miércoles, 16 de junio de 2021

 


Wahl- Kampf der Kulturen

Wie vor mehr als 500 Jahren prallten im Mai/Juni 2021 in Perú 2 Kulturen aufeinander: die westlich-Rationale auf die andin-Magische. Und wie es Stichwahlen so an sich haben: das Land spaltete sich in 2 Teile: Auf der einen Seite steht Keiko Fujimori mit der diktatorialen Vergangenheit ihres inhaftierten Vaters.  Sie konnte fast die gesamte Ober und Mittelschicht vor allem in Lima und in den Kuestenstaedten hinter sich bringen. Ihr gegenueber steht Pedro Castillo, ein Gewerkschaftsfuehrer und Lehrer im Hinterland, der immer mit dem typischen Hut der andinen Bevoelkerung auftrat und die Ausrottung der Armut versprach. In seinem Wahlprogramm wird der Marxismus-Leninismus als Basis genannt.

Kardinal Pedro Barreto und Buergerrechtsorganisationen  hatten kurz vor der Sichwahl beide Kandidaten zum Unterschreiben einer Buergerrechtserklaerung gebracht, auf der sie sich zum Einhalten grundsaetzlicher demokratischer Regeln verpflichteten. Diese Selbstverpflichtungen koennen nun nach der Wahl vom Gewinner eingefordert werden. Die Bischofskonferenz hat sich neutral verhalten, waehrend einzelne Bischoefe und Priester und auch evangelische Prediger sich doch sehr dezidiert in den angeblichen “Kampf gegen den Komunismus” einspannen liessen.

Am 6. Juni war Wahltag. Wie im Krimi war lange unklar wer gewinnen wuerde. Nach ueber einer Woche und Auszehlung von 100% der Stimmen liegt nun Castillo mit 50,125% vorne. Aber Fujimori gab nicht auf. Mit 500 Anwaelten wurden ganze Wahllokale beanstandet, und nun muss das oberste Wahlgericht ueber hunderte von Antraegen (mit ca 200.000 Stimmen) einzeln entscheiden. Inzwischen werden die Leute auf der Strasse ungeduldig: Die Armen glauben, dass man ihre Stimmen annulieren will und die Reichen verteidigen in grossen Aufmaerschen die “Demokratie” oder auch nur den eigenen Geldbeutel gegen den “Kommunismus”. Es sieht sehr nach dem letzten Zappeln eