auch einen Flughafen (sagen wir besser: Rollfeld). Es gibt hier im Grenzgebiet wegen fehlender Kontrolle viel Drogen- und Menschenhandel, letzterer vor allem fuer die Prostitution. In Santa Rosa ist die kleine Holzkirche in erbaermlichem Zustand. In wenigen Jahren wird der Holzwurm sie vernichtet haben. Hier wohnen ca 2000 Menschen, es gibt nur eine Art Mesnerin, zum Sonntagsgottesdienst den ein Priester aus Leticia haelt, kommen ca 10 Personen.
Ca 1 Stunde entfernt liegt Islandia, am Eingang zum Yawarí Fluss. Auch eine Insel, die die meiste Zeit des Jahres ganz unter Wasser steht. Die ca. 3000 Bewohner leben in einer Art Pfahlbauten, auch die Gehwege, die die Hauser verbinden, ruhen auf Pfaehlen. Es sieht ganz lustig aus, wenn die Kinder den grossen Platz als Schwimmbad benutzen. Die Pfarrkirche ist ganz nett, das Pfarrhaus aus Holz hat immerhin 10 Betten. Ich lerne die gerade angekommene Schwesterngemeinschaft kennen: 5 Schwestern zwischen 30 und 70 Jahren, alle aus Brasilien, aus 4 verschiedenen Ordensgemeinschaften, ohne Tracht. Sie werden die Pfarrei leiten und vor allem die Doerfer des Yawarí besuchen, die vor 9 Jahren zum letztenmal einen Pastoralbesuch von 2 Laienmissionaren bekommen haben. Es gibt dort viele Doerfer, die inzwischen zu 100% nichtkatholischen Gruppen angehoeren.
Ein Vikariat kurz vor der Pleite
Die Einnahmen einer Pfarrei hier belaufen sich auf ca. 40E monatlich an Kollekten und etwas weniger an Stipendien (Taufen und Messen). Das Vikariat erhaelt jaehrlich ca. 30.000E von Rom (Propaganda Fide, vor allem aus den Missionskollekten).  Sein Jahreshaushalt belauft sich auf knapp eine Million Dollar, wovon 2/3 in soziale Projekte gehen, die ueberwiegend ueber internationale Hilfswerke finanziert werden. Das Problem sind die Personalkosten der ca. 51 Missionare (Priester, Schwestern, Laien) und die Instandhaltungskosten der Haeuser, Kirchen sowie einige Verwaltungskosten. Dafuer klafft im Haushalt 2017 ein 100.000 US$ – Loch. Ich gehoere zu den wenigen Ausnahmen, die von ihrer Heimatdioezese ein Gehalt bekommen, und damit dem Vikariat keine Kosten verursachen. Ich habe bereits ein Hilfsgesuch an die Erzdioezese Freiburg geschickt, und hoffe auf eine grosszuegige Unterstuetzung. Ich werde auch die Haelfte meines Gehalts dem Vikariat geben, ich denke, dass mir die andere Haelfte sowohl fuer mich selbst als auch fuer die Pastoralarbeit in der Pfarrei genuegt. Diesmal bitte ich um eine grosszuegige Spende nicht fuer mich und meine Arbeit, sondern fuer die restlichen Missionare in diesem Vikariat. Vielleicht gelingt es mit vielen kleinen Hilfen das fuer uns grosse Loch zu stopfen. Ihr koennt eure Spende direkt auf mein Konto machen oder fuer die Spendenquittung an meine Heimatpfarrei in Vogtsburg.
In allen Schwierigkeiten mache ich immer wieder die Erfahrung: Gott laesst mich nicht im Stich. Diese Erfahrung wuensche ich Euch allen

Iquitos, 14.3.2017                                           Reinhold Nann                                                r.nann@web.de                Privat: IBAN: DE53 7509 0300 0007 1054 87  Pfarrei Vogtsburg: DE16 6806 3479 0024 1093 05 (Spende Reinhold Nann)

viernes, 23 de diciembre de 2016

Rundbrief 26 Weihnachten 2016


Abschied und Neubeginn

Wie ich in meinem letzten Rundbrief vom Maerz ja schon ausfuehrlich beschrieben habe: der Amazonas hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen. Ich war im Februar/ Maerz fuer 5 Wochen dort, um zu schauen, ob ich das Klima und die Lebensbedingungen dort aushalte, und es ging. Ich bin zwar auch schon 56 Jahre alt, fuehle mich aber noch fit fuer ein neues Abenteuer.

Im September vor 25 Jahren bin ich in Lima angekommen und war 5 Jahre in San Conrado. Eine spannende Zeit am Ende des Terrorismus, Gemeindeaufbau in Elendsvierteln, die heute schon richtige Vorstaedte und Geschaeftsviertel sind.

Dann war ich 5 Jahre in St. Konrad und Elisabeth in Freiburg und habe das Zusammenwachsen zweier Pfarreien begleitet.

Seit Januar 2002 war ich in der Erzdioezese Trujillo, zuerst 6 Jahre am noerdlichen Stadtrand in La Esperanza, wo ich wieder eine sehr lebendige Pfarrei in der Wueste geleitet habe. Zusaetzlich war ich auch ein paar Jahre Generalvikar im Nordteil der Dioezese.

Dann war ich 5 Jahre Pfarrer in Santiago de Chuco, in den Anden gelegen. Auch das war ein Neuanfang: Die Kultur der Anden ist ganz anders, ich vermisste die jugendlichen Katecheten…. Aber auch dort bin ich mit der Zeit heimisch geworden und habe sehr gerne dort gearbeitet.

Gegen Ende der Zeit in Santiago gab es eine Krise in der Schoenstattbewegung, in die sich der Erzbischof von Trujillo auf unkluge Weise eingemischt hat. Ich bin dann deswegen wieder in die Stadt Trujillo gegangen, um von der Pfarrei in Alto Moche aus auch das Schoenstattheiligtum und die Bewegung in Trujillo mitbetreuen zu koennen. Inzwischen ist die Krise ueberwunden, aber meine innere Distanz zum Bischof wurde zu gross. So habe ich mich dann nach etwas anderem umgeschaut. Und als der Weihbischof von Trujillo Mons. Javier Travieso in San José del Amazonas Bischof wurde, tat sich da eine interesante Tuer auf.

Im Juni war ich auf Besuch in Deutschland und habe mit Erzbischof Stefan Burger ueber meine Plaene im Amazonas gesprochen und bin auf offene Ohren gestossen. So wuchs dann langsam die Entscheidung, jetzt im Februar an den Amazonas zu gehen.

Es ist keine leichte Entscheidung gewesen, denn dieser Teil Perus ist nocheinmal eine ganz eigene Welt. Und die kirchlichen Strukturen dort sind noch weitaus schwaecher: Es gibt dort keine Dioezesen, nur apostolische Vikariate, und das von “San José del Amazonas” ist erst 1945 errichtet worden. Dort fehlt kirchliches Personal noch sehr viel mehr, und viele Pastoralbesuche auf den Doerfern finden nicht statt, weil die Transportkosten zu hoch sind (Es gibt dort keine Strassen, die Fluesse sind der einzige Verkehrsweg).

Ich denke mit meinem Gehalt aus Freiburg, der Unterstuetzung von Adveniat und einigen von Euch, dort so manches machen zu koennen.


Im Mai ist mein Vikar Segundo F. abgezogen worden, er ist eigentlich eher Kooperator als Vikar, denn er ist in meinem Alter. Ploetzlich tauchte von einem ehemaligen Priesteramtskandidaten eine Anklage auf sexuellen Missbrauch durch ihn auf, dies sei vor 20 Jahren passiert. Er wurde sofort vorsorglich vom Dienst suspendiert, eine bischoefliche Komission hat Voruntersuchungen angestellt und den Fall vorschriftsgemaess nach Rom weitergeleitet. Nach 6 Monaten Ermittlung hat der Staatsanwalt die Untersuchung aus Mangel an Beweisen eingestellt. Aus Rom wartet er immer noch auf eine Antwort. Alles deutet eigentlich eher auf einen Racheakt dieses ehemaligen Seminaristen hin, aber natuerlich muss der Fall gruendlich geklaert werden, um moegliche weitere oder gar zukuenftige Opfer zu schuetzen. Aber was ist, wenn der Angeklagte selber das Opfer waere? Pfarrer bekommen hier ja kein Gehalt, sie leben hauptsaechlich von den Dienstleistungen (v.a. Messen), und genau die sind ihm ja jetzt untersagt…

Im Juli dieses Jahres war meine Schwester Martina mit Familie bei mir zu Besuch. Sie waren in Cuzco, Trujillo und Iquitos. Es war eine gute gemeinsame Zeit und viele Leute hier haben sich sehr gefreut, Familienangehoerige von mir kennenlernen zu koennen.

Ich werde immer mehr zum Fan von Papst Franziskus. Sein Einsatz fuer eine arme Kirche unter den Armen ist auch meiner. Sein Ruf mehr an die Periferíen zu gehen, treibt mich an. Die Schreiben Evangelii Gaudium, Laudato si und Amoris Laetitia sind mir aus dem Herz gesprochen.

Der November stand im Zeichen der Katechese: Erstkomunion und Firmfeiern in der Pfarrei. Das heisst fuer mich vor allem Proben und Beichthoeren. Viele Kommunionkinder machen jetzt im Dezember bei den Herbergssuchen mit: eine Art Sternsinger, man singt Weihnachtslieder an den Krippen der Familien. Viele Firmlinge machen beim Krippenspiel mit, das jetzt am 24 aufgefuehrt wird.

Jetz steht noch ein anstrengender Monat des Verabschiedens vor mir. Bin mal gespannt, wieviel Kilo ich zulege, auch hier geht Liebe oft durch den Magen.

Am 5 Februar geht dann mein Flug nach Iquitos und von dort mit dem Boot nach Indiana.Ich soll zunaechst von dort aus die ca 4 Stunden entfernte Pfarrei in Francisco de Orellana aufbauen. Orellana hat nur ca 900 Einwohner, aber viel Doerfer drumherum. Es liegt an der Muendung des Napo in den Amazonas, von daher auf Google schnell zu finden.

Ich denke dass meine elektronischen Verbindungen weiter genutzt werden koennen, wenn auch das Internet nicht ueberall und auch nicht so schnell ist: r.nann@web.de face: Reinaldo Nann,  Handy und whatsapp: 0051969961661

So wuensche ich allen ein Frohes Weihnachtsfest und ein Gesgnetes Neues Jahr.

Betet fuer mich und lasst Euch von Gott ueberraschen.

Euer                                                                                                                                    Pfr. Reinhold Nann

martes, 23 de junio de 2015

Rundbrief 23 (Juni 2015)


Rundbrief 23 von Reinhold Nann                                                                                           Juni 2015

Liebe Freunde,

Ich habe schon lange keinen Rundbrief mehr geschrieben und auch den Blog nur noch sehr selten bedient. Im Facebook bin ich eher aktiv gewesen und dann halt auf spanisch.

