domingo, 21 de diciembre de 2025

Frohe Weihnachten

 
An Weihnachten 2025 schaue ich dankbar auf ein Jahr meiner eigenen Neugeburt zurück. Es war nicht leicht, das Leben als Kleriker hinter mir zu lassen um meine Liebe ganzheitlich und offen leben zu können. Seit April leben Angela und ich in Nazca im eigenen Haus, immer wieder auch in Trujillo bei ihrem Sohn und ihren Eltern, die auch schon in den Achtzigern sind. Seit einem Monat habe ich auch meinen Rentenbescheid von der DRV bekommen. Mit fast 2000 Euro monatlich kann ich hier gut leben.

Wir genießen es als Paar nun viel zeit füreinander zu haben. Viele unserer alten Freunde sind weiterhin mit uns in Kontakt, sie beglückwünschen uns zum mutigen und ehrlichen Schritt. Wer weiß, vielleicht wird auch noch ein Schriftsteller aus mir.

Ich publiziere hin und wieder etwas auf meinem blog in Religion Digital. https://www.religiondigital.org/una_voz_en_el_desierto-_el_blog_de_reinaldo_nann/ 

Zuerst einmal brauchte ich viel Distanz zur hierarchischen Kirche, der Abschied war doch schmerzlich. Inzwischen habe ich meinen Ort in der Kirche gefunden, es ist die Familie als Hausgemeinde. An vielen Tagen sind wir allein als Paar, manchmal kommen Freunde und Verwandte mit dazu. Vielleicht tut sich auch noch einmal eine Tür im Amazonasgebiet auf, wir warten noch ab.

Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Gute zum Weihnachtsfest und Neuen Jahr

Reinhold und Angela

 

P.S. In Nazca haben wir eine Ferienwohnung zum Vermieten mit bis zu 3 Schlafzimmern. Man kann dort ca. 2-3 Tage Tourismus machen (Nazca Linien, Ausgrabungen, Aquädukte, Strand (Dezember bis Maerz), Wüstentouren, Sandboarding und Vicuñas sind innerhalb einer Stunde zu erreichen. In Ica sind Weingüter zu besichtigen. Es gehen Busse nach Lima, Ica, Cuzco und Arequipa. Ich bin gerne beim Ausarbeiten der Reise behilflich.

martes, 11 de noviembre de 2025

Zölibat und kirchliches Arbeitsrecht in Deutschland: ändern was man ändern kann

 Auf der Amazonassynode wurde zum ersten Mal offiziell an den Papst der Wunsch herangetragen, auch verheiratete Maenner zu Priestern weihen zu können. Papst Franziskus hat dies im postsynodalen Schreiben „Querida Amazonía“ dann ignoriert. Das Pflichtzölibat, erst 1134 von der Kirche definitiv für alle Kleriker verpflichtend, ist kein göttliches Gebot und könnte jederzeit vom Papst aufgehoben werden. Es gibt weltweit tausende verheiratete katholische Priester in den mit Rom unierten Ostkirchen und als mit Familie konvertierte Pastoren der evangelischen und anglikanischen Kirchen.  Papst Leo wird es wohl nicht wagen wird, das Kirchenrecht dementsprechend zu ändern.

Dennoch gibt es neben den bereits in Partnerschaft lebenden und daher vom Dienst suspendierten Priestern immer mehr Priester und Bischöfe, die auch öffentlich eine Aufhebung des Pflichtzölibats fordern, was noch vor wenigen Jahren nur unter vorgehaltener Hand möglich war. Sie tun es vor allem im Bewusstsein, dass viele gute Priester und der Kirche erhalten geblieben wären, wenn es denn den Pflichtzölibat nicht gäbe. Etwa 2000 Priester mussten im deutschsprachigen Raum seit dem Konzil ihren priesterlichen Dienst wegen der Zölibats Pflicht aufgeben – weltweit sind es mehr als 100 000. Etwa zwei Drittel der Priesteramtskandidaten haben das Priesterseminar wegen des Zölibats verlassen (Sellmann-Studie 2024) Fast jeder Weihekurs kann ein Lied davon singen. Außerdem gibt es eine ganze Menge Priester, die in der Praxis ein Doppelleben führen und mit ihren PartnerInnen nicht wenig darunter leiden. Solange dies nicht öffentlich bekannt wird, schauen die Bischöfe meist großzügig darüber hinweg.

In Frage steht dabei nicht der Zölibat an sich, der frei gewählt wurde, von Menschen die sich ganz bewusst nicht an einen Partner und eine Familie binden möchten, um ganz frei für Gott und für eine Gemeinschaft oder eine Gemeinde sein zu können. Dennoch kann auch eine frei gewählte Entscheidung oft nicht ein ganzes Leben tragen. Es gibt Momente, wo diese Entscheidung in Frage gestellt wird und vielleicht nicht durchgetragen werden kann

Viele haben den Zölibat auch nur in Kauf genommen, weil er notwendige Bedingung zum Priestersein war. Wahrscheinlich war zu Beginn diese Bedingung gar nicht so schwer zu ertragen, aber mit der Zeit wurde es oft schwieriger.  Warum kann man also nicht wie beim Diakon, beide Möglichkeiten zur Auswahl stellen: verheirateter oder unverheirateter Diakon? O.K. dafür ist im Vatikan noch keine Mehrheit zu finden.

Im deutschen synodalen Weg hat man eine gute Lösung für wiederverheiratete Geschiedene im kirchlichen Dienst gefunden. Das kirchliche Arbeitsrecht konnte man in Deutschland ändern: für hauptamtliche kirchliche Mitarbeiter wird nun ganz einfach die Tatsache des „nicht nach der kirchlichen Lehre lebenden“ Zusammenlebens ohne Trauschein nicht mehr als Kündigungsgrund erwähnt. Problem gelöst, Mitarbeiter beruhigt.

Könnte man nicht  ähnliches für verheiratete Priester tun? Das Kirchenrecht wird in Deutschland nicht geändert werden können, das kirchliche Arbeitsrecht aber schon. Man könnte zum Beispiel suspendierte Priester als Pastoralreferenten einstellen.

So empfiehlt der Synodale Weg in Votum 7 des Priesterforums:

„(36) Die Synodalversammlung fordert die Deutsche Bischofskonferenz auf,

a) einen intensiven Austausch mit suspendierten und dispensierten Priestern zu pflegen und einer Entfremdung entgegenzuwirken.

b) es zu ermöglichen, dass sich dispensierte Priester auf allen Laien offenstehende kirchliche Berufe bewerben können. Die Integration in einen pastoralen Dienst soll wie im erneuerten Dispensreskript möglich sein.

Dasselbe fordert schon die Würzburger Synode, deren Ende vor 50 Jahren wir in diesen Tagen begehen.

Man könnte ihnen Sozialleistungen zugestehen, wie sie auch der Staat seinen aus dem Dienst ausgeschiedenen Beamten zugesteht, da ja mit dem Kleriker Status zivilrechtlich gesehen eine Art Beamtenstatus gegeben wurde. Ich habe den Eindruck, wenn man schon den Zölibat ändern möchte, aber nicht kann, sollte man wenigstens die zivilen Folgen bzw. Strafen aufheben, die beim Verlust des Klerikers/Beamten-status eintreten.

Ausgehend von mir als Bischof, der sein Amt wegen Heirat aufgeben musste, möchte ich daher konkrete Vorschläge machen, im vollen Bewusstsein, dass dies für mich gar nicht mehr rückwirkend möglich wäre, aber für viele die noch kommen, eine wirkliche Versöhnung mit der Kirche herstellen könnte und diese Leute der Kirche damit noch einen guten Dienst leisten könnten. Ich sehe mich damit in einer Linie mit der Initiative „Priester im Dialog“, die derzeit von Edgar Buettner koordiniert wird.

  1. Priester sollten sich grundsätzlich gesetzlich krankenversichern. Sollten sie dennoch in der VRK geblieben sein und mit über 55 Jahren aus dem Dienst ausscheiden, (und daher von der gesetzlichen Krankenkasse nicht mehr übernommen werden), sollte die Bischofskonferenz mit der VRK einen bezahlbaren Sondertarif aushandeln. Der aktuelle Tarif der VRK für suspendierte Priester in Rente liegt bei über 1000 Euro monatlich plus Pflegeversicherung, was eine echte Armutsfalle darstellt.
  2. Anstatt bei der DRV nachzuversichern, sollte ein Altersgeld für verheiratete Kleriker bezahlt werden, analog der staatlichen Regelung.
  3. Verheirateten Priestern sollte grundsätzlich eine weitere Anstellung in für Laien offenen Berufen angeboten werden (siehe oben), auch wenn die Laisierung von Rom noch nicht vorliegt. Damit könnten ihre Kompetenzen genutzt, sowie soziale Ausgrenzung und menschliche Verletzungen vermieden werden.
  4. Bei Nicht- Weiterbeschäftigung sollte eine angemessene Abfindung bezahlt werden, was ein Monatsgehalt pro Jahr der Beschäftigung sein könnte. 3 Monate Tischtitel sind nicht nur für ältere Semester ein Hohn/Almosen?

Diese Vorschläge sind nicht einfach nur Forderungen nach Privilegien. Eine angemessene Rente und Krankenversicherung sind Menschenrechte, die die Kirche in der katholischen Soziallehre vom Staat einfordert und im eigenen Hause nicht einfach missachten kann.

Ich würde der Bischofskonferenz, den Generalvikariaten und den Priesterräten der Diözesen raten, diese Vorschläge eventuell gemeinsam mit der Initiative „Priester im Dialog“, jedenfalls mit Betroffenen zu diskutieren.

 


jueves, 16 de octubre de 2025

Mein Rücktritt als Bischof und spätere Heirat

 Ich bin Reinhold Nann, habe die deutsche und peruanische Staatsbürgerschaft, bin 65 Jahre alt und seit kurzem in Peru zivil verheiratet, wo ich mit meiner Frau lebe. Ich bin katholischer Priester seit 1987 und Bischof seit 2017, Ämter auf deren Ausübung ich verzichtet habe.  

