viernes, 30 de octubre de 2020

Wenn Kirche aufersteht


Den verzweifelten Frauen vor dem Grab Jesu sagte der Engel “Freut euch!”. Wahrscheinlich glaubten sie sich verhoert zu haben, worueber sollten sie sich freuen, wo Jesús doch schon 2 Tage tot war?

In den 24 Jahren in denen ich in Peru als Seelsorger arbeite, ist mir das zweimal ganz deutlich passiert: eine totgeglaubte Kirche ersteht aus ihren Truemmern…

Das erste Mal war 1992: Inmitten des Terrorismus der spaeter auch 3 Maertyrer zur Seligsprechung fuerte und 60.000 Todesopfer forderte, wo in meiner Vorstadtpfarrei mehrere Zonen von Terrorgruppen kontrolliert waren und ich als Priester nur mit “Genehmigung” alle paar Monate Eintritt hatte, wurden ueberraschenderweise die Raedelsfuehrer festgenommen. Der Mythos war gebrochen, die Angst der Bevoelkerung war weg. Die Menschen bauten Kapellen aus Bastmatten und es brach so etwas wie ein kirchlicher Fruehling an, eine wunderbare Aufbruchszeit. Der Aufbruch war gekennzeichnet von Gebet und Suppenkuechen fuer die Aermsten, viele fanden wieder zu Gott und zur Kirche. 

Das zweite Mal findet gerade jetzt statt. Perú als Schwellenland wurde hart von der Coronakrise getroffen. Dabei hatte die Regierung zunaechst alles richtig gemacht. Schon eine Woche nach dem Auftauchen des ersten Falles wurde eine totale Quarentaene ueber das ganze Land verhaengt. Sie hat auch ungefaehr 2 Wochen funktioniert. Doch dann waren die Ersparnisse der Armen verbraucht. Viele Tageloehner und Scheinselbststaendige muessten ohne Arbeit verhungern, also mussten sie hinaus auf die Strasse um Arbeit zu suchen aber auch sich dem Virus auszusetzen. Dazu kamen enge Wohnverhaeltnisse und ein immer schon defizientes Gesundheitssystem: Es gab damals gerade mal 100 Betten auf Intensivstation – landesweit. Bald wurde auch der medizinische Sauerstoff knapp. Peru hat inzwischen ueber 70.000 Coronatote- mehr als zu Zeiten des Terrorismus. Fast jeder hat einen Verwandten oder Freund, der starb.

Die Kirchen sind geschlossen, nun schon ueber 6 Monate lang. Zunaechst war das auch fuer die Kirche ein Schock, ohne Gottesdienste keine Einnahmen fuer die Pfarrer. Manche haben ernsthaft um ihr Ueberleben gefuerchtet. Die Rettung war Facebook: Ab der ersten Woche haben alle Pfarreien ihre Gottesdienste im sozialen Netzwerk uebertragen. Die Menschen haben ihre Fuerbitten als Kommentare abgegeben und nach ca. 1 Monat auch an das Bankkonto des Pfarrers bezahlt. Inzwischen feiern wir etwa doppelt soviele Messen online als frueher mit Beteiligung der Glaeubigen. Und die Teilnehmer an den virtuellen Messen duerften mindestens dreimal soviel sein.

Vom ersten Moment an war Caritas ein wichtiges Element. Sie konnte Unternehmen und Einzelpersonen im In- und Ausland zu Spenden aufrufen und ueber ihre Pfarrcaritasgruppen direkt bei den Beduerftigsten Lebensmittel und Hygienekits verteilen. Der Erzbischof von Lima meinte treffend: Meine Kathedrale ist jetzt Caritas. In den letzten zwei Wochen gehen die Zahlen der Neuinfizierten und der Toten langsam zurueck. In den meisten Teilen des Landes sind ueber 30% der Bevoelkerung bereits infiziert, in der Urwaldstatt Iquitos sind es ca. 80%, was einer Herdeninmunitaet gleichkommt.