In der Pfarrei geht es mir nach wie vor gut. Ich habe ja seit August letzten Jahres einen Kaplan, der allerdings ein wenig  aelter ist als ich. Morgends ist er als Religionslehrer taetig: Padre Segundo Fernández, er war schon einmal vor 10 Jahren Kaplan bei mir in der Esperanza. Auf dem Bild bin ich mit anderen Pfarrern bei seinem Geburtstagsmittagessen (er ist der 5te v.l.).


Im August kam auch Claudia Mueller als Voluntaria in die Pfarrei, sie ist vor allem in der Schule bei den Schwestern taetig und macht das sehr gut.

Letztes Jahr war ich mehrmals in Deutschland, zuletzt zum Begraebnis meines Vaters im November, das habe ich ja geschrieben.  Ich versuche, im Gebet immer wieder mit ihm zusammen zu sein.

Dieses Jahr habe ich mich ziemlich in die Kommunalpolitik eingemischt:  Im Jahr 1980 hat mein Stadtteil erst fliessendes Wasser bekommen, durch einen kanadischen Pfarrer, der kurzerhand das Geld fuer das  Kirchendach zweckentfremdete und stattdessen ein grosses Wasserreservoir fuer den ganzen Stadtteil bauen liess, inclusive Pumpstation fuers Grundwasser. Es wurde eine Kooperative gegruendet in der die Pfarrei mit einem Delegierten im Vorstand ist. Diese sollte die Wasserverteilung organisieren.  Alles lief recht gut, bis vor ca 9 Jahren das Grundwasser salzig wurde. Man hat dann doch das Wasser en bloque bei der staedtischen Wassergesellschaft kaufen muessen. Dieses Wasser wurde aber mit der Zeit immer teurer und damit auch die Diskussionen und Streitereien in der Kooperative. Ich habe kurzerhand eine Art Volksbefragung im Stadtteil organisiert. Ausserdem habe ich in allen 15 Zonen der Pfarrei Versammlungen gemacht um zu hoeren: Was ist das Problem? Welche Loesung siehst Du? 70% waren fuer die Aufloesung der Kooperative und fuer den Wechsel zur staedtischen Wassergesellschaft. Sie waren die ewigen Diskussionen und die Ineffizienz leid. (Zur Zeit kommt das Wasser nur eine halbe Stunde und das nur jeden zweiten Tag!) Ich habe dann sofort Gespraeche mit den zustaendigen Buergermeistern und der Wassergesellschaft gefuehrt, was mir den Zorn einiger Lokalpolitiker zugezogen hat. Ich hielt durch und es gab 2 Abstimmungen in der Mitgliederversammlung: Beide Male haben 90% der Mitglieder fuer den Wechsel gestimmt. Nun ist das durch. Ich war ploetzlich ueberall bekannt, auch unter den Nichtkatholiken. Wenn es auch sehr spannungsvoll war, bin ich dennoch froh, da mitgemischt zu haben. Ich bin jetzt sehr viel naeher dran an den Leuten und ihren Problemen, ich denke, das ist die Art von Kirche, die Papst Franziskus will.

In der Pfarrei konnte nun auch der neue Pfarrsaal in Betrieb genommen werden, auch dank einiger Einzelspenden. Bis letztes Jahr mussten groessere Versammlungen noch im Freien abgehalten werden, was nachts ziemlich ungemuetlich war. Die Waende sind zwar noch nicht verputzt und gestrichen, aber es tuts. Auf dem Bild sieht man den Saal mit Firmlingen und noch ohne Fenster, die hat er inzwischen.


Anfang dieses Jahres wurde ich heiss gehandelt als Bischofskandidat hier in Peru. Seit Papst Franziskus passe ich wahrscheinlich eher fuer dieses Amt, aber ich fuehle mich als Pfarrer einfach besser, weil naeher bei den Leuten. Ich habe jedenfalls deutlich meinen Unwillen zum Ausdruck gebracht und es scheint, dass dieser Kelch an mir vorueberging.

Mit dem Erzbischof von Trujillo gibt es nach wie vor Spannungen wegen der Schoenstattbewegung. Es scheint ihm vor allem um unser grosses Grundstueck zu gehen. Es ist schon traurig, wenn der Materialismus in den obersten Spitzen der Kirche regiert. Wir antworten nicht auf dieser Ebene, haben aber eine grosse Gebetskampagne zur “Erneuerung der Kirche” gestartet, ganz im Sinne von Papst Franziskus natuerlich.

Durch den fallenden Goldpreis und den anderer Bodenschaetze ist das Wirtschaftswachstum von Peru inzwischen auch deutlich zurueckgegangen, betraegt aber immer noch ca. 4%. Naechstes Jahr sind Wahlen, da ist die politische Situation auch angespannt.

Ende Juli werde ich knapp 2 Wochen zuhause sein, mein Patenkind Alexandra wird heiraten. Ich werde die Zeit deswegen hauptsaechlich mit der Familie verbringen.

Ganz herzliche Segenswuensche fuer Euch alle


                                                                                                                                             Pfr. Reinhold Nann

lunes, 29 de septiembre de 2014

Pilger zum Hundertsten


Pfr.  Reinhold Nann, September 2014  

Liebe Freunde aus der Freiburger Schoenstattfamilie,

 

Der 18 Oktober und damit der hundertste Geburtstag Schoenstatts rueckt naeher. Zur Internationalen Jubilaeumswallfahrt nach Schoenstatt und Rom haben sich bisher 7000 Menschen angemeldet. Dabei wird auch die 20koepfige Pilgergruppe aus Trujillo-Peru sein, die ich leiten werde. Die Vorbereitung hat mich schon einige Stunden und manchen Schweisstropfen gekostet. Aber ich freue mich trotzdem oder gerade deswegen schon sehr darauf. Es ist natuerlich eine etwas kostspielige Sache, die sich nicht alle leisten koenen, es sind auch eher aeltere Herrschaften, die sich auf den Weg machen.

Wir sind vom 14.-20.10. in Koblenz, fahren dann ueber Freiburg, Achkarren und Muenchen nach Rom bis zum 29.10. Dann werde ich noch bis zum 12.11. in Achkarren sein, ab dort bin ich dann auch die Verantwortung fuer die Gruppe los.

Am Montag dem 20.10. haben wir um 19Uhr eine Messe im Heiligtum der Berufung in Merzhausen. Da wuerde ich gerne alle Freiburger Schoenstaetter einladen zur Messe und zur anschliessenden Begegnung. Vielleicht kann diese Begegnung auch im Sinne der Perupartnerschaft der Erzdioezese unsere beiden Schoenstattfamilien sich naeherkommen Lassen.

Koennt Ihr diesen Termin einander weitersagen? Danke…

Wir sind in der Katholischen Akademie untergebracht und kommen mit dem Bus nach Merzhausen. Wenn anschliessend noch mehrere ein wenig Platz im Auto haetten und wenigstens einige aeltere von uns wieder bis zur Akademie bringen koennten, waere das grossartig.

Das Jubilaeumsjahr hat grossartige Fruechte in Trujillo hervorgebracht. Es wurden sehr viele Beitraege zum Gnadenkapital gebracht, der Krug im Heiligtum war immer voll am 18.

·         16 haben neu das Liebesbuendnis geschlossen, 113 haben es erneuert.

·         Mehrere Pfarreien und Schulen haben eine Wallfahrt organisiert. Zum 18. Oktober erwarten wir ca. 1000 Pilger am Heiligtum in Trujillo.

·         Die Schwierigkeiten mit dem Erzbischof haben sich weitgehend geloest, die Schoenstattfamilie ist gestaerkt aus der Krise herausgekommen.

·         Das Heiligtum in Trujillo hat jetzt einen Namen: Heiligtum der Treue. Die Schoenstattfamilie von Trujillo wird im November 30 Jahre alt. Dazu ist ein Buch erschienen: “30 años de Schoenstatt en Trujillo – Perú”.

Im Liebesbuendnis vereint                        Euer Reinhold Nann

 

Fuer alle die spanisch koennen: www.schoenstatttrujillo.blogspot.com und in Facebook: Movimiento apostólico de Schoenstatt Trujillo

sábado, 8 de diciembre de 2012

Rundbrief 20; Advent 2012


Liebe Freunde!
Nun sind 3 Monate seit meinem Unfall mit Beinbruch vergangen. Es war eine fruchtbare Zeit, ein Innehalten zum Lesen, Beten und Nachdenken. Ich habe viel Besuch empfangen, sowohl im ersten Monat in Trujillo, als auch danach in Santiago. Endlich hatte ich Zeit fuer Gespaeche. Allerdings ist es mir gegen Ende doch auch langweilig geworden, ich bin froh, wenn ich bald wieder normal gehen kann. Ich kann mein Bein inzwischen mit ca 50 % belasten un uebe gerade, mit nur einer Kruecke zu gehen.
In der Pfarrei satnden Firmungen und Erstkommunionen an. 75 Jugendliche haben sich firmen lassen. Dazu kamen noch 25 Erwachsene aus der Familienkatechese. Dieses Jahr hat die Erstkommunionvorbereitung als Familienkatechese erstaunliche Fruechte gebracht: 12 Elternpaare haben sich zivil und kirchlich getraut und wurden auch gleich noch gefirmt. (Normalerweise habe ich nur ca. 4-5 Trauungen im Jahr). Erstkummunionen gab es an 4 Tagen und 3 Orten mit insgesamt 110 Kindern.
Das Jahr des Glaubens haben wir mit einer Aktion zur Verbreitung des Glaubensbekenntnisses begonnen: An alle Haushalte wurde ein Blatt mit dem Glaubensbekenntnis und erklaerung verbreitet (ca 2000 Exemplare). Ausserdem wurden an die Grundschulen Blaetter mit dem Glaubensbekenntnis und Bildern zum Ausmalen verteilt. Den Familien wurde angeboten, eine Kerze mit dem Symbol des Glaubensbekenntisses zu erwerben, und diese Kerze beim Familiengebet zu entzuenden. So wird das „Licht des Glaubens“ in den Familien symbolisch sichtbar.
Mitte November war Baubeginn auf dem Gelaende der Landwirtschaftsschule. Bauleiter und Betreiber der Schule wird nicht die Pfarrei sondern das Erzbischoefliche Ordinariat von Trujillo sein. So sind wir verblieben, und mir ist das ganz recht, ich habe so auch genug zu tun.
Einige Proyekte, die ich mit Eurer Hilfe durchfuehren konnte und kann: Anfang des Jahres waren einige zusaetliche Arbeiten fuer die Fertigstellung des Schwesternhauses faellig: ca. 4000E. Einer staatlichen Dorfschule (Mungural)die schrecklich vernachlaessigt war, habe ich mit neuen Fenstern geholfen (200E). Im Pfarrhaus von Cachicadan habe ich die komplette Wasserinstallation erneuert (700E). Im September konnte ich das Dach fuer eine neue Kapelle stiften, die die Dorfbewohner in Eigenleistung gebaut haben (1000E). Hin und wieder gab es Einzelfallhilfen, vor allem bei Krankheit. Jetzt in der Adventszeit werden wir wieder kleine Geschenke fuer Kinder auf den Doerfern machen, ca. 1000 habe ich schon.
Die Ordensschwestern werden nach 3 Jahren leider Santiago im Januar wieder verlassen, und bis jetzt ist kein Ersatz in Sicht. Es waren 3 Schwestern da, eine an der Pfarrschule, eine an der Staatlichen Schule und eine in der Gemeinde. Leider braucht sie der Orden an anderer Stelle. Sie werden eine grosse Luecke hinterlassen.
Eine grosse Veraenderung wird sich fuer mich im Januar ergeben: Ich werde die Pfarrei wechseln und wahrscheinlich wieder eine Pfarrei am Stadtrand von Trujiillo uebernehmen, der genaue Ort steht noch nicht fest. Ich habe letzte Woche ein gespraech mit dem Erzbischof gehabt, und selbst darum gebeten. Ich bin jetzt 5 Jahre in Santiago de Chuco gewesen und waere eigentlich gerne noch laenger geblieben. Die Arbeit hat mir Spass gemacht, die Natur hier ist grossartig und ich konnte vieles in diesen Jahren verwirklichen. Es wird den Leuten sehr schwerfallen, sich zu verabschieden. Der Grund ist hauptsaechlich, dass ich in der Schoenstattbewegung in Trujillo dringend gebraucht werde. Seit 2 Jahren ist die Bewegung dort praktisch ohne geistlichen Begleiter, ich habe versucht zu machen was ich kann, aber Santiago de Chuco ist einfach zu weit weg. Vor allem jetzt nach meinem Unfall habe ich das staerker gespuert und habe lange darueber nachgedacht. Der Bischof war auch sofort bereit, und so gehe ich nun mit einem etwas gemischten Gefuehl. Ich bin gerade dabei, es den ersten Leuten in der Gemeinde zu erzaehlen. Bisher ist noch nicht klar, wer dann mein Nachfolger wird.
Im Februar 2013 werde ich wieder fuer gut 3 Wochen in meiner Heimat in Achkarren sein, vom 5. Bis 28. Februar.
Nun hat die Adventszeit wieder begonnen, die immer wieder neue Ankunft des Herrn. Auf meinen Kruecken erlebe ich das so: Nicht ich komme zu den Menschen, es ist Gott der in den Menschen zu mir kommt. Gerade in meiner Armseligkeit darf ich ihn empfangen, je weniger ich zu geben habe, desto mehr wird ER zur Gabe fuer mich.
In diesem Sinne wuensche ich allen eine gesegnete  Advents-und Weihnachtszeit
Euer (Ihr) Reinhold Nann

Reinhold Nann, Grau 1246, Santiago de Chuco (La Libertad), Perú. r.nann@web.de www.reinholdnann.blogspot.com und in spanisch: www.parroquiasantiagodechuco.blogspot.com KtoNr 7105487 bei der Liga-Bank (BLZ 75090300).

viernes, 14 de septiembre de 2012

Rundbrief Nr 19


Reinhold Nann 19. Rundbrief aus Perú, September 2012
LIebe Freunde
Am 8.9. hatte ich einen Motorradunfall und nun ein gebrochenes Schienbein, was mir ploetzlich ganz viel Zeit gibt, da habe ich mir gedacht, schreib doch mal wieder einen Rundbrief.
Ich habe im ca 30min von Santiago entfernten Dorf Rayambara ein Patronatsfest gefeiert (Geburt Mariens) und bin in einer engen und steinigen Kurve mit dem Motorrad ausgerutscht. Bei dem Versuch mit dem Fuss das Motorrad abzustuetzen, fiel mir das volle Gewicht der Maschiene auf das Bein. Ich war mit dem Motorrad unterwegs, weil ein Seminarist gleichzeitig mit dem Auto in einem anderen Dorf die Festmesse hielt. Ich hatte Glueck im Unglueck: Mit dem Handy konnte ich in Santiago anrufen und schon nach 10 Minuten nahm mich ein vorbeifahrender Kleinbus (hier faehrt nur alle 2 Tage ein Fahrzeug vorbei) mit bis zum Krankenhaus in Santiago. Dort waren schon alle in heller Aufregung, ichbekam eine Schmerzspritze,  wurde geroengt und wurde sofort im Krankenwagen nach Trujillo befoerdert. Dort kam ich in eine Klinik, wo ich 2 Tage spaeter dann von einem Spezialisten operiert wurde. Zuerst musste noch der Nagel aus Titanium in Lima angefertigt und mit dem Flugzeug nach Trujillo gebracht werden. Der Nagel war dann auch teurer als der 3 taegige Klinikaufenthalt, aber ich bin ja versichert. Am Tag nach der Operation, die gut verlief, wurde ich entlassen und bin jetzt bei einer befreundeten Familie in Trujillo untergebracht, mit Kruecken kann ich mich schon bewegen, das wird wohl noch 2 Monate so bleiben. Ich habe keine Schmerzen und kann vom Bett oder der Couch aus lesen, Leute empfangen, mit dem Laptop arbeiten und beten, ich empfinde es  wie ein aufgezwungenes Ausruhen. Meine Aktivitaet in der letzten Zeit war schon recht heftig, vielleicht wollte mir Gott mit diesem Unfall einfach mal die Prioritaeten veraendern. Ausserdem hat mir dieser Unfall gezeigt, wieviele Menschen mit mir verbunden sind. Schon wenige Minuten nach der Ankunft im Krankenhaus in Santiago kamen Leute, dann unzahlige Anrufe und schliesslich Facebook und e-mails. Am Sonntag dem 9.9. konnte ich mich vor Besuchen kaum retten, das hat jetzt Gottseidank wieder nachgelassen. Aber es hat mir doch gezeigt, was fuer ein grosses Beziehungsnetz da gewachsen ist.
In der Pfarrei hat mich seit Maerz ein Seminarist im Gemeindepraktikum begleitet: Ricardo Cornejo. Er wurde gerade am 11.9. zum Diakon geweiht und betreut nun waehrend meiner Abwesenheit die Pfarrei. Ausser Ricardo kamen noch 2 Seminaristen, einer betreut die Nachbarpfarrei Cachicadan und der andere arbeitet mit Pfr. Wilmer Castillo in einer weiteren Nachbarpfarrei, die juristisch gesehen auch mir unterstellt sind.
Im August hat sich Samuel Nann als Voluntario verabschiedet. Es war eine gute Erfahrung ein Jahr mit meinem Neffen zusammenzusein und auch ihm hat es gut gefallen hier.
Am 20.8. kam als nueuer Voluntario Patrick Friebel aus Ueberlingen am Bodensee. Er wird auch ein Jahr lan bleiben. Sein Taetigkeitsfeld ist die Pfarrschule, Jugend und Kinder in der Pfarrei und nun auch besonders die Fahrdienste fuer den Diakon und spaeter fuer mich.
Im letzten Rundbrief war ich nicht sicher, ob die Pfarrschule ueberhaupt weitergeht, aber Anfang dieses Jahres haben sich dann doch erfreulich mehr Schueler angemeldet, es sind jetzt ca. 50 in 4 Klassen (inclusive Kindergarten), so dass sich dieses Jahr zum ersten Mal die Schule auch finanziell selbst tragen kann.
Seit Maerz wohnen die 3 Ordensschwestern nun auch im neuerrichteten Schwesternhaus. Schwester Yolanda ist Grundschullehrerin an der Pfarrschule, Schwester Carmen Religionslehrerin an einer der beiden staatlichen Schulen und Schwester Gumercinda arbeitet in der Pfarrei mit. Leider haben die Schwestern sich nicht entschlossen, im ersten Stock ihres Hauses eine Gesundheitsstation einzurichten, was eigentlich geplant war.
Das wohl herausragendste Ereignis fuer mich in diesem Jahr war mein silbernes Priesterjubilaum. Ich habe es an vielen Orten und mit vielen Menschen feiern duerfen – in grosser Dankbarkeit fuer ein Geschenk, das Gott einem zerbrechlichen Gefaess wie mir anvertraut hat.
Am 30. Mai habe ich mit der Gemeinde gefeiert, wo ich auch zum „Adoptivsohn“ des Ortes Santiago de Chuco erklaert worden bin, mit Sprechchoeren wie „Padre Reinaldo ist jetzt Santiaguino“.
Am 31. Mai war dann die Feier im Schoenstattheiligtum in Trujillo, wo ausser der Schoenstattbewegung auch die Kolonie der Santiaguinos in Trujillo und Verteter meiner frueheren Pfarrei aus der Esperanza zugegen waren.
Am 1. Juni hatte ich eine Messe in Lima und dann gings gleich ins Flugzeug nach Deutschland ueber Madrid. Eine Woche war ich zu Hause bei meinen Eltern, dann ging es nach Israel mit meinem Weihekurs. Ich treffe meine Kurskollegen ja nur alle 5 Jahre bei diesen Weihkurs-fortbildungen und es war ein gutes Zusammensein (wir waren 16!) und eine sehr gute Fuehrung durch die heiligen Staetten. Dann hatte ich noch eine Festmesse in meinem Heimatort Achkarren und mit der Schoenstattfamilie in Merzhausen.
Auf dem Rueckflug habe ich noch eine Woche auf der iberischen Halbinsel halt gemacht und mit 3 Mitbruedern aus meinem Schoenstattpriesterkurs Santiago de Compostela und Fatima besucht.
Anfang Juli kam ich dann wieder in Santiago de Chuco an, wo gleich das Patronatsfest losging, das ja 18 Tage lang dauert. Dann waren Priesterexerzitien der Dioezese Trujillo und 10 Tage Mission in meiner Pfarrei: 50 Laienmissionare aus 4 Pfarreien Trujillos haben 21 Doerfer aus meiner Pfarrei besucht (je 2 und 2). Sie besuchen dann jedes Haus und laden zu abendlichen Veranstaltungen ein. Ich war damit beschaeftigt, sie in die Doerfer zu bringen und wieder abzuholen, das waren ca. 25 Fahrstunden.
Gerade faellt mir auch ein, dass ich heute, am 14. September vor 21 Jahren zum ersten Mal nach Peru kam.
Herzliche Gruesse an alle, nun habe ich Zeit nicht nur zu schreiben, sondern auch fuer alle zu beten.