Meinen Dienst habe ich überwiegend in Peru an den Rändern der Gesellschaft bei den Armen ausgeübt. Ich fühlte mich wohl dort und Papst Franziskus war zu Beginn ein großer Hoffnungs- und Lichtblick für mich und mein Kirchenbild. Für kurze Zeit habe ich die fast absolute Machtfülle genossen, die mir das Bischofsamt in meinem Territorium der Kirche gibt. Aber dann holte mich die traurige Realität ein. Wahrscheinlich hatte ich zuvor das Priesterbild idealisiert. In meiner Vorstellung gab es natürlich einige schwarze Schafe, aber die große Mehrheit müsste doch genauso idealistisch sein wie ich. Je weiter ich nach oben kam, um so deutlicher wurde mir das Ausmaß an Abgründen, Tragödien, Missbrauch, Mittelmäßigkeit und Lügen. Ich habe zu viel gesehen, war entsetzt und deprimiert.

Während meines Dienstes habe ich das Zölibat verteidigt, nicht unbedingt verpflichtend für alle. Und ich habe die Ehelosigkeit auch tatsächlich gelebt. Einige Male habe ich mich verliebt, aber dann doch schnell wieder meine Entscheidung für den Zölibat erneuert. Ich kam mir dabei fast wie ein Held vor, ohne zu bemerken wie ich immer einsamer und oberflächlicher wurde. Nach der Pandemie habe ich mich in die Person verliebt, die heute meine Ehefrau ist. Es ist eine Liebe, die täglich wächst und die anfangs versteckt werden musste, bis wir Klarheit über unsere Zukunft hatten.

Am 1.7. 24 bin ich als Bischof von Caraveli zurückgetreten, weil ich eine Aus- und Entscheidungszeit brauchte. Die Depression war der Anlass, die Liebe der Grund dafür. Ich war mehrere Monate in Deutschland, getrennt von meiner Partnerin, um spirituelle und psychologische Hilfe zu holen. Im Dezember letzten Jahres habe ich dann den Vatikan und die Erzdiözese Freiburg von meiner Entscheidung auch das Priesteramt aufzugeben informiert. Bis zu diesem Zeitpunkt bekam ich noch ein Gehalt von Freiburg als Fidei-Donum-Priester, eine Art Leiharbeiter für die Kirche in Peru. Der Vatikan hat mich bis heute nicht laisiert, das heißt ich lebe für die Kirchenrechtler in schwerer Sünde und übe so etwas wie ein sakramentales Fasten aus.  

Ich habe ganz vieles verloren:  meinen beamtenähnlichen Klerikerstatus, mein Einkommen, meine Beamtenpension, meine Krankenversicherung. Meine Position in der Kirche, Respekt und Aufmerksamkeit ganz vieler Menschen. Mein Glaube an die institutionelle Kirche.

Ich habe gewonnen: eine Partnerin die mich liebt, ganz zu mir passt und die ich nicht mehr verstecken muss. Die Freiheit, ganz ich selbst sein zu können, unabhängig vom Amt und der Institution.

Mein Glaube an Gott und die Kirche als Gemeinde blieb intakt.

Der Ablösungsprozess vom Klerikeramt verlief sehr enttäuschend. Ich bin im Moment „obdachlos“ in der Kirche, aber auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Von der Klerikerkirche erwarte ich keine substanziellen Erneuerungen in dieser aufgewühlten Zeit.

Zu Beginn gab es kein verpflichtendes Zölibat in der Kirche. Ich glaube, dass das krampfhafte Festhalten daran der Kirche weit mehr Schaden als Nutzen bringt. Unsere Pfarreien sind immer weniger Gemeinden und immer mehr rein sakramentale Dienstleistungsorte. Aber deswegen evangelisch zu werden ist auch nicht mein Ding. Auch dort gibt es Enttäuschendes beim Bodenpersonal. Ich werde versuchen, Kirche urkirchlicher, von unten her zu leben. Als Glaubens-Gemeinschaft angefangen von meiner Ehe als Haus-Kirche, wo ich weiterhin das allgemeine Priestertum aller Gläubigen ausführe.

Im Moment gebe ich keinerlei Interviews. Ich liebe meine Privatsphäre und schütze sie vor jedem Sensationalismus.

martes, 28 de enero de 2025

Karl Reinhold Nann: ein Opfer der Zwangs- Euthanasie der Nazis

 Karl Reinhold Nann: ein Opfer der Zwangs- Euthanasie der Nazis

Der Heimat- und Geschichts- Verein Vogtsburg konnte bei der Umgestaltung des Denkmals der Gefallenen der Weltkriege vor dem Neubau des Rathauses erreichen, dass auch ein Mahnmal für die zivilen Opfer des Nationalsozialismus dort seinen Platz fand. Nachforschungen ergaben, dass mindestens 14 behinderte Menschen aus Vogtsburg 1940 ermordet wurden. Das am besten dokumentierte Opfer trug meinen Namen und ist Cousin meiner Schelinger Oma gewesen. Ich selbst habe erst vor kurzem durch den Heimat- und Geschichtsverein von diesem Fall erfahren.

1.      Der Fall Karl Reinhold Nann

Karl Reinhold wurde am 20.8.1918 in Schelingen (heute Ortsteil von Vogtsburg) im Haus Nr.7 geboren. Sein Vater war Roman Nann, Onkel meiner Oma Elise Nann. Seine Mutter war Katharina Gut. Bald nach der Geburt von Karl Reinhold starb ihr Mann Roman und sie heiratete ihren zweiten Mann, Rudolf Dieringer.

Karl war kein gesundes Kind. Er kam mit Hasenscharte und geistiger Behinderung zur Welt, bereits mit 9 Jahren wurde er zum ersten Mal in die St. Josefs- Anstalt in Herten vom Kreiswohlfahrtsamt eingewiesen. Seit 1932 blieb er ununterbrochen in dieser katholischen Einrichtung für behinderte Kinder und Schulentlassene sowie für sogenannte nicht „bildungsfähige“ Erwachsene. Die Diagnose lautete „angeborene Idiotie mit nachgewiesener organischer Erkrankung“.

Das Nazi Regime hatte Erbgesundheitsgerichte gegründet, auch beim Amtsgericht Freiburg war eines angesiedelt. Dieses ordnete für Karl Reinhold Nann bereits 1935 eine Zwangssterilisierung an. Wegen mehrerer Einsprüche des Direktors Vomstein der Anstalt in Herten konnte dies aber erst 1937 durchgeführt werden.

Am 20.8.1940 wurde Karl Reinhold von Herten nach Emmendingen verlegt und von dort am 6.9. ins Vernichtungslager in Grafeneck (Schwäbische Alb), wo er gleich beim Eintreffen in der Gaskammer ermordet wurde. Seine Mutter Katharina Dieringer erklaerte nach dem Krieg:

„Die Anstalt in Herten hat mich von dem Wegtransport nicht benachrichtigt, und wir wussten auch nicht, wohin mein Sohn kam. Im September 1940 erhielt ich dann von einer Anstalt in Grafeneck die Nachricht, dass mein Sohn Karl an Wanderrose mit Blutvergiftung gestorben sei. Als Todestag war der 16. September 1940 um 2 Uhr angegeben. In dem Schreiben stand noch, dass niemand hinkommen dürfe, indem die Krankheit sehr ansteckend gewesen sei. Die Asche könne uns aber zugeschickt werden. Darauf haben wir aber verzichtet.“

Warum wurde dieser hilflose und geistig behinderte junge Mann umgebracht?

Die Rassenideologie der Nazis war eine Art „Sozialdarwinismus“. Man wollte den natürlichen Selektionsprozess beschleunigen, und um die arische Rasse nicht zu schwächen sollten unheilbar behinderte Menschen auf keinen Fall das Erbgut der deutschen Rasse schädigen (daher Zwangssterilisation) und auch dem Staat keine unnötigen Kosten bereiten (daher Vernichtung „lebensunwürdigen Lebens“).

Diese Ideologie wurde mit brutaler Konsequenz umgesetzt. Hitler selbst berief die unter dem Decknamen T4 (benannt nach ihrem Sitz in der Theresienstraße 4 in Berlin) laufende Medizinerkommission ein, die 1939 alle Behinderteneinrichtungen in Deutschland zwang, ein Formular für jeden ihrer Patienten auszufüllen. Die Kommission entschied dann die Ermordung von 70.000 Behinderten, die in geheime Vernichtungsanstalten verlegt und dort vergast oder vergiftet wurden. Die Toten wurden eingeäschert und die Angehörigen über die wahre Todesursache getäuscht. Dennoch wurde die Zwangs-Euthanasie bekannt, auch durch die Predigten einiger mutiger katholischer Priester, wie z.B. Clemens Kardinal von Galen aus Muenster, die jedoch dafür ihr Leben riskierten. Ein Sturm der Empörung brach aus, die Aktion wurde anscheinend gestoppt, aber auch in den Jahren danach kamen noch 30.000 weitere Behinderte um.

Der Umgang mit Behinderten Menschen der Nazis kann nur als zutiefst unmenschlich und grausam beschrieben werden. Dagegen hat jeder Mensch seine Würde, nur wegen der Tatsache, dass er ein Mensch ist, und wie wir Christen sagen: ein Kind Gottes und damit unser aller Bruder oder Schwester. Die Menschenwürde gebietet jedes Leben, auch das schwache oder andere, zu schützen und zu achten.

In dem von Hitler verursachten zweiten Weltkrieg kamen insgesamt 60 Millionen Menschen ums Leben, Soldaten und Zivilisten, Einheimische und Ausländer. Unter den zivilen Opfern befanden sich vor allem Juden, Behinderte, Sinti und Roma, Homosexuelle u.A.

Nie wieder Nazis in Deutschland und anderswo.

Vogtsburg, im Januar 2025, Reinhold Nann

 

 

Quellen:

  1. ÜBER MUTTER WIRD NICHT GESPROCHEN …“Euthanasie“-Morde an Freiburger Menschen; Silvia Böhm-Steinert: Karl Reinhold Nann: Seite 119 – 122; Mabuse Verlag 2017
  2. Artikel in „Planet Wissen“ von Andrea Boehnke y Ulrich Baringhorst 2003 in: Nationalsozialistische Rassenlehre: Euthanasie - Nationalsozialismus - Geschichte - Planet Wissen

sábado, 28 de septiembre de 2024

Mein Pilgern auf dem Jakobsweg

 Ich kam am 22.9.24 in Compostela, dem „Sternenfeld“ oder dem Grab des Apostels Jakobus (Santiago) an, nachdem ich von Burgos aus 497km zu Fuss gepilgert war.

Eine europaeische Kulturstrasse, Tausende von Pilgern tae

Bischofspalast Astorga





glich, am Wege viele romanische und gotische Kirchen, steinerne Zeugen eines tausendjaehrigen Unterwegsseins.

Ich habe unterschiedlichste Leute getroffen: eine 81 jaehrige Argentinierin, die alleine 117km von Sarria aus pilgerte, ein Franzose mit Burn-Out, ein Oesterreicher der von seiner Heimat aus schon 3 Monate unterwegs war, italienische Schulklassen, einen aelteren Hollaender der nach einem Sturz im Krankenhaus genaeht wurde und dennoch gleich wieder weiterging...

Ich hoerte vom Pfarrer von O Cebreiro, der in den 80 Jahren, als der Jakobsweg gerade wiederentdeckt wurde, in diesen aussterbenden Doerfern ueberall im Wald gelbe Pfeile auf die Baeume malte. Als er von der Polizei gefragt wurde, was er denn da mache, habe er feierlich geantwortet: „Ich bereite eine Invasion vor“. Er hatte es dann selbst nicht mehr erlebt, aber seinen Glauben habe ich bewundert.

Ich habe viel gelernt:

1.      Ich akzeptierte meine Schwaechen, vor allem im Schulter- und Rueckenbereich. Der 8kg schwere Rucksack hat mir am ersten Tag gleich erhebliche Beschwerden verursacht. Ich habe mich ueberwunden und ihn schliesslich jeden Tag einem Gepaeckdienst anvertraut. Da wo ich selbst nicht mehr kann, muss ich fremde Hilfe akzeptieren.

2.      In mir war noch viel mehr Energie und Kraft, als ich es vermutet haette. Keine Blase an den Fuessen, die Beine und der Koerper waren zwar nach jeder Etappe erschoepft, aber wohlauf. Ich musste nur meine Etappen gut einteilen und fuer gute Ernaehrung und viel Schlaf sorgen.

3.      Auch meine geistige Verfassung hat mich ueberrascht. Das klare Ziel vor Augen, das Erreichen jeder Tagesetappe und die frische Luft haben auch den Geist befluegelt. Ich wurde froehlich, dankbar und zaeh. Eine wirksame Antistress- und Antidepressions-therapie.

4.      Als Pilger wirst Du herausgefordert. In Stockbetten im Schlafsaal zu schlafen war am Anfang etwas schwierig fuer mich. Ich musste die brennende Sonne, sehr kalte Vormittage und 3 leichte Regentage aushalten. Mit der rechten Kleidung und Einstellung kannst Du aber diese auesseren Schwierigkeiten leicht ueberwinden und Gott fuer alles danken.

5.      Pilgern heisst auch achtsam sein auf die Zeichen am Weg. Ueberall gab es Wegmarken mit der Jakobsmuschel und den gelben Pfeilen. Nur 4 km vor Santiago schenkt einem der „Freudenberg“ die Euphorie, zum ersten Mal das Ziel vor Augen zu haben. Bei mir wars leider total neblig. Und dennoch war ich von tiefer Freude und dem Glauben erfuellt, dass da unten ganz nahe mein Zoiel ist, auch wenn ich nichts sehen kann. Glauben ohne zu sehen...

6.      Es gibt Menschen die in deinem Rythmus gehen und andere nicht. Mit den ersteren kommst Du vielleicht in ein gutes Gespraech, sie werden zu Wegbegleitern, den anderen sagst Du beim Vorbeigehn nur ein „Buen Camino“ (Guten Weg). Keiner wird zensiert wegen seinem Tempo oder seinen Ansichten, jeder darf sein, wie er ist. Pilger sind keine Konkurrenten, es geht nicht darum vor den anderen anzukommen sondern ueberhaupt anzukommen. Du musst Dich auf Deinen eigenen Weg, dein Tempo und Dein Leben konzentrieren.

7.      Ich bin meinen Weg fast anonym gegangen. Nur ganz wenigen habe ich auf Nachfrage gesagt, dass ich Priester bin. Ich war fast taeglich in der Messe, unerkannt als Teilnehmer. In Santiago habe ich mit-zelebriert, ohne zu erwaehnen, dass ich Bischof bin. Wichtig ist nicht meine Position oder mein Amt, sondern mein Mitgehen mit dem Volk Gottes, so wie Jesus es tat.  In Astorga habe ich einen erzbischoeflichen Palast gesehehen, der wie ein Disney-Maerchenschloss aussah. Anfang des 20sten Jahrhunderts hatte  ein Bischof den noch jungen Landsmann und Stararchitekten Gaudí engagiert. Der Bischof starb jedoch noch vor dem Ende des Bauwerks. Kirchliche Macht ist auch nur „Windhauch“, wie die Bibel (Buch Kohelet) sagt, und am Ende unseres Lebens bleibt nur die Liebe (Korintherbrief), nicht die Bauwerke.

8.      Zu Fuss pilgern heisst auch die Langsamkeit und die Betrachtung zu ueben. Normalerweise mache ich alles schnell und stresse mich selbst. Durch die Langsamkeit des Gehens wurde ich aufmerksam auf die Weg-Zeichen Gottes, die Natur, Kultur und Menschen. Pilgern heisst entschleunigen und achtsam werden auf das, was sich in Dir und um Dich herum regt.

Das Pilgern war fuer mich wie eine Neugeburt. Es gibt mir Kraft mit Geduld und Zaehigkeit meinem Ziel entgegenzugehen, das sich mir erst im Verlauf des Weges entschleiert. Dank allen Mitpilgern und Mitpilgerinnen, auch wenn es nur fuer eine kurze Zeit sein sollte.

Habt auch Ihr einen „Guten Weg“ (Buen Camino).

September 2024                                                                    Euer Reinhold Nann

lunes, 1 de julio de 2024

Mein Ruecktritt als Bischof von Caraveli

 

Heute hat der Vatikan meinen Rücktritt als Bischof von Caraveli angenommen und Ricardo Rodriguez, einen Weihbischof aus Lima als vorübergehenden apostolischen Administrator eingesetzt.

Vor 7 Jahren habe ich mit viel Enthusiasmus als Bischof von Caraveli angefangen. Ich habe vieles erreicht: ein Pastoralplan zur schrittweisen Erneuerung der Prälatur, die Wiedereinführung der Familienkatechese in mehreren Pfarreien, die Gründung von Pfarrcaritasgruppen in fast allen Pfarreien, eine Priestersolidaritaetskasse, 2 Hilfezentren  für familiäre Gewalt, die Einführung von Praeventionsprotokollen in allen Pfarreien, 3 Priesterweihen und eine Neuordnung der Behörde für den Religionsunterricht…

Außerdem hatte ich Aufgaben auf nationaler Ebene als Präsident von Caritas del Perú, Vizepräsident der Partnerschaft, bischöflicher Begleiter der Familienkatechese, Mitglied in der bischöflichen Kommission zum Schutz Minderjähriger sowie in der Schoenstattbewegung.

Mit der Zeit haben mir diese Aufgaben neben einigen Enttäuschungen auch Stress und hohen Blutdruck beschert. Seit der Zeit des Covid hat sich meine körperliche und geistige Gesundheit verschlechtert und ich spüre deutlich, dass ich nicht mehr die  Kräfte für dieses Amt habe. Nach einigen Untersuchungen haben mir die Ärzte geraten, eine Aus- und Erholungszeit zu nehmen. Daher habe ich die Entscheidung getroffen, vom Bischofsamt zurückzutreten und  eine Auszeit (Sabbatjahr) zu nehmen.

Nach der Übergabe der Prälatur an meinen Nachfolger werde ich diese Sabbatzeit  unter anderem im Elternhaus und im Recollektiohaus in Münsterschwarzach zubringen. Was danach kommt, werde ich dort im Gebet und Nachdenken entscheiden.

Ich habe mit meiner Ungeduld und Ungestüm  wohl auch manchen Schaden angerichtet, für den ich ehrlich um Verzeihung bitte.

Ich danke allen, die den Weg als Bischof mit mir mitgegangen sind, besonders auch meinen Freunden in Deutschland, denen diese Mitteilung gilt.

Vielen Dank auch allen Spendern, die meine Arbeit hier unterstützt haben. Die Prälatur steht heute finanziell auf eigenen Füssen, ist aber auf Hilfe in sozialen Anliegen immer noch auf Spenden aus dem Ausland angewiesen. Ihr könnt darum frei entscheiden, ob Ihr Eure Spenden nun einstellen wollt, weil sie ja nun nicht mehr über mich gehen können, oder ob ihr weiterhin die sozialen Projekte der Prälatur unterstützen wollt. Dies geht wie bisher über Adveniat auf das Konto der Prälatur und wird dann für die Caritasarbeit in den Pfarreien verwendet. Es gibt keine administrativen Kosten, alles geht direkt an die Bedürftigen. Ansprechpartner für die Caritasarbeit hier ist Pfr. Norbert Nikolai, der auch deutscher Fidei Donum Priester ist: nikolainn@gmx.net

An Weihnachten erscheint wahrscheinlich ein neuer Rundbrief von mir.

Caraveli, 1.7.24

Mit der Bitte um Euer Gebet verabschiede ich mich 

Euer emeritierter Bischof Reinhold Nann

sábado, 4 de febrero de 2023

Kriegsberichterstattung: Die Lage in Perú Anfang Februar 2023

 Nur wenige Tage nach dem versuchten „Selbstputsch“ von Präsident Pedro Castillo und seiner sofortigen Absetzung durch das Parlament am 6.12.22, gingen seine Anhänger und gewisse organisierte Gruppen vor allem im südlichen Andengebiet auf die Straßen und forderten den Rücktritt seiner Nachfolgerin und die Absetzung des gesamten Parlaments oder doch sofortige Neuwahlen. Dies machte sich an Straßenblockaden an 90 verschiedenen Stellen sichtbar, große Menschenmassen griffen die Polizei und staatliche Einrichtungen an, die zum Teil völlig verwüstet wurden.

Die Polizei antwortete mit außergewöhnlicher Härte. Mehr als 50 Personen wurden seither von der Polizei getötet, die meisten durch Schusswaffen. Dennoch bekam sie die Blockaden nicht aufgelöst. Nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen haben das Vorgehen der Polizei verurteilt.

Die Demonstranten waren zigtausende, kamen überwiegend aus indigenen Bauernvereinigungen, die in ihren Dorfversammlungen beschließen, ob sie an der Blockade teilnehmen oder nicht. Dazu kamen in meinem und in anderen Gebieten auch Vereinigungen illegaler Kleinst-Goldminen mit tausenden Teilnehmern.

Anfang Januar machten diese Menschen dann ihren Marsch auf Lima. Solange die Regierung in Lima uns nicht ernst nimmt, wird sich nichts ändern. Seitdem sind auch in Lima Zentrum täglich Tausende auf der Straße, die Polizei hat zum Schutz des Regierungs- und Parlamentsgebäudes dort 14.000 Polizisten und Militärs zusammengezogen.

Es ist wie ein Bürgerkrieg, nur dass die Aufständischen bisher nur mit Steinen bewaffnet sind. Es ist wie eine Anarchie, denn die Regierung scheint zumindest im Süden die Kontrolle verloren zu haben. Es ist ein Aufstand der Marginalisierten Landbevölkerung gegen die mittelständigen Staedtler. Es ist wie ein Aufschrei nach der COVID Pandemie: Schluss mit der Pandemie der Ungleichheit. Es ist ein tiefer Graben, der sich auch mitten durch Kirchengemeinden und Familien hindurchzieht.

Die Mittelschicht ist verängstigt und erschrocken und ruft nach dem starken Mann, der diesem Schrecken endlich ein Ende bereitet. Sie vermutet überall Kommunisten und Kriminelle, was deren wirkliche Bedeutung jedoch weit überschätzt. Im Moment spielt die bisherige Vizepräsidentin die Rolle der starken Frau, unterstützt von der großen Mehrheit des Parlaments. Weder die Präsidentin noch das Parlament will zurücktreten, was ja die zentralen Forderungen der Demonstranten sind. Keiner weiß, wie lange diese Blockadesituation noch andauern wird, wie viel Blut noch vergossen werden muss, es könnte in einer Revolution oder Militärdiktatur enden.

Caraveli ist ein relativ kleiner und ruhiger Ort. Aber seine Zugangswege waren ständig blockiert und es gab bereits Mangel an Lebensmitteln, was teilweise durch örtliche Produktion ausgeglichen werden konnte. Auch aus unseren Gemeinden gibt es sowohl Teilnahme und Zustimmung als auch entschiedene Ablehnung der Proteste. Als Bischof war ich mehrfach in meiner Reisefreiheit schwer behindert, im Januar hatten wir z.B. Bischofskonferenz in Lima. Da ich nicht an den Demonstrationen teilnahm, ist mein Leben nicht in Gefahr gekommen, außer vielleicht durch abenteuerliche Fahrten durch die Wüste um Blockaden zu umgehen. Auch in der Bischofskonferenz konnten wir uns zunächst nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: Ein entschiedenes Nein zur Gewalt, von welcher Seite auch immer sie kommen mag. Die Bischöfe aus der südlichen Provinz fordern dagegen auch, dass die Menschen von dort angehört werden in ihren berechtigten Forderungen, im Beseitigen der himmelschreienden Ungerechtigkeit und Ungleichheit, verursacht und verstärkt durch die allgemeine Korruption. Inzwischen fordert der Vorsitz der Bischofskonferenz in einem offenen Brief die Kongressabgeordneten dazu auf, endlich vorgezogene Neuwahlen zu beschließen.

Trotz allem hat in Caraveli Ende Januar/Anfang Februar das Patronatsfest stattgefunden mit hunderten von Teilnehmern. Wie die alle kommen konnten, kommt einem Wunder gleich. Unter dem Schutzmantel der Virgen del Buen Paso wird dieses Fest zu einem Ereignis der Geschwisterlichkeit, auch ein kleines Wunder in Zeiten des Bürgerkrieges.

Ich habe meine Gefühle im Bild der weinenden Maria unter dem Kreuz ausgedrückt, nur dass sie jetzt 2 Söhne hat, die sich Kain und Abel nennen und sich gegenseitig umbringen wollen. Nach dem Ende der Gewalt muss ein gegenseitiges Anerkennen der Geschwisterlichkeit folgen, sonst wird der Friede nur von kurzer Dauer sein.  Im Moment kann ich nur sagen: Betet für uns.

Caraveli, 4.2.23                 Reinhold Nann

Der deutsche Synodale Weg – Schreckgespenst der weltweiten Gegner der synodalen Kirche

 Als deutschstämmiger peruanischer Bischof werde ich immer wieder besorgt auf den synodalen Weg in Deutschland angesprochen: „Stimmt es, dass die deutsche Kirche kurz vor der Kirchenspaltung (Schisma) steht? Dass man dort Homosexualität akzeptiert, Frauen zu Priestern weihen will und der Zölibat abgeschafft wird?“ Dieser Verdacht wird von konservativen katholischen Influencern in einschlägigen englisch- und spanischsprachigen Medien ständig genährt. Ich versuche dann folgendes klarzustellen:

1.       Der deutsche Synodale Weg begann 2018 nach der MHG Studie über sexuellen Missbrauch durch Kleriker in Deutschland, die 3677 Opfer identifizierte. Danach war klar: wenn die deutsche Kirche noch Glaubwürdigkeit behalten will, muss sie sich ändern und systemische Ursachen des Missbrauchs erkennen und beseitigen. Dabei sind die Deutschen von ihrer Art her sehr viel gründlicher und direkter, wir Latinos greifen heiße Eisen lieber gar nicht oder nur zum Scherz an.  

2.       Der Deutsche Synodale Weg bezieht Laien mit ein. Nicht nur im Prozess des Anhörens, sondern auch in der Vollversammlung, was ja auch in der „Kirchlichen Versammlung“ des Amazonasgebietes und von ganz Lateinamerika (2021) so praktiziert wird.

3.       Papst Franziskus rief für 2021 bis 2024 eine Weltsynode zum Thema Synodalität ein. Dort und auf allen Bischofssynoden dieses Papstes spielt das Anhören der Laien eine neue und wichtige Rolle. Dieses Anhören praktiziert der deutsche synodale Weg und dort sind oben genannte „Reiz“-themen zum Vorschein gekommen. Das Anhören und Besprechen dieser Themen war früher in der Kirche tabu, ist jetzt aber das Recht und die Pflicht der deutschen Kirche und sie darf dafür von außen nicht kritisiert werden.

4.       Der zweite Schritt der synodalen Kirche ist die „Unterscheidung“ oder Bewertung der angehörten Themen mit Hilfe des Heiligen Geistes. Da werden zu den Themen in den Kommissionen Papiere erstellt, über die dann in der Vollversammlung abgestimmt wird. Diesem Schritt könnte ein gewisser Parlamentarismus vorgeworfen werden, und die Frage stellt sich, ob das Verfahren genügend Raum für das Hören auf den Heiligen Geist ermöglicht.

5.       Die deutsche Kirche ist sich bewusst, dass sie viele Fragen nur zusammen mit Rom und dem Papst lösen kann. Sie will diese Fragen dem Papst und der Weltsynode als Anregungen aus Deutschland einbringen.

Nun hat sich selbst Papst Franziskus mehrfach kritisch zum synodalen Weg in Deutschland geäußert. Zuletzt nannte er ihn das Werk einer „Elite“ in der Kirche und nicht des deutschen Kirchenvolkes in seiner Gesamtheit. Bei allem Respekt und Liebe zu Papst Franziskus muss ich doch sagen: Glaubt er tatsächlich das deutsche Volk besser zu kennen als dies die deutschen Bischöfe tun? Ich gebe ihm dagegen recht, wenn er das Verfahren der deutschen Synode kritisch hinterfragt und gewisse übersteigerte Erwartungen an diese Synode zurückschraubt, schließlich ist Deutschland auch - aber nur ein kleiner - Teil der universalen Kirche. Freilich bedeutet Universalität nicht einfach Uniformität sondern schließt einen gewissen Pluralismus mit ein.

In der Lateinamerikanischen Kirchenversammlung und beim Anhören für die Weltsynode wurde als Hauptproblem der Klerikalismus ausgemacht. Ein Klerus, der sich als Kaste versteht und alle Macht in der Kirche in seinen Händen konzentriert und diese auch nicht abgeben will. Diese klerikalistischen Kreise sind es, die den deutschen synodalen Weg als Schreckgespenst der Kirche an die Wand malen. Seine Themen sind hier zwar auch vorhanden aber noch weitgehend tabu und kaum mehrheitsfähig. Indem der deutsche Weg verteufelt wird, kann man indirekt den synodalen Weg der Weltkirche torpedieren und damit soll letztlich Franziskus selbst getroffen werden, der mit der Weltsynode wichtige Themen des II Vatikanischen Konzils endlich umsetzen will: das Kirchenmodell des Volkes Gottes, das eine radikale Umgestaltung des pyramidalen und monarchischen Amtsverständnisses mit sich bringt.