Unser Kardinal Pedro Barreto hat vor einem Monat die Aktion “Peru steht auf – jetzt” gestartet. Wissenschaftler und verschiedene Glaubensbekenntnisse, Unternehmer und Basisorganisationen tun sich zusammen um gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus zu kaempfen. Das ist eine Kirche die nicht um sich selbst kreist sondern wie ein Feldlazarett sich um die Verwundeten dieser Welt kuemmert. Das bringt ihr nicht nur Achtung ein, sondern aktive Mitarbeit. Die Kirche nach der Pandemíe wird eine solidarische Kirche sein, oder sie wird nicht sein. Das Entscheidende ist: In der Dunkelheit nicht jammern, sondern an die Auferstehung glauben. Gott handelt in seiner Kirche auch heute, wenn wir aufmerksam dafuer sind und bereitwillig mittun.

Selbst die Natur erholte sich waehrend der Quaraentaene: Die Luft in den grossen Staedten wurde sauber, Zugvoegel und andere Tierarten hatten mehr Lebensraum.

Auch die Schoenstattfamilie in Peru ist aktiv. Es gibt Facebookmessen aus dem Heiligtum, Rosenkranzgebet vom Hausheiligtum, uebertragen und mitgebetet von Hunderten von Familien, Gruppentreffen per Zoom und Untertuetzung von Armenspeisungen.

Auch die deutsche Kirche ist an dieser peruanischen Auferstehung mitbeteiligt. Fuer meine Praelatur habe ich Hilfe von Adveniat, Misereor und vielen, vielen Freunden und Einzelspendern erhalten. Herzlichen Dank dafuer.

Mitten im Dunkel ist das Licht der Auferstehung bereits sichtbar.

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(Dieser Artikel von mir erschien in der Zeitschrift "Basis" vom November 2020)

jueves, 27 de agosto de 2020

Der Virus der Solidaritaet laesst uns auferstehen

 


Teile Perus sind seit ueber 5 Monaten in Quaraentaene. Dies hat dem maroden oeffentlichen Gesundheitssystem Zeit gegeben, die Zahl der Betten der Intensivastationen zu verzehnfachen. Dennoch reicht es nicht. Es fehlt an Betten, an medizinischem Sauerstoff, an Personal. Die Ansteckungszahlen und die Todesfaelle sind in die Hoehe geschnellt. Die Armen, die schon bisher keinen festen Arbeitsplatz hatten, haben keine Wahl: entweder bleiben sie zu Hause und verhungern, oder sie gehen auf der Strasse arbeiten und stecken sich an. Der Staat war unfaehig, diesen fast 70% der Bevoelkerung eine Grundversorgung zukommen zu lassen. Und die offizielle Wirtschaft ist ebenso kollabiert.

Caritas Peru ist zu einem Hoffnungstraeger geworden. Ohne Unterstuetzung der Regierung hat sie durch lokale und internationale Spenden schnell viele Projekte ueber die einzelnen Pfarreicaritasgruppen abwickeln koennen. Es entstanden wieder selbstorganisierte Suppenkuechen, Lebensmittelpakete werden verteilt, und kleine und grosse Sauerstoffgeraete wurden landesweit angeschafft. In meiner eher laendlichen Praelatur konnten bisher 3000 Familien mit Lebensmitteln  ueber Caritas unterstuetzt werden, und 5 staatliche Gesundheitsposten erhalten ein Sauerstoffgeraet. Im Moment startet die Bischofskonferenz gerade das Programm “Auferstehung – Perú – Jetzt”.

Herzlichen Dank allen Spendern.

Caravelí, 27.08.20            Reinhold Nann, Bischof von Caravelí/Perú

viernes, 7 de agosto de 2020

Zwischenbericht von Caritas Caravelí vom 31.07.20

 

Herzlichen Dank an alle Spender. Eure rasche und grosszuegige Reaktion auf meinen letzten Rundbrief hat Hungrige gespeist und Hoffnung geweckt.

Caritas Caravelí informiert:

Bis 31 Juli 2020 hat Caritas Caraveli 19 seiner 22 Pfarreien unterstuetzt. Die 19 Pfarreicaritasgruppen haben folgendes geleistet:

2989 Familien haben Lebensmittelpakete im Wert von ca. 50.000 Euro erhalten.

1660 Familien haben Schutz-Kits erhalten (Masken und Desinfektionsmittel). Hunderte von Gesichtsmasken wurden von Ordensschwestern nach Anweisung selbst genaeht.

Die Hilfe war moeglich dank 242 Einzelspenden aus Deutschland, von Caritas Perú und 2 lokaler Unternehmen. Eure Solidaritaet laesst Menschen leben. Danke.

Unsere Hilfe geht weiter mindestens bis zum Dezember. Wir werden ab sofort auch mit medizinischem Sauerstoff helfen.

miércoles, 29 de julio de 2020

Bloss keine pastorale Umkehr - Zur neuen Pfarrei-Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation


Bloss keine pastorale Umkehr – Zur neuen Pfarrei-Instruktion der Kleruskongregation
Als deutscher Bischof im Ausland bin ich verwundert ueber die aufgeregte und voreilige Reaktion einiger meiner Kollegen in Deutschland. Als ich noch Student und dann Priester in der Erzdioezese Freiburg war, hatte ich nach vatikanischen Publikationen auch meist nach Asterix-Manier reagiert: “Die spinnen, die Roemer”. Nach 24 Priester- und 3 Bischofs-jahren am “Ende der Welt”, sehe ich die Dinge etwas gelassener: Roemische Verlautbarungen sind nicht nur fuer mich, sondern fuer ganz unterschiedliche Kirchen in weit ueber  hundert Bischofskonferenzen geschrieben. Dass man die nicht alle vorher konsultieren kann und dass der gesamte Text nicht fuer alle gleich zutrifft, liegt eigentlich auf der Hand.
Die Instruktion der Kleruskongregation ist keineswegs nur fuer Deutschland geschrieben. So wird ausfuehrlich auf die notwendige Mitarbeit der Laien in Pfarrgemeinde- und Stiftungsraeten hingewiesen, sowie auf einen transparenteren und weniger kommerziellen Umgang mit Finanazen allgemein sowie Messstipendien im Besonderen. Das ist eine Gewissenserforschung fuer die Lateinamerikanische Kirche, die Deutsche hat hier ihre Hausaufgaben laengst gemacht.
Deutsche Bischoefe fuehlen sich wahrscheinlich zu Recht in den Kapiteln 6-8 (von 11) angesprochen, wo auch ausfuehrlich auf die Seelsorgeeinheiten und Grosspfarreien eingegangen wird. Dabei scheint es ein Missverstaendnis zu geben: Es geht der Kleruskongregation nicht um eine weitere Klerikalisierung der Kirche sondern im Gegenteil um eine staerkere Mitbeteiligung der Laien. Da wird naemlich das Phaenomen in den Blick genommen, dass Ordinariate gerne am gruenen Tisch neue Riesenpfarreien bilden wollen, ohne auf die Gefuehle der betroffenen Menschen zu achten (Nr 36). Mir scheint es durchaus angebracht zu sein, Pfarreien nur im konkreten Einzelfall aufzuloesen und nicht die Laien in den Pfarreien mit dem schon beschlossenen Pastoralkonzept vor den Kopf zu stossen. Letzlich wird man natuerlich an einer Zusammenlegung nicht vorbeikommen, aber wenn Rom hier ein stufenweises und schonendes Vorgehen anmahnt, macht sich die roemische Behoerde geradezu zum Anwalt der Laien in den Gemeinden. Kritisiert werden hier die oft abgehobenen Verwaltungsplaner in den Ordinariaten.
Die durchaus noetigen Strukturveraenderungen in der deutschen Pfarreienlandschaft werden durch das Papier zeitaufwaendiger in der Durchfuehrung (im Einzelfall und nicht nach Schema F), aber auch kundenfreundlicher. Kichenrechtler werden mehr zu tun haben, dies alles richtig auszudruecken, aber verunmoeglicht werden die neuen Strukturen nicht. Die Leitungsgewalt einer Pfarrei hat nach Kirchenrecht immer ein Pfarrer inne, da ist nichts zu machen. Aber wenn die Pfarreien so gross werden wie geplant, dann muss es in dieser Pfarrei Unterstrukturen