Im Juni strahlte der SWR einen Podcast aus, der auf einem Interview mit mir aufbaut.
https://www.swr.de/swrkultur/podcast/der-bischof-und-die-liebe-100.html?mediaId=075d636d-e4a0-39a6-89fd-4328f7175b26&
Hier können Sie meine Rundbriefe und sonstige Nachrichten finden.
Im Juni strahlte der SWR einen Podcast aus, der auf einem Interview mit mir aufbaut.
https://www.swr.de/swrkultur/podcast/der-bischof-und-die-liebe-100.html?mediaId=075d636d-e4a0-39a6-89fd-4328f7175b26&
Auf meinen Podcast im SWR hin „Der Bischof und die Liebe“, hat mir eine ehemalige Ordensschwester geschrieben und mir erlaubt, den Brief anonym zu veröffentlichen. Er lässt deutlich werden, wie allzu menschlich oder auch unmenschlich es oft in der Kirche und im Ordensleben zugeht. Da zerbrechen Illusionen und Lebensentwürfe. Und dennoch geht das Leben weiter, mit Gott und am Rand der Kirche. Besonders betroffen gemacht hat mich der Satz über ihre Schwestern in der Gemeinschaft: „eine war der anderen Feind“. Es ist eine berührende Geschichte, und ich freue mich, dass aus der „brennenden Eiferin“ eine Frau wurde, die in Liebe auf den Herrn vertraut und für die Menschen da ist.
Mein Name ist Pia (wirklicher Name bleibt
anonym), ich lebte 10 Jahre in einem Kloster im Osten Deutschlands) und war
eine brennende Eiferin für die Kirche.
Mit 21 trat ich ins Kloster ein, um Gott ganz
zu gehören und in der Liebe des Herrn seinen Weg zu gehen.
Ich führte ein glückliches Leben als
Ordensfrau, wenngleich es oft menschliche Probleme gab, die ich sah und die
Einsamkeit empfand ich stark obwohl ich in einer Gemeinschaft voller
Gleichgesinnter lebte, so dachte ich zumindest.
Mit den Jahren musste ich immer wieder
erfahren, dass die Menschlichkeiten zu sehr dieses Leben beherrschten und
irgendwie eine der anderen ihr Feind war.
Mich traf dies immer mehr und ich hoffte
dennoch mit bestem Beispiel etwas verändern zu können.
Ganz schlimm wurde es, als unsere Oberin
abdankte und wir ein Jahr des Wahlkampfes innerhalb des Klosters hatten.
Ich konnte nicht glauben was da alles geschah
und es brach mir das Herz.
Gewählt wurde nicht die, die es unbedingt
wollte und ich dankte dem Herrn, dass er seinen Hl. Geist wirklich gesandt
hatte und uns eine Chance gab.
Noch am Wahltag versprach die Nichtgewählte,
dass sie die neue Äbtissin fertig machen wird und da ich dabeistand, konnte ich
es kaum glauben und es traf mich zutiefst.
Möge ich ein wenig naiv sein, aber ich glaube
daran, dass Gott uns liebt und uns den rechten Weg weist, und ich liebe ihn von
ganzem Herzen.
Nun kam noch eine Prüfung dazu, dass mir die
wirtschaftlichen Belange des Klosters anvertraut wurden und ich einen
mittelständigen Betrieb vor mir hatte, der in sich zerstritten war.
Die verschiedenen Leitungen verstanden sich
nicht und diejenige, die gern Oberin geworden wäre) hatte viel zu diesem
Unfrieden beigetragen.
Mehr und mehr bekam ich Einblick in die
Belange des Klosters und was ich sah machte mich traurig und sehr wütend.
Nach fast 1,5 Jahren hatte ich die
Klosterbetriebe so weit, dass die Menschen wieder miteinander sprachen und
anfingen sich auch zu helfen.
Leider schwand immer mehr meine Kraft und ich
fühlte mich mehr und mehr einsam!
Meine Gemeinschaft verstand nicht, warum ich
mich so für die Menschen einsetzte und meine Oberin war leider oft überordert
und musste mit anderen Dingen kämpfen.
Nach der Aufarbeitung eines sexuellen
Missbrauchs, bei dem ich den Beauftragten im Bistum (ein Priester) anrief und
dieser mir zu verstehen gab das ich ja nicht die Polizei einschalten sollte und
erstmal stillschweigen sollte (was ich nicht tat sondern wir hatten eine
tolle Polizeibeamtin) und einem weiteren Übergriff unseres Heimleiters auf eine
FSJlerin in der gleichen Zeit kippte ich förmlich um und zusammen und kam in
eine Psychiatrie.
Dort hatte ich die Möglichkeit viel
aufzuarbeiten und schmerzlich zu begreifen, dass ich trotz Gemeinschaft sehr
einsam bin.
Ich stritt mit dem Herrn und bat ihn mir zu
zeigen, was er von mir verlangte und nach fast 3 Monaten bat ich ihn, dass er
mir helfe, wenn ich das Kloster verlasse.
Ich fand Frieden mit dem Gedanken und der Herr
half mir wie auch heute und immer.
Nun lebe ich schon seit 12 Jahren in XX und
führe ein gutes und erfülltes Leben mit meinem kleinen Hund, der mir treu zur
Seite steht!
Ich brauchte viele Jahre und einige
Klinikaufenthalte um ohne Schuldgefühl zu dem Satz zu kommen, dass mein Glaube
fest ist aber das System Kirche oft nicht das Vertritt, was wir in der Hl.
Schrift lesen und was der Herr uns gelehrt hat.
Im Herzen bin ich immer noch die Ordensfrau
(meinen Ordensnamen habe ich offiziell gemacht) aber ich sehne mich nicht nach
der klösterlichen Gemeinschaft.
Mit meiner Kirche, dem System, hadere ich,
aber ich glaube und vertraue dem Herrn.
Meine Gottesdienste versuche ich ebenso im
Leben und in der eigenen Andacht zu vollziehen und versuche für die Menschen da
zu sein und zu dienen. Manchmal mache ich mir aber doch die Gedanken, ob das so
richtig ist.
Eine Gemeinde habe ich hier in Leipzig nicht
gefunden bzw. ich vertraue nicht mehr, auch wenn ich ab und an die
Gottesdienste besuche (nicht regelmäßig ich ärgere mich zu oft).
Der Herr möge mir verzeihen, aber ich hoffe
sehr, dass er meine Liebe auch so sieht und ich spüre auch die seinige! Wir
Menschen denken oft, das Gott wie ein Mensch ist aber er ist Gott und er ist
Liebe, Liebe die größer ist als alle Liebe.