Trujillo, 14.9.2012
                                                                                              Euer /Ihr    Reinhold Nann

sábado, 17 de diciembre de 2011

18. Rundbrief

Reinhold Nann 18. Rundbrief aus Peru (12/11)

Liebe Freunde,

kurz vor Weihnachten sollen euch wieder einige Zeilen erreichen.

In der Pfarrei geht es vorwärts mit dem Pastoralplan der Diözese. In ca. 20 der 65 Dörfer gibt es bereits ein Pastoralcomité (equipo de coordinación zonal), ebenso in den 4 Stadtteilen von Santiago. Diese organisieren alle 2 Monate einen event (Gebet, Versammlung und Kaffee o.ä.), der der Stärkung des Zusammenhaltes dient. Vor dem event werden alle schriftlich eingeladen. So langsam gelingte es uns tatsächlich Gemeinde in den Stadtteilen und auf den Dörfern aufzubauen. Zu den monatlichen Fortbildungen der comités kommen jetzt ca. 40 Leute, das wächst. Den ganzen Prozeß leitet eine zentrale Gruppe, zu der außer mir auch 2 Ordensschwestern und 3 Laien gehören. (Bild: Fortbildung der Comités)

Jetzt kurz vor Weihnachten konnten dank dem Besuch von Laienmissionaren aus Pfarreien aus Trujillo (Lateinamerika befindet sich seit der Konferenz von Aparecida in einer Art permanenter Mission) in 13 Dörfern sogenannte chocolatadas stattfinden, das ist eine Art Krippenfeier, bei der die Kinder heiße Schokolade und ein Geschenkchen bekommen. Einige ältere Menschen die verarmt sind, bekommen von der Pfarrei wieder einen Geschenkkorb.

Ich bin für zwei Nachbarpfarreien mitzuständig, die von zwei sehr jungen Priestern betreut werden, die mit mir eine Art Team bilden. Der eine, P. Jim hatte seit einiger Zeit gesundheitliche Probleme, magerte ziemlich ab und hat im Oktober endlich eine gründliche Untersuchung in Trujillo gemacht: Diagnose: Tuberkulose. Er kam sofort ins Krankenhaus, ist inzwischen zu Hause bei seinen Eltern. Die Behandlung schlägt gut an, wird aber ca. 6 Monate dauern. Im August beendete auch der Seminarist aus Santiago sein Pastoralpraktikum, so daß es personell im Moment wieder etwas eng aussieht, ich hoffe, zum Jahreswechsel wieder einen Priester oder Seminaristen zu bekommen. Für Cachicadan kam Anfang Dezember endlich das Auto an (von Adveniat zu 2/3 finanziert), dank den Zollformalitäten und anderem Behördenkram ging es mal wieder ewig. Padre Wilmer, der Angasmarca betreut und im Moment auch den Sonntagsgottesdienst in Cachicadan hält, benutzt es bereits dankbar.

Im August verabschiedete sich der Voluntario Maxim Nopper. Sein Nachfolger ist Samuel Nann, der Sohn meines Bruders Andreas. Er wird auch ein ganzes Jahr hier sein. Sein Spanisch wird immer besser, er hat sich bereits zu einem ausgezeichneten Geländefahrer entwickelt (ich genieße es einen Chofer zu haben) und gibt auch Englich und Sport an der Pfarrgrundschule.

Das Schwesternhaus ist fast fertig, ich hoffe sie können Anfang Januar dort einziehen und im März dann die im ersten Stock befindliche Gesundheitsstation einweihen. Es wurde mit dem Verkauf eines Grundstücks der Pfarrei und mit Spendengeldern finanziert. (Bild: Schwesternhaus)

Mitte September bis Mitte Oktober haben Juanita Esquivel, eine junge Lehrerin und Katechetin und Wilmer Diaz, ehemaliger Leiter der Partnerschaftsgruppe, die Partnerpfarreien „Sankt Urban“ und „Sankt Konrad und Elisabeth“ in Freiburg besucht. Es war wohl eine sehr gute Begegnung, die beiden haben voller Begeisterung hier erzählt und Bilder gezeigt.

Die Pfarrschule steckt in einer finanziellen Krise. Trotz einigen Stipendien fuer ärmere Schüler und für Geschwister ist es nicht gelungen, die notwendige Schülerzahl zu erreichen, um die Lehrergehälter zu bezahlen. Das ist nun bereits im dritten Jahr so. Wir hatten in diesem Jahr im Kindergarten 10 Schüler und in 3 Grundschulklassen insgesamt 22. Auch die Möglichkeit vom Staat einige Lehrer bezahlt zu bekommen, hat sich nicht ergeben. Aufgrund der bisher eingegangenen Anmeldungen werden wir nächstes Jahr wahrscheinlich nur den Kindergarten weiterlaufen lassen.

Auch mit dem Projekt der Landwirtschaftschule, von deren Idee ich sehr begeistert war, bin ich inzwischen unschlüssig geworden. Das Problem sehe ich vor allem in der Wasserversorgung. Wir werden wohl nicht genug Reserven haben, um in der Trockenzeit mit künstlicher Bewässerung arbeiten zu können. Damit wird auch die Finanzierung des Internatsbetriebes unsicher. Die Erzdiözese Trujillo ist zwar weiterhin an dem Bau interessiert, ich würde aber wohl als Pfarrer nicht die Leitung übernehmen.