Danke Papst Franziskus für dein Eintreten für eine synodale, geschwisterliche und dienende Kirche. Dies verlangt von uns allen ein geduldiges Hinhören aufeinander, den Verzicht auf das Verurteilen anderer Meinungen, ohne sie genau zu kennen und schließlich ein aktives Hinhören auf das, was uns der Geist in diesen Prozessen sagen will.

Caravelí/Perú 4.2.23                                      Reinhold Nann

jueves, 8 de diciembre de 2022

Perus Praesident abgesetzt und verhaftet.

 https://taz.de/Perus-Praesident-abgesetzt-und-verhaftet/!5901987/


lunes, 7 de noviembre de 2022

13.11. Welttag der Armen

 Welttag der Armen

Am Sonntag dem 13. November begehen wir bereits zum sechsten Mal den von Papst Franziskus ins Leben gerufenen Welttag der Armen. In der Prälatur Caravelí/Perú in der ich arbeite, verbinden wir das mit dem Caritassonntag. Die Kollekte ist für die Arbeit der Pfarrcaritas, und die Pfarreien laden die Armen des Ortes zu einem Mittagessen ein. Oft sind das in unserem ländlichen Bereich alleingelassene alte Menschen, die Jungen sind in die Großstadt weggezogen. „Jesus Christus wurde euretwegen arm“, sagt Paulus seinen Gemeindegliedern in Korinth, und dies ist das Motto des diesjährigen Welttages. Jesus hatte kein Haus, kein Bankkonto, kein Pferd, keine Sicherheiten. Er starb elend am Kreuz und ließ keine Erbschaft zurück, außer der, dass man nicht zwei Herren dienen kann: Gott oder dem Geld. Im Loslassen des Materiellen werden wir frei, finden wir ein anderes Glück, das nicht von dieser Welt ist. Dagegen macht das Festhalten verkrampft, voller Angst und Sorgen, dass jemand uns das, was wir haben, wegnehmen könnte.

Die Pandemie und nun der Krieg in der Ukraine haben am Vertrauen auf unsere falschen materiellen Sicherheiten gerüttelt. Die Gesundheit und die Heizung im Winter sind plötzlich nicht mehr so sicher wie vorher. „Wie viele arme Menschen bringt der Wahnsinn des Krieges hervor!“ schreibt Papst Franziskus in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag. Er zitiert Paulus, der damals eine Kollekte für die verarmte Gemeinde in Jerusalem organisierte und ruft die Korinther zu mehr Solidarität auf. Angesichts der Not dürfen wir nicht ängstlich an dem was wir haben festhalten, sondern im Gegenteil, das wenige was wir haben teilen. Dieses Teilen macht uns frei und offen für die Gemeinschaft.

Franziskus sagt: „Es geht also nicht um eine Wohlfahrtsmentalität gegenüber den Armen, wie es oft der Fall ist, sondern es geht darum, sich dafür einzusetzen, dass es niemandem am Nötigsten fehlt. Es ist nicht der Aktivismus, der rettet, sondern die aufrichtige und großherzige Aufmerksamkeit, mit der man sich einem armen Menschen als Bruder nähert, der seine Hand ausstreckt, damit ich aus der Lähmung, in die ich gefallen bin, erwache. […] [Es] darf sich niemand von der Sorge um die Armen und um die soziale Gerechtigkeit freigestellt fühlen“.

In Deutschland und Europa wurde Großartiges getan für die Aufnahme der Flüchtlinge aus der Ukraine. Es geht um Geschwisterlichkeit mit den Armen. Eine samaritanische Kirche zu sein ist wesensnotwendig, gerade heute. Die reale Begegnung mit den Armen macht uns frei von unserer Oberflächlichkeit und dem Kreisen um uns selbst. In diesem Sinne ist Jesus materiell arm geworden, um uns spirituell reich zu machen.

Besonders in den USA gibt es viele (freikirchliche) Gemeinden, die eine Theologie des materiellen Reichtums verkünden. Dieser wird zum Zeichen, dass jemand von Gott gesegnet sei. Dies ist zwar scheinbar eine geniale Inkulturation der christlichen Botschaft in das kapitalistische Wirtschaftssystem, aber im Grunde unchristlich. Der Kampf gegen den Kommunismus rechtfertigt dann die Verachtung gegenüber den Armen, ein Neuheidentum, das eine gefährliche Nähe zum Faschismus Hitlers zeigt. Die Ultrarechten Bewegungen zum Beispiel in Italien geben sich zwar nach Außen sehr christlich, in Wirklichkeit stehen sie der Botschaft Jesu jedoch diametral gegenüber, weil sie Hass auf Arme und „Andere“ schüren. Natürlich ist der Kommunismus keine Alternative, wir brauchen einen dritten Weg, eine wirklich solidarische, menschen- und armen- freundliche Marktwirtschaft.

martes, 1 de noviembre de 2022

viernes, 12 de agosto de 2022

 Missbrauch und Fidei Donum Missionare – ein Schatten trübt das Licht

Den aktuellen Presseberichten zufolge, war Fidei Donum eine Art Verschiebebahnhof, über den Priester, die in Deutschland wegen Kindesmissbrauch aufgefallen waren, einfach in Suedamerika versteckt werden konnten. Dies ist tatsaechlich in 3 Faellen geschehen, wie eine am Montag veröffentlichte Dokumentation nachweist, die auf www.adveniat.de jedermann zugänglich ist. Ich habe die Studie gelesen und möchte als Fidei Donum Priester (seit 1991) zu der Diskussion Stellung nehmen:

Ich leugne nicht und bin zutiefst beschämt, dass es auch unter Fidei-Donum-Missionaren Missbrauchstäter gab und gibt. Besonder betroffen macht es mich, dass auch der von mir zuvor bewunderte Bischof Emil Stehle sehr dunkle Seiten sowohl als Täter als auch als Vertuscher hatte. Und natürlich ist jeder einzelne Fall ein Fall zuviel, weil er tragisches Leid bei den Opfern hinterließ. Die Opfer haben ein Recht auf Entschädigung.

Ich bin der Presse auch dankbar, dass Sie solche Fälle an die Öffentlichkeit bringt, nur so kann tragisches Versagen in Zukunft vermindert und hoffentlich verhindert werden. Aber mir scheint, da wird durch Vermutungen ein ungerechter Generalverdacht hergestellt, als wären alle Fidei Donum Priester oder doch zumindest ein großer Teil, Missbrauchstäter gewesen.

Ich lade alle Interessierten ein, obige Studie genau zu lesen, und sich nicht von vorschnellen Vermutungen, die von der Studie so nicht gedeckt werden, leiten zu lassen.

Fidei Donum ist eine Koordinationsstelle, sie hat keinerlei rechtliche Verantwortung für die Priester, die mit einem Fidei Donum Vertrag nach Südamerika ausgereist sind. Der Verantwortliche für den Fidei Donum Priester ist der Entsendebischof in Deutschland, der seinen Priester sozusagen an einen Bischof in Südamerika ausleiht. Sollte der Priester vorher in Deutschland strafbar geworden sein, so hat der deutsche Bischof die Aufsichtspflicht, sollte er in Südamerika strafbar geworden sein, faellt das unter die Aufsichtspflicht des südamerikanischen Bischofs.

Fidei Donum hat sofort auf erste Vorwürfe gegen Priester aus ihren Reihen reagiert und eine umfassende und unabhaengige Studie in Auftrag gegeben und diese nun zügig veröffentlicht.

Fidei Donum Missionare werden auf eigenen Wunsch ausgesandt. Die Bischöfe „entledigen“ sich daher nicht unliebiger Priester, aber straffällig gewordene Priester können unter Umständen auf diese Weise aus Deutschland geflüchtet sein. Das dürfte heute unmöglich sein, da die Diözesen in Deutschland auch für Fidei Donum Priester oder Laien inzwischen polizeiliche Führungszeugnisse verlangen.

Nach Durchsicht der Akten ist dies aber in der Vergangenheit in 3 Fällen geschehen, unter aktiver Mithilfe von Emil Stehle. Von insgesamt 400 Fidei Donum Priestern waren das 3, also 0,75%. Es war zwar kein Einzelfall aber eben auch nur ein verschwindend geringer Prozentsatz.

Es sind allerdings außer den 3 Fällen insgesamt 19 verdächtige Fälle in den Akten aufgetaucht, wo es zumindest Hinweise gibt, dass da etwas mit Missbrauch stattgefunden hat oder stattgefunden haben könnte. Manchmal beziehen sich diese Hinweise erst auf die Zeit in Südamerika, manchmal ist nicht klar, ob es sich bei den Opfern um Minderjährige handelt. Auch da gilt: 19 von 400 waeren 4,7%, eine ganz ähnliche Zahl, wie es die MMG Studie für Priester in Deutschland feststellt. Das heisst also Fidei Donum Priester sind genau in der gleichen Anzahl zu Missbrauchstätern geworden, wie die uebrigen Priester in Deutschland auch. Nicht mehr und nicht weniger. Fidei Donum Priester sind nicht der Abschaum der Priester in Deutschland, der dann nach Südamerika abgeschifft wurde. Sie sind genauso gut und genauso schlecht wie andere Priester auch.

Fidei Donum hat vor kurzem sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Trotz der erwähnten Schattenseiten gilt: Die südamerikanische Kirche ist der deutschen Kirche zutiefst dankbar für den großartigen Einsatz der ganz überwiegenden Zahl der Fidei Donum Missionare. Fidei Donum Priester gingen oft an die Ränder, in die ärmsten Pfarreien der Elendsviertel, der Anden und des Amazonasgebietes, wo oft kein einheimischer Priester hingehen konnte. Oft haben sie dort die Grundlagen für Seelsorge und ein menschenwürdigeres Leben gelegt.  Leider konnten durch den Priestermangel in Deutschland in den letzten Jahren kaum noch Priester entsandt werden, dafür haben aber immer wieder auch einige Laienmissionare einen Fidei Donum Vertrag erhalten. Fidei Donum geht also weiter, muss aus seinen Fehlern lernen, genauso wie der Rest der deutschen und internationalen Kirche. Der Schatten des Missbrauchs trübt auch das Licht von Fidei Donum, löscht es aber nicht aus.

Perú, 11.08.22                               Reinhold Nann, Bischof in Caravelí, Perú, Heimatdioezese Freiburg

miércoles, 16 de junio de 2021

 


Wahl- Kampf der Kulturen

Wie vor mehr als 500 Jahren prallten im Mai/Juni 2021 in Perú 2 Kulturen aufeinander: die westlich-Rationale auf die andin-Magische. Und wie es Stichwahlen so an sich haben: das Land spaltete sich in 2 Teile: Auf der einen Seite steht Keiko Fujimori mit der diktatorialen Vergangenheit ihres inhaftierten Vaters.  Sie konnte fast die gesamte Ober und Mittelschicht vor allem in Lima und in den Kuestenstaedten hinter sich bringen. Ihr gegenueber steht Pedro Castillo, ein Gewerkschaftsfuehrer und Lehrer im Hinterland, der immer mit dem typischen Hut der andinen Bevoelkerung auftrat und die Ausrottung der Armut versprach. In seinem Wahlprogramm wird der Marxismus-Leninismus als Basis genannt.

Kardinal Pedro Barreto und Buergerrechtsorganisationen  hatten kurz vor der Sichwahl beide Kandidaten zum Unterschreiben einer Buergerrechtserklaerung gebracht, auf der sie sich zum Einhalten grundsaetzlicher demokratischer Regeln verpflichteten. Diese Selbstverpflichtungen koennen nun nach der Wahl vom Gewinner eingefordert werden. Die Bischofskonferenz hat sich neutral verhalten, waehrend einzelne Bischoefe und Priester und auch evangelische Prediger sich doch sehr dezidiert in den angeblichen “Kampf gegen den Komunismus” einspannen liessen.

Am 6. Juni war Wahltag. Wie im Krimi war lange unklar wer gewinnen wuerde. Nach ueber einer Woche und Auszehlung von 100% der Stimmen liegt nun Castillo mit 50,125% vorne. Aber Fujimori gab nicht auf. Mit 500 Anwaelten wurden ganze Wahllokale beanstandet, und nun muss das oberste Wahlgericht ueber hunderte von Antraegen (mit ca 200.000 Stimmen) einzeln entscheiden. Inzwischen werden die Leute auf der Strasse ungeduldig: Die Armen glauben, dass man ihre Stimmen annulieren will und die Reichen verteidigen in grossen Aufmaerschen die “Demokratie” oder auch nur den eigenen Geldbeutel gegen den “Kommunismus”. Es sieht sehr nach dem letzten Zappeln eines toten Fisches aus, aber dahinter koennte auch die Strategie stehen, dass nur ein Militaerputsch das Chaos der Strasse beenden wuerde.

Ich bin von keinem der beiden Kandidaten ueberzeugt. Aber in einer Demokratie muss die Entscheidung der Mehrheit respektiert werden und in meiner Praelatur (Arequipa/Ayacucho) haben ueber 80% Castillo gewaehlt. Jetzt ist es wichtig, die Wahlpolemik erstmal abzulegen und zum Wohl aller miteinander zu reden. Vielleicht ist es doch moeglich sich ueber einige Punkte der Pandemie- und Armutsbekaempfung einig zu werden. Pedro Castillo hat im Parlament nur eine kleine Minderheit hinter sich, die nicht ausreicht eine jederzeit moegliche Amtsenthebung zu verhindern. Wenn er sich nicht der demokratischen Mitte annaehert, werden wir ihn wahscheinlich nicht allzu lange als Praesident haben.

lunes, 31 de mayo de 2021

Rundbrief 33 vom 31. Mai 2021

 Liebe Freunde in Deutschland,

Nun sind wir schon im zweiten Covid Jahr. Die Impfung lauft langsam an in Perú, bisher sind ca. Eine Million Menschen mit beiden Dosen geimpft worden, vor allem medizinisches Personal und die ueber 80 Jaehrigen. Diese schauen allerding in der Provinz Caraveli weiterhin in die Roehre, zu uns sind bisher noch keine Impfstoffe gekommen, irgendwie scheint es mit der Verteilung nicht zu klappen.

Die Praelatur Caraveli hat dank der Unterstuetzung deutscher Spender in dieser Zeit vor allem Lebensmittelhilfe geleistet. Es gibt weiterhin 5 Armenkuechen, fuer die Alten und Arbeitslos-Gewordenen. Daneben hat Caritas Caraveli auch Sauerstoffflaschen und kleine Sauerstoff produzierende Geraete erworben, die von den Pfarreien direkt an die Patienten verliehen werden. Medizinischer Sauerstoff ist weiterhin ein knappes Gut, obwohl die Kirche zusammen mit Buerger- und Unternehmerinitiativen ca. 40 grosse Sauerstoffanlagen erworben hat.

In Caraveli haben wir lange unsere Sauerstofflaschen im 3 Stunden entfernten Camaná aufgefuellt. Nachdem aber die beiden Anlagen dort an ihre Produktionsgrenze stossen und es hier Engpaesse in der Versorgung gibt, haben auch wir beschlossen, eine solche Anlage anzuschaffen. Der Buergermeister und Buergervetreter von Caravelí haben sofort die Praelatur gebeten, hier aktiv mitzuarbeiten, was wir auch sofort getan haben.

Die Anlage, die ca. 30 Sauestoffflaschen taeglich fuellen kann, kostet 100.000 US-Dollar. Sowohl die oertlichen Unternehmer, Verwandte und Freunde in Lima als auch die Pfarrei und die Praelatur werden dafuer ihren Beitrag leisten. Alle Spenden von Ihnen/Euch die von Abril bis Juni dieses Jahres eintreffen, werden ebenfalls dafuer eingesetzt.

Daneben haben wir in diesem Jahr eine Kampagne zur psychischen Gesundheit gestartet, die vor allem unsere Pfarrschulen, die Religionslehrer aber auch viele andere Familien erreicht hat. Ueber Zoom und Facebook haben wir 8 Vortraege von Psychologinnen verbreitet, die von uber 2000 Zuhoerern (das sind fast 5% unserer Praelatur) dankbar angenommen wurden. Die Pandemie hat naemlich viel Angst, Stress und Depression erzeugt, da braucht man auch emotionale Hilfe, sowohl spiritueller als auch psychologischer Art.

Wir sind gerade in der Endphase der Stichwahl im Praesidentschaftswahlkampf. Waren es im ersten Wahlgang 15 Kandidaten so sind es in der Stichwahl nur die beiden mit den meisten Stimmen: Pedro Castillo, ein linker Gewerkschafts- und Bauernfuehrer gegen Keiko Fujimori, Tochter des Diktators der 90er Jahre, Alberto Fujimori, der im Gefaengnis sitzt. Peru zeigt sich in seiner ganzen Zersplittertheit: Waehrend Lima und die Reichen weitgehend fuer Fujimori stimmen werden, hat Pedro Castillo seine Anhaenger unter den Armen und in der Provinz. Es ist schwer zu sagen, was fuer das Land besser sein wird, beide Parteien sind eher antidemokratisch und mit Korruption vertraut, wirtschaftlich gesehen ist die doch sehr marxistisch inspirierte Partei Castillos eher die groessere Gefahr. Ich kann mich wie viele hier bisher noch nicht durchringen, am naechsten Sonntag einem dieser Kandidaten meine Stimme zu geben.

Trotz allem geben wir die Hoffnung nicht auf. Peru wird auferstehen, der Heilige Geist wird uns zeigen wann und wie.

Ich hoffe im Juni geimpft zu werden. Vielleicht mache ich dann im August/September noch eine Reise nach Deutschland oder ich verschiebe sie doch auf 2021.

Meine viele freie Zeit habe ich seit August letzten Jahres fuer insgesamt 3 monatliche Fernstudien eingesetzt ueber so unterschiedliche Themen wie “Katholischer Feminismus”, “Missionstheologie” und “Kirchenrecht”. War sehr interessant.



Am 9. Abril wurden 4  Priesteramtskandidaten zu Diakonen geweiht. Nach 6 Jahren Pause ist das ein Zuwachs unseres Klerus um 20%. Ein relativ junger Priester schied allerdings Anfang des Jahres aus dem Dienst aus.

Am 13. Mai haben die Seelsorgeschwestern von Caraveli (MJVV) eine weitere Pfarrei (Incuyo) uebertragen bekommen. Nun sind schon 4 Pfarreien der Praelatur Schwestern anvertraut worden. Pfarrer kann ich sie nicht ernennen, nach gueltigem Kirchenrecht, aber sie haben alle Rechte und Pflichten eines Pfarrers uebertragen bekommen, ausser Beichte und Messfeier. Die Schwestern halten ihre Wortgottesdienste, hin und wieder wird auf Bitten der Glaeubigen dann mal ein Nachbar-Pfarrer eingeflogen.

Eine grosse Freude ist es mir, dass seit diesem Jahr in insgesamt 7 Pfarreien die Familienkatechese wieder angefangen hat. Vor 2 Jahren waren es nur 3 Pfarreien. In der Familienkatechese bereiten die Eltern ihre Kinder auf die Erstkommunion vor, in einem 2 jaehrigen Glaubenskurs. Das Material erhalten sie digital zugeschickt und je nach Moeglichkeit wird es den Eltern ueber Zoom oder einfach nur Telefonanruf erklaert. Leider ist in den eher laendlichen Bereichen das Internet nicht ausreichend. Ich bin inzwischen auf Nationalebene fuer die Familienkatechese zustaendig, habe aber ein gutes Team dafuer in Lima.

Irgendwie gefaellt mir die digitale Welt. Ich mache kaum noch Reisen und bin richtig haeuslich geworden. Jetzt habe ich sogar reinen Hund und eine Katze im Haushalt. Mein Hund hat einen Namen auf Quechua bekommen, in der Sprache der Inkas heisst das soviel wie “Schoener” oder “Bello”.

Ihnen/Euch allen herzlichen Dank fuer Eure Anteilnahme. Bleibt gesund und lebt im Vertrauen auf Gott in dieser komplizierten Zeit. Am heutigen 34. Jahrestag meiner Priesterweihe, euch/Ihnen allen ein herzlicher Segensgruss

Ihr/Euer Bruder Bischof                                               Reinhold Nann, Caravelí/Perú.

 

r.nann@web.de www.reinholdnann.blogspot.com

Fuer Steuerbescheinigungen Spende an Adveniat mit Vermerk: Praelatur Caraveli/Peru:

IBAN DE03 3606 0295 0000 0173 45

viernes, 30 de octubre de 2020

Wenn Kirche aufersteht


Den verzweifelten Frauen vor dem Grab Jesu sagte der Engel “Freut euch!”. Wahrscheinlich glaubten sie sich verhoert zu haben, worueber sollten sie sich freuen, wo Jesús doch schon 2 Tage tot war?

In den 24 Jahren in denen ich in Peru als Seelsorger arbeite, ist mir das zweimal ganz deutlich passiert: eine totgeglaubte Kirche ersteht aus ihren Truemmern…

Das erste Mal war 1992: Inmitten des Terrorismus der spaeter auch 3 Maertyrer zur Seligsprechung fuerte und 60.000 Todesopfer forderte, wo in meiner Vorstadtpfarrei mehrere Zonen von Terrorgruppen kontrolliert waren und ich als Priester nur mit “Genehmigung” alle paar Monate Eintritt hatte, wurden ueberraschenderweise die Raedelsfuehrer festgenommen. Der Mythos war gebrochen, die Angst der Bevoelkerung war weg. Die Menschen bauten Kapellen aus Bastmatten und es brach so etwas wie ein kirchlicher Fruehling an, eine wunderbare Aufbruchszeit. Der Aufbruch war gekennzeichnet von Gebet und Suppenkuechen fuer die Aermsten, viele fanden wieder zu Gott und zur Kirche. 

Das zweite Mal findet gerade jetzt statt. Perú als Schwellenland wurde hart von der Coronakrise getroffen. Dabei hatte die Regierung zunaechst alles richtig gemacht. Schon eine Woche nach dem Auftauchen des ersten Falles wurde eine totale Quarentaene ueber das ganze Land verhaengt. Sie hat auch ungefaehr 2 Wochen funktioniert. Doch dann waren die Ersparnisse der Armen verbraucht. Viele Tageloehner und Scheinselbststaendige muessten ohne Arbeit verhungern, also mussten sie hinaus auf die Strasse um Arbeit zu suchen aber auch sich dem Virus auszusetzen. Dazu kamen enge Wohnverhaeltnisse und ein immer schon defizientes Gesundheitssystem: Es gab damals gerade mal 100 Betten auf Intensivstation – landesweit. Bald wurde auch der medizinische Sauerstoff knapp. Peru hat inzwischen ueber 70.000 Coronatote- mehr als zu Zeiten des Terrorismus. Fast jeder hat einen Verwandten oder Freund, der starb.

Die Kirchen sind geschlossen, nun schon ueber 6 Monate lang. Zunaechst war das auch fuer die Kirche ein Schock, ohne Gottesdienste keine Einnahmen fuer die Pfarrer. Manche haben ernsthaft um ihr Ueberleben gefuerchtet. Die Rettung war Facebook: Ab der ersten Woche haben alle Pfarreien ihre Gottesdienste im sozialen Netzwerk uebertragen. Die Menschen haben ihre Fuerbitten als Kommentare abgegeben und nach ca. 1 Monat auch an das Bankkonto des Pfarrers bezahlt. Inzwischen feiern wir etwa doppelt soviele Messen online als frueher mit Beteiligung der Glaeubigen. Und die Teilnehmer an den virtuellen Messen duerften mindestens dreimal soviel sein.

Vom ersten Moment an war Caritas ein wichtiges Element. Sie konnte Unternehmen und Einzelpersonen im In- und Ausland zu Spenden aufrufen und ueber ihre Pfarrcaritasgruppen direkt bei den Beduerftigsten Lebensmittel und Hygienekits verteilen. Der Erzbischof von Lima meinte treffend: Meine Kathedrale ist jetzt Caritas. In den letzten zwei Wochen gehen die Zahlen der Neuinfizierten und der Toten langsam zurueck. In den meisten Teilen des Landes sind ueber 30% der Bevoelkerung bereits infiziert, in der Urwaldstatt Iquitos sind es ca. 80%, was einer Herdeninmunitaet gleichkommt.

Unser Kardinal Pedro Barreto hat vor einem Monat die Aktion “Peru steht auf – jetzt” gestartet. Wissenschaftler und verschiedene Glaubensbekenntnisse, Unternehmer und Basisorganisationen tun sich zusammen um gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus zu kaempfen. Das ist eine Kirche die nicht um sich selbst kreist sondern wie ein Feldlazarett sich um die Verwundeten dieser Welt kuemmert. Das bringt ihr nicht nur Achtung ein, sondern aktive Mitarbeit. Die Kirche nach der Pandemíe wird eine solidarische Kirche sein, oder sie wird nicht sein. Das Entscheidende ist: In der Dunkelheit nicht jammern, sondern an die Auferstehung glauben. Gott handelt in seiner Kirche auch heute, wenn wir aufmerksam dafuer sind und bereitwillig mittun.

Selbst die Natur erholte sich waehrend der Quaraentaene: Die Luft in den grossen Staedten wurde sauber, Zugvoegel und andere Tierarten hatten mehr Lebensraum.

Auch die Schoenstattfamilie in Peru ist aktiv. Es gibt Facebookmessen aus dem Heiligtum, Rosenkranzgebet vom Hausheiligtum, uebertragen und mitgebetet von Hunderten von Familien, Gruppentreffen per Zoom und Untertuetzung von Armenspeisungen.

Auch die deutsche Kirche ist an dieser peruanischen Auferstehung mitbeteiligt. Fuer meine Praelatur habe ich Hilfe von Adveniat, Misereor und vielen, vielen Freunden und Einzelspendern erhalten. Herzlichen Dank dafuer.

Mitten im Dunkel ist das Licht der Auferstehung bereits sichtbar.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

(Dieser Artikel von mir erschien in der Zeitschrift "Basis" vom November 2020)

jueves, 27 de agosto de 2020

Der Virus der Solidaritaet laesst uns auferstehen

 


Teile Perus sind seit ueber 5 Monaten in Quaraentaene. Dies hat dem maroden oeffentlichen Gesundheitssystem Zeit gegeben, die Zahl der Betten der Intensivastationen zu verzehnfachen. Dennoch reicht es nicht. Es fehlt an Betten, an medizinischem Sauerstoff, an Personal. Die Ansteckungszahlen und die Todesfaelle sind in die Hoehe geschnellt. Die Armen, die schon bisher keinen festen Arbeitsplatz hatten, haben keine Wahl: entweder bleiben sie zu Hause und verhungern, oder sie gehen auf der Strasse arbeiten und stecken sich an. Der Staat war unfaehig, diesen fast 70% der Bevoelkerung eine Grundversorgung zukommen zu lassen. Und die offizielle Wirtschaft ist ebenso kollabiert.

Caritas Peru ist zu einem Hoffnungstraeger geworden. Ohne Unterstuetzung der Regierung hat sie durch lokale und internationale Spenden schnell viele Projekte ueber die einzelnen Pfarreicaritasgruppen abwickeln koennen. Es entstanden wieder selbstorganisierte Suppenkuechen, Lebensmittelpakete werden verteilt, und kleine und grosse Sauerstoffgeraete wurden landesweit angeschafft. In meiner eher laendlichen Praelatur konnten bisher 3000 Familien mit Lebensmitteln  ueber Caritas unterstuetzt werden, und 5 staatliche Gesundheitsposten erhalten ein Sauerstoffgeraet. Im Moment startet die Bischofskonferenz gerade das Programm “Auferstehung – Perú – Jetzt”.

Herzlichen Dank allen Spendern.

Caravelí, 27.08.20            Reinhold Nann, Bischof von Caravelí/Perú

viernes, 7 de agosto de 2020

Zwischenbericht von Caritas Caravelí vom 31.07.20

 

Herzlichen Dank an alle Spender. Eure rasche und grosszuegige Reaktion auf meinen letzten Rundbrief hat Hungrige gespeist und Hoffnung geweckt.

Caritas Caravelí informiert:

Bis 31 Juli 2020 hat Caritas Caraveli 19 seiner 22 Pfarreien unterstuetzt. Die 19 Pfarreicaritasgruppen haben folgendes geleistet:

2989 Familien haben Lebensmittelpakete im Wert von ca. 50.000 Euro erhalten.

1660 Familien haben Schutz-Kits erhalten (Masken und Desinfektionsmittel). Hunderte von Gesichtsmasken wurden von Ordensschwestern nach Anweisung selbst genaeht.

Die Hilfe war moeglich dank 242 Einzelspenden aus Deutschland, von Caritas Perú und 2 lokaler Unternehmen. Eure Solidaritaet laesst Menschen leben. Danke.

Unsere Hilfe geht weiter mindestens bis zum Dezember. Wir werden ab sofort auch mit medizinischem Sauerstoff helfen.

miércoles, 29 de julio de 2020

Bloss keine pastorale Umkehr - Zur neuen Pfarrei-Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation


Bloss keine pastorale Umkehr – Zur neuen Pfarrei-Instruktion der Kleruskongregation
Als deutscher Bischof im Ausland bin ich verwundert ueber die aufgeregte und voreilige Reaktion einiger meiner Kollegen in Deutschland. Als ich noch Student und dann Priester in der Erzdioezese Freiburg war, hatte ich nach vatikanischen Publikationen auch meist nach Asterix-Manier reagiert: “Die spinnen, die Roemer”. Nach 24 Priester- und 3 Bischofs-jahren am “Ende der Welt”, sehe ich die Dinge etwas gelassener: Roemische Verlautbarungen sind nicht nur fuer mich, sondern fuer ganz unterschiedliche Kirchen in weit ueber  hundert Bischofskonferenzen geschrieben. Dass man die nicht alle vorher konsultieren kann und dass der gesamte Text nicht fuer alle gleich zutrifft, liegt eigentlich auf der Hand.
Die Instruktion der Kleruskongregation ist keineswegs nur fuer Deutschland geschrieben. So wird ausfuehrlich auf die notwendige Mitarbeit der Laien in Pfarrgemeinde- und Stiftungsraeten hingewiesen, sowie auf einen transparenteren und weniger kommerziellen Umgang mit Finanazen allgemein sowie Messstipendien im Besonderen. Das ist eine Gewissenserforschung fuer die Lateinamerikanische Kirche, die Deutsche hat hier ihre Hausaufgaben laengst gemacht.
Deutsche Bischoefe fuehlen sich wahrscheinlich zu Recht in den Kapiteln 6-8 (von 11) angesprochen, wo auch ausfuehrlich auf die Seelsorgeeinheiten und Grosspfarreien eingegangen wird. Dabei scheint es ein Missverstaendnis zu geben: Es geht der Kleruskongregation nicht um eine weitere Klerikalisierung der Kirche sondern im Gegenteil um eine staerkere Mitbeteiligung der Laien. Da wird naemlich das Phaenomen in den Blick genommen, dass Ordinariate gerne am gruenen Tisch neue Riesenpfarreien bilden wollen, ohne auf die Gefuehle der betroffenen Menschen zu achten (Nr 36). Mir scheint es durchaus angebracht zu sein, Pfarreien nur im konkreten Einzelfall aufzuloesen und nicht die Laien in den Pfarreien mit dem schon beschlossenen Pastoralkonzept vor den Kopf zu stossen. Letzlich wird man natuerlich an einer Zusammenlegung nicht vorbeikommen, aber wenn Rom hier ein stufenweises und schonendes Vorgehen anmahnt, macht sich die roemische Behoerde geradezu zum Anwalt der Laien in den Gemeinden. Kritisiert werden hier die oft abgehobenen Verwaltungsplaner in den Ordinariaten.
Die durchaus noetigen Strukturveraenderungen in der deutschen Pfarreienlandschaft werden durch das Papier zeitaufwaendiger in der Durchfuehrung (im Einzelfall und nicht nach Schema F), aber auch kundenfreundlicher. Kichenrechtler werden mehr zu tun haben, dies alles richtig auszudruecken, aber verunmoeglicht werden die neuen Strukturen nicht. Die Leitungsgewalt einer Pfarrei hat nach Kirchenrecht immer ein Pfarrer inne, da ist nichts zu machen. Aber wenn die Pfarreien so gross werden wie geplant, dann muss es in dieser Pfarrei Unterstrukturen geben. Im personellen Sinne sind dies Gemeinden, im raeumlichen Sinne sind es Pfarrzentren. Beide Einheiten koennen durchaus von Laien geleitet werden. So ist das hier in Peru. Pfarreien werden immer von Pfarrern geleitet, deswegen habe ich nur 22 in meiner Praelatur. Aber die Vorsteher der Gemeinden in den ueber 500 Doerfern sind selbstverstaendlich Laien, Katechisten nennen wir sie. Wegen Priestermangels sind einige Pfarreien auch Ordensschwestern “anvertraut”, ich darf sie halt nur nicht “Pfarrerinnen” nennen. Hier zaehlt sowieso kaum, was auf dem Papier steht, das Entscheidende ist eher die reale Ausuebung.
Fuer mich ist die vatikanische Instruktion hilfreich. In einem Arbeitspapier habe ich ihre wichtigsten Impulse fuer uns zusammengefasst und werde sie in den Versammlungen der Pfarrer, Ordensschwestern und Katechisten besprechen. Die “pastorale Bekehrung”, die Papst Franziskus bereits in Evangelii Guadium eingefordert hat, wird nun noch etwas konkreter. Fuer uns heisst das: Pfarrer muessen in ihrer Verwaltung transparenter werden und Laien konsequenter in Pastoral und Verwaltung einbinden. Mit Sakramentenspendung darf nicht “gehandelt” werden. Wir haben da noch manche Bekehrung vor uns und lassen uns dazu ehrlich von dem Text anregen.
Der Hintergrund des Problems ist fuer mich folgender: Die Deutsche Kirche und zum Teil auch einige andere europaeische Kirchen sind Beamtenkirchen. Sie besteht aus haupt-amtlichen Priestern und Laien und neben-amtlichen Laien. Wer in dieser Kirche etwas will ist ein Bittsteller, der seinen Antrag ans Amt stellen muss, der dann je nach Moeglichkeit gewaehrt wird. Der groesste Teil der Weltkirche ist dagegen eine Servicekirche. Sie bietet Sakramente wie Dienstleistungen an. Pfarrer halten hier gerne mehr als 4 Messen am Sonntag, wenn die Messe denn gut bezahlt wird. Das kaeme einem deutschen Beamtenpfarrer mit festem Gehalt natuerlich nie in den Sinn. Ein Pfarrer in Peru nimmt gerne noch eine Pfarrei dazu, weil ihm das mehr Einnahmen bringt. Er gibt dann auch gerne alles an Laien ab, was ihm keine finanziellen Einnahmen bringt. Ich halte beide Extreme fuer nicht gut. Und ich sehe in der Instruktion in Rom eine gute Anregung, beide Modelle noch einmal zu uberdenken. Deutschland ist viel zu sehr im Kirchensteuer und Beamtenmodell verstrickt, um echte Veraenderungen zuzulassen. Nirgendwo auf der Welt gibt es 200.000 “Kirchenaustritte” pro Jahr wie in Deutschland. Das liegt natuerlich auch an der Kirchensteuer. Aber es zeigt auch, dass das Kirchenmodell ausgedient hat. Bei solchen Austrittszahlen zu behaupten, die deutsche Kirche sei schon genuegend missionarisch ausgrichtet, halte ich fuer betriebsblinde Schoenrednerei. Natuerlich gibt es Veraenderungsbedarf in Deutschalnd. Und die Warnung aus Rom trifft auf einen wunden Punkt. Man will nur Verwaltungs-Strukturen veraendern, aber die alte Beamtenmentalitaet unangetastet lassen. Anstatt die neue Instruktion nur abzulehnen, taete es der deutschen Kirche gut, die Herausforderungen darin ernsthaft anzunehmen. Das waere ein Schritt zur “pastoralen Umkehr”.
Caraveli, 29.07.20            Reinhold Nann

martes, 12 de mayo de 2020

Erzbischof Viganó, gewaehlter Gegenpapst einer schismatischen Kirche, schlug wieder zu


Erzbischof Viganó ist eigentlich kein Unbekannter. Vor zwei Jahren war er der einzige Bischof, der Papst Franziskus in einem Brief oeffentlich zum Ruecktritt aufforderte, weil er angeblich gelogen und vertuscht habe. Er war wohl gekraenkt, weil er als ehemaliger Nuntius von Washington nicht weiter im vatikanischen Staatssekretariat arbeiten durfte.

Nun hat er ein “Manifest” zur Coronakrise geschrieben, in dem er die Kirche wehrlos staatlicher und internationaler Willkuer und Verschwoerung ausgeliefert sieht. Dieses wurde auch von den Kardinaelen Mueller und Sarah mitunterzeichnet, wobei letzterer seine Unterschrift wieder zurueckzog. Allerdings hatte Viganó seine Telefongespraeche mit ihm aufgezeichnet und zeigte, dass er sehr wohl mit dem Text einverstanden war. Die deutsche Bischofskonferenz hat sich inzwischen oeffentlich von Mueller distanziert, was ich sehr gut finde.

Nun habe ich gestern ein e-mail bekommen, von einem “Katholisch-Byzanthinischen Patriarchat”  http://vkpatriarhat.org/es/ Darin wird auf 4 Seiten begruendet, warum Kardinal Mueller ein Haeretiker sei: Er wuerde angeblich die Auferstehung Jesu leugnen. Aber noch viel interessanter, war die Homepage dieses nicht zur roemisch katholischen Kirche gehoerenden und wahrscheinlich nur virtuell existierenden “Patriarchats”:

-          “Patriarch Elias” hat darin bereits schon Papst Johannes Paul II exkomuniziert, und den roemischen Bischofsstuhl fuer vakant erklaert, weil dieser zum interreligioesen Gebet in Asissi einlud.

-          Und am 14.10.2019 wurden nun auch Papst Franziskus und alle Teilnehmer der Amazonassynode, inclusive Kardinal Sarah, von diesem selbsternannten Patriarchen und seiner “Synode” exkommuniziert. Und da der Stuhl Petri ja immer noch vakant war, wurde an diesem Tag von der Synode dieses “Patriarchats” auch gleich noch ein neuer Papst gewaehlt: Und wer war es bitte: Kein geringerer als Erzbischof Viganó. Leider ist nicht bekannt, ob dieser die Wahl angenommen hat.

-          Selbstverstaendlich wird auf dieser Homepage auch das Manifest Viganós erwaehnt, und zwar als in direkter Opposition zu Franziskus stehend.

Das lustige ist nur, dass dieses Manifest Viganós (der Papst des “Patriarchats”) ja auch von Mueller und Sarah unterschrieben wurde, obwohl diese doch vom Patriarchat bereits exkommuniziert waren. Die Kontakte der beiden Kardinaele zu Sedisvakanz-Gruppen scheinen zumindest wiederspruechlich zu sein.  

Tja, diejenigen die immer vor einer Spaltung in der Kirche gewarnt haben, haben sich laengst in sich aufgespalten. Das ist gut fuer Papst Franziskus und gut fuer die katholische Kirche.