geben. Im personellen Sinne sind dies Gemeinden, im raeumlichen Sinne sind es Pfarrzentren. Beide Einheiten koennen durchaus von Laien geleitet werden. So ist das hier in Peru. Pfarreien werden immer von Pfarrern geleitet, deswegen habe ich nur 22 in meiner Praelatur. Aber die Vorsteher der Gemeinden in den ueber 500 Doerfern sind selbstverstaendlich Laien, Katechisten nennen wir sie. Wegen Priestermangels sind einige Pfarreien auch Ordensschwestern “anvertraut”, ich darf sie halt nur nicht “Pfarrerinnen” nennen. Hier zaehlt sowieso kaum, was auf dem Papier steht, das Entscheidende ist eher die reale Ausuebung.
Fuer mich ist die vatikanische Instruktion hilfreich. In einem Arbeitspapier habe ich ihre wichtigsten Impulse fuer uns zusammengefasst und werde sie in den Versammlungen der Pfarrer, Ordensschwestern und Katechisten besprechen. Die “pastorale Bekehrung”, die Papst Franziskus bereits in Evangelii Guadium eingefordert hat, wird nun noch etwas konkreter. Fuer uns heisst das: Pfarrer muessen in ihrer Verwaltung transparenter werden und Laien konsequenter in Pastoral und Verwaltung einbinden. Mit Sakramentenspendung darf nicht “gehandelt” werden. Wir haben da noch manche Bekehrung vor uns und lassen uns dazu ehrlich von dem Text anregen.
Der Hintergrund des Problems ist fuer mich folgender: Die Deutsche Kirche und zum Teil auch einige andere europaeische Kirchen sind Beamtenkirchen. Sie besteht aus haupt-amtlichen Priestern und Laien und neben-amtlichen Laien. Wer in dieser Kirche etwas will ist ein Bittsteller, der seinen Antrag ans Amt stellen muss, der dann je nach Moeglichkeit gewaehrt wird. Der groesste Teil der Weltkirche ist dagegen eine Servicekirche. Sie bietet Sakramente wie Dienstleistungen an. Pfarrer halten hier gerne mehr als 4 Messen am Sonntag, wenn die Messe denn gut bezahlt wird. Das kaeme einem deutschen Beamtenpfarrer mit festem Gehalt natuerlich nie in den Sinn. Ein Pfarrer in Peru nimmt gerne noch eine Pfarrei dazu, weil ihm das mehr Einnahmen bringt. Er gibt dann auch gerne alles an Laien ab, was ihm keine finanziellen Einnahmen bringt. Ich halte beide Extreme fuer nicht gut. Und ich sehe in der Instruktion in Rom eine gute Anregung, beide Modelle noch einmal zu uberdenken. Deutschland ist viel zu sehr im Kirchensteuer und Beamtenmodell verstrickt, um echte Veraenderungen zuzulassen. Nirgendwo auf der Welt gibt es 200.000 “Kirchenaustritte” pro Jahr wie in Deutschland. Das liegt natuerlich auch an der Kirchensteuer. Aber es zeigt auch, dass das Kirchenmodell ausgedient hat. Bei solchen Austrittszahlen zu behaupten, die deutsche Kirche sei schon genuegend missionarisch ausgrichtet, halte ich fuer betriebsblinde Schoenrednerei. Natuerlich gibt es Veraenderungsbedarf in Deutschalnd. Und die Warnung aus Rom trifft auf einen wunden Punkt. Man will nur Verwaltungs-Strukturen veraendern, aber die alte Beamtenmentalitaet unangetastet lassen. Anstatt die neue Instruktion nur abzulehnen, taete es der deutschen Kirche gut, die Herausforderungen darin ernsthaft anzunehmen. Das waere ein Schritt zur “pastoralen Umkehr”.
Caraveli, 29.07.20            Reinhold Nann

martes, 12 de mayo de 2020

Erzbischof Viganó, gewaehlter Gegenpapst einer schismatischen Kirche, schlug wieder zu


Erzbischof Viganó ist eigentlich kein Unbekannter. Vor zwei Jahren war er der einzige Bischof, der Papst Franziskus in einem Brief oeffentlich zum Ruecktritt aufforderte, weil er angeblich gelogen und vertuscht habe. Er war wohl gekraenkt, weil er als ehemaliger Nuntius von Washington nicht weiter im vatikanischen Staatssekretariat arbeiten durfte.

Nun hat er ein “Manifest” zur Coronakrise geschrieben, in dem er die Kirche wehrlos staatlicher und internationaler Willkuer und Verschwoerung ausgeliefert sieht. Dieses wurde auch von den Kardinaelen Mueller und Sarah mitunterzeichnet, wobei letzterer seine Unterschrift wieder zurueckzog. Allerdings hatte Viganó seine Telefongespraeche mit ihm aufgezeichnet und zeigte, dass er sehr wohl mit dem Text einverstanden war. Die deutsche Bischofskonferenz hat sich inzwischen oeffentlich von Mueller distanziert, was ich sehr gut finde.

Nun habe ich gestern ein e-mail bekommen, von einem “Katholisch-Byzanthinischen Patriarchat”  http://vkpatriarhat.org/es/ Darin wird auf 4 Seiten begruendet, warum Kardinal Mueller ein Haeretiker sei: Er wuerde angeblich die Auferstehung Jesu leugnen. Aber noch viel interessanter, war die Homepage dieses nicht zur roemisch katholischen Kirche gehoerenden und wahrscheinlich nur virtuell existierenden “Patriarchats”:

-          “Patriarch Elias” hat darin bereits schon Papst Johannes Paul II exkomuniziert, und den roemischen Bischofsstuhl fuer vakant erklaert, weil dieser zum interreligioesen Gebet in Asissi einlud.

-          Und am 14.10.2019 wurden nun auch Papst Franziskus und alle Teilnehmer der Amazonassynode, inclusive Kardinal Sarah, von diesem selbsternannten Patriarchen und seiner “Synode” exkommuniziert. Und da der Stuhl Petri ja immer noch vakant war, wurde an diesem Tag von der Synode dieses “Patriarchats” auch gleich noch ein neuer Papst gewaehlt: Und wer war es bitte: Kein geringerer als Erzbischof Viganó. Leider ist nicht bekannt, ob dieser die Wahl angenommen hat.

-          Selbstverstaendlich wird auf dieser Homepage auch das Manifest Viganós erwaehnt, und zwar als in direkter Opposition zu Franziskus stehend.

Das lustige ist nur, dass dieses Manifest Viganós (der Papst des “Patriarchats”) ja auch von Mueller und Sarah unterschrieben wurde, obwohl diese doch vom Patriarchat bereits exkommuniziert waren. Die Kontakte der beiden Kardinaele zu Sedisvakanz-Gruppen scheinen zumindest wiederspruechlich zu sein.  

Tja, diejenigen die immer vor einer Spaltung in der Kirche gewarnt haben, haben sich laengst in sich aufgespalten. Das ist gut fuer Papst Franziskus und gut fuer die katholische Kirche.

lunes, 11 de mayo de 2020

Rundbrief 32 im Mai 2020 Caritas Caraveli


Reinhold Nann, Rundbrief 32 aus Peru vom 11. Mai 2020

Notfallhilfe Caritas Caraveli

Am 8. Maerz wurde der erste Patient mit COVID19 in Peru entdeckt. Schon eine Woche spaeter wurde eine strenge Quaraentaene verordnet, die insgesamt 10 Wochen dauern wird, bis zum 24. Mai, und auch dann wird sie nur langsam und schrittweise abgebaut werden.

Durch die Quaraentaene hat Peru Zeit gewonnen, die Rate der Infizierten stieg zunaechst nur langsam an, was aber auch an der zu geringen Zahl der Proben lag. Heute (10.5.) hat Peru 67.000 Infizierte und 1890 Tote. Ca. 20.000 sind wieder gesund. Zu Beginn der Krise gab es gerade mal 100 Betten auf Intensivstation mit Beatmungsgeraet. Nun sind es 900 und sie sind fast alle belegt. Das Gesundheitssystem stand schon vorher und nun erst recht kurz vor dem Kollaps.

Die Regierung handelt entschlossen und ca. 80% der Bevoelkerung traegt die Massnahmen mit. Das Problem ist die mangelnde soziale Absicherung: Nur ca. 30% hat einen regulaeren Job. Von denen hat nun auch die Haelfte ihren Arbeitsplatz verloren, ist aber auf einige Monate hin noch abgesichert. Das Problem sind die 70%, Tageloehner oder Scheinselbststaendige, die irgendewas auf der Strasse zum Verkauf angeboten haben und nun dort von Polizei und Militaer weggetrieben werden. Die Leute wuerden gerne zu Hause bleiben, aber dann verhungern sie innerhalb weniger Tage. Die Regierung versucht nun mit einer Art Universalzahlung dem Abhilfe zu schaffen, aber nur ca. 30% in Peru hat ein Bankkonto und es ist fast unmoeglich, alle zu erfassen, ganz besonders bei uns auf dem Land.

Dazu kommt das alte Problem der Korruption: Die Polizei kauft ueberteuert falsche- Atemschutzmasken und infiziert damit hunderte eigene Beamte. Aerzte haben jahrelang in staatlichen Krankenhauesern medizinisches Geraet vergammeln lassen um die Patienten in ihre teuren Privatkliniken umzuleiten. Die Buergermeister kommen mit der Verteilung der Lebensmittelpakete nicht nach, bzw. kanalisieren sie bewusst an die Falschen. Ganz viele wohnen nicht da, wo sie gemeldet sind.

Mit dem totalen Versammlungsverbot ist das kirchliche Leben ist zunaechst mal zusammengebrochen.Meine 15 Pfarrer und Ordensschwestern als Administratorinnen haben sofort reagiert: Alle uebertragen ihren Gottesdienst und anderes auf Facebook. Erstkommunionvorbereitung lauft auch gerade digital an: wir helfen den Eltern, ihre Kinder selbst zu Hause vorzubereiten (Familienkatechese). Ich habe heute auch einen Gruss zum Muttertag auf meinen Kanal bei Youtube gestellt. Wir entdecken gerade die Familie als Hauskirche. Sie bekommen nun jede Woche ueber Whatsapp eine Gottesdienstvorlage ins Haus. Das Problem: Meine Pfarrer leben nur von Messtipendien und Patronatsfesten. Das faellt jetzt gerade alles weg. Ich musste fast allen seit Maerz finaziell kraeftig unter die Arme greifen. Und die einzige einheimische Einnahmequelle der Praelatur ist ebenfalls gerade weggebrochen: Die Miete der Mechanikerwerkstatt in Lima fiel weg, weil das Geschaeft zumachen musste. Mit Messtipendien aus Deutschland und meinen Ersparnissen kann ich das noch eine Weile durchhalten.

Und trotz eigener Schwierigkeiten schaffen wir es, eine arme Kirche fuer die Armen zu sein. Jetzt oder nie sind wir das “Feldlazarett”, das den Armen materielle und spirituelle Hilfe schnell und unbuerokratisch leisten kann. Die Pfarrcaritasgruppen konnten mit Hilfe von Caritas Peru, Misereor und euren privaten Spenden bisher folgendes Hilfsprogramm aufstellen:

5 Pfarreien haben im April Lebensmitteltueten an die Aermsten ihrer Pfarrei verteilt. Ca. 200 Familien wurden erreicht. Die Verteilung geht nur mit Hilfe oder Erlaubnis des Militaers, was auf lokaler Ebene meist einfach zu loesen ist. Folgendes ist geplant und lauft gerade an:

1.       Lebensmitteltueten verteilen: Jetzt im Mai und dann jeden Monat werden wir ca. 1500 Familien in 15 Pfarreien erreichen. Kosten: E 15.000.-monatlich. Dies ist fuer den Monat Mai bereits angelaufen.

2.       Vorsorgekits verteilen. Die Leute auf dem Land haben bisher noch kaum Moeglichkeit und Einsicht ueber die Vorsorgemassnahmen. Daher stellen wir ein Kit inclusive Informationsblatt zusammen mit: 10 Mundschutzmasken. 1 Pack Plastikhandschuhe. 2 Stueck Seife. 1 Schachtel Paracetamol. (ca 15.000.- fuer E 50.000.-)

3.       Medizinkit fuer chronisch Kranke. Es gibt viele chronisch Kranke, die im Moment ohne Medizin auskommen muessen, Weil das knappe Geld fuer Essen ausgegeben wird: Diabetiker, Hoher Blutdruck, Verdauungsprobleme. (ca E 10.000.-)

4.       Bisher haben 2 Pfarreien eine Essensausgabe fuer Durchreisende oder Ankommende aus Lima angefangen. Es gibt im Moment tausende, die aus Lima zu Fuss aufbrechen um in ihre Heimat zu kommen. Dort werden sie aber erst mal in eine Quaraentaene gesteckt (manchmal innerhalb der Kirche!) und muessen versorgt werden. (ca. 5000.- E monatlich).

Caritas Caraveli arbeitet mit Pfarrcaritasgruppen in 15 Pfarreien der Praelatur zusammen. Wir werden die Proyekte soweit ausfuehren, wie wir Mittel dafuer bekommen koennen. Wir sind um jeden Betrag froh. Wir werden euch beim Eintreffen des Geldes informieren, und am Ende einen Abschlussbericht machen.

Gott segne und beschuetze unsere Armen und Euch alle.



Caraveli, 30.04.20                                                           Euer      Reinhold Nann, Bischof von Caraveli



Blog: www.reinholdnann.blogspot.com Facebook und Youtube: Reinaldo Nann



Konten:

In Perú:                Prelatura de Caraveli (Banco de Credito BCP), 193-2070628-1-42              

In Dtld:                 Reinhold Nann IBAN: DE53 7509 0300 0007 1054 87

Adveniat:            IBAN DE03 3606 0295 0000 0173 45 Dauert etwas laenger, aber ohne Abzuege. Ueber 100E wird Spendenquittung ausgestellt. Vermerk: Praelatura de Caraveli/Peru

lunes, 20 de abril de 2020

Der Virus, der unser Leben veraendert – wo geht das noch hin?


Als glauebiger Mensch bin ich ueberzeugt, dass Gott in der gegenwaertigen Coronavirus-Krise laut und deutlich zu uns spricht. Ich interpretiere das was da gerade geschieht so:



1.     Kehr um und glaube an das Evangelium

Das ist der Spruch beim Ascheausteilen am Anfang der Fastenzeit, was in in Latein Quadragesima heisst und da kommt das Wort fuer Quaraentaene her. Jeder einzelne ist eingeladen, seinen irrigen Glauben an das Geld als hoechstes Gut aufzugeben. Geld schuetzt nicht vor Ansteckung und Tod. Was dir dagegen Sicherheit und Gelassenheit gibt ist ein Glaube an ein Leben nach dem Tod, der Glaube an Gott. Ich bemerke, dass viele dem Religioesen wieder mehr Beachtung schenken.

2.     Der Staat muss lenkend in die Wirtschaft eingreifen zum Wohl der Person

Die Wirtschaft wird aus der Krise sehr gebeutelt hervorgehen. Der freie Markt kann zwar Angebot und Nachfrage sich selbst regeln lassen, aber den Schwachen und Kranken hat er nie bevorzugt in den Blick genommen. Die Regierungen tun das nun – auf Kosten des freien Marktes. Die Grenzschliessungen haben dem globalisierten Markt weitere schwere Schlaege versetzt. Wir brauchen eine menschliche, eine solidarische Marktwirtschaft. Der Staat muss gewisse Grundbeduerfnisse wie Ernaehrung und Gesundheit fuer seine Bevoelkerung sicherstellen.  Daneben sollte es eine Art Grundeinkommen fuer jeden geben. Das kann nur mit hoeheren Warensteuern geschehen, speziell fuer importierte Gueter. Oekologisch gesehen, war die Quaraentaene positiv, sie hat der Natur eine Verschnaufpause gegeben. Die Wirtschaft muss also regionaler, sozialer und oekologischer werden.

3.     Die Kirche muss familiaerer werden

Die Kirche hat sich bisher auf den Gemeindegottesdienst, engagierte Gruppen und ihre Tradition konzentriert. All das ist in die Krise geraten. In der Quaraentaene funktionierten real nur noch die christlichen Familien. Dort muessen wir anfangen. Kirche als Netz von familiaeren Hauskirchen. Wobei ich Familie im Sinne von Wohngemeinschaften verstehe. Dann wird Kirche wieder zu einer verbindlichen und familiaeren Gemeinschaft. Dieses Netz von engagierten Familien waere irgendwann mal faehig sich selbst zu finanzieren – ganz ohne Kirchensteuer. Eucharistie gaebe es auch weiterhin durch geweihte Priester an wenigen zentralen Orten. Daneben koennen sich Hauskirchen und ihre Gemeinden ihre eigene Liturgien und Leitungsstrukturen entwickeln, die weniger vertikal und mehr vernetzt waeren.



O.K. Das ist meine ganz persoenliche Interpretation. Da ist noch viel zum Weiterdenken, Austauschen und Tun.

Was die Kirche betrifft, ist meine Praelatur in Peru gerade am Arbeiten an der Bildung und Vernetzung von Hauskirchen.

Fangt doch einfach an. Zuhause. Eine Gebetsecke einrichten und die Mitbewohner zum Sonntagsgebet einladen. Mit anderen Materialien dafuer austauschen. Mit geichgesinnten Familien eine zunaechst virtuelle Gemeinde gruenden, die dann auch wieder zunaechst virtuell sich mit einer Pfarrei vernetzt. Oder der Pfarrer/Hauptamtliche sammelt und inspiriert Familien, die er dann zu Gemeinden vernetzt.