Vom 28.11. bis 1.12. hat Erzbischof Robert Zollitsch mit einer 15 köpfigen Delegation Trujillo und Santiago de Chuco besucht. Die Delegation bestand aus Mitarbeitern der Deutschen Bischofskonferenz und aus der Erzdiözese Freiburg. Sowohl die 8 Partnergemeinden als auch die Leitung der Erzdiözese Trujillo haben den Empfang am Flugplatz, einen Gottesdienst in der Kathedrale und anschließenden Empfang im Foyer des Ordinariats gestaltet. Am nächsten Tag ging es dann hinauf in die Anden nach Santiago de Chuco. Die Delegation hat die Höhe ganz gut verkraftet, besser als der in Trujillo ausgeliehene Bus (Mercedes Sprinter), der seinem Namen überhaupt keine Ehre machte und deutlich schwächelte. Es war eine gute Begegnung, beim Patronatsfest in einem der Dörfer (Pueblo Nuevo) hatten einige Redner Tränen in den Augen, als sie sich bei der Delegation bedankten. Auf der Homepage der Erzdiözese Freiburg http://www.erzbistum-freiburg.de/html/audios_und_videos347.html und einem blog der Bischofskonferenz gibt es dazu die Ansprachen und viele schöne Bilder. (Bild: Adveniatchef Bernd Klaschka, Erzbischof Zollitsch, Erzbischof Miguel Cabrejos –Trujillo, Wolfgang Sauer. Beim Anprobieren des geschenkten Ponchos)

In der Schönstattbewegung von Trujillo haben sich die Wogen wieder geglättet. Der im Mai vom Bischof eingestzte Diözesanleiter, ein Priester, der vorher Schönstatt nicht kannte, hat ganz wesentlich dazu beigetragen. Er feiert jeden Sonntag den Gottesdienst am Heiligtum und versucht wirklich, der Familie zu helfen soweit ihm das möglich ist. Bei mir blieb ein etwas fader Nachgeschmack zurück, was die Transparenz und das Vertrauen des Bischofs mir gegenüber betrifft. Im Dezember und Januar letzten Jahres wurde die Bewegung ja bischölich visitiert, aber es gab keinerlei Visitationsbericht danach.

Die politische Situation im Land ist besser als befürchtet. Präsident Ollanta Humala hat Ende Juli sein Amt angetreten und zur Verärgerung seiner Wähler aus dem extrem linken Spektrum keine wesentlichen Veränderungen in der Wirtschaftspolitik durchgeführt. Seine Absicht ist wohl, die Wirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs zu lassen aber speziell die boomenden Goldminen höher zu besteuern (was bereits geschehen ist, allerdings nur moderat) um damit mehr Sozialprogramme zu finanzieren. Allerdings machen ihm die bisher von ihm unterstützten Minengegner nun Probleme: an mindestens 3 Orten bestehen offene Konflikte. In Cajamarca, wo auf Vermittlung der Regierung die Mine auf die Durchführung des Projektes Conga verzichtete, haben die Demonstranten trotzdem weiterin die Straßen blockiert. Daraufhin hat die Regierung für diese Region den Ausnahmezustand ausgerufen. Gottseidank kam es bisher nicht zu Toten und Verletzten. Die Situation ist schwierig: Auf der einen Seite sind es die Minen, die 60% der Einnahmen der öffentlichen Hand ausmachen. Ohne sie wäre Peru sofort bankrott. Auf der anderen Seite bekommen die Bauern der umliegenden Ortschaften sehr wenig von diesem Geldsegen direkt mit und sie fürchten zu recht um die Qualität und Quantität ihres Wassers . Hier gibt es noch auf Jahre viel Konfliktpotenzial. Speziell einige linke Splittergruppen wie die Nueva Izquierda schütten da gerne Öl ins Feuer. In Santiago de Chuco läßt sich der Bürgermeister auch immer mal wieder zu Polemiken hinreißen. Die Wasserbelastung, die an einigen Stellen im Einflußgebiet der Barrick im letzten Jahr die Grenzwerte überschritten hatte, hat sich allerdings dieses Jahr wieder verbessert, wohl auch Dank der Proteste von Umweltgruppen. (Bild: Dorfversammlung vor der Schule in El Zuro)

Am 31.Mai 2012 feiere ich mein 25 jähriges Priesterweihejubiläum. Ich werde den Tag noch hier in der Pfarrei verbringen und dann Anfang Juni nach Deutschland fliegen. Vom 8.-20.6. bin ich dann mit meinem Weihekurs in Israel. Alle 5 Jahre haben die Weihekurse eine Fortbildung mit Urlaub zusammen. Am Samstag dem 23.6. werde ich eine Messe in der Pfarrkirche in Achkarren halten mit anschliessender Begegnung auf dem Kirchplatz fuer alle. Am 25.6. am Abend halte ich eine Messe im Heiligtum der Berufung in Freiburg-Merzhausen zusammen mit Pfr. Adalbert Roth, der dann sein 50 jähriges Weihejubiläum feiert.

Ich bin Gott dankbar für alles wie er mich geführt hat in diesen Jahren. Gleichzeitig will ich auch Euch allen danken für alle Unterstützung im Gebet und in der Freundschaft, ebenso allen die in irgendeiner Form meine Arbeit mit einer Spende unterstützt haben.

So wünsche ich allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr

Santiago de Chuco 16.12.2011

Euer /Ihr Pfr. Reinhold Nann

Reinhold Nann, Grau 1246, Santiago de Chuco, (La Libertad), Perú. r.nann@web.de, www.reinholdnann.blogspot.com, www.parroquiasantiagodechuco.blogspot.com Tel: 0051-44-799485; Handy: 0051-949950436. Kto bei der Liga-Bank: 7105487 BLZ 75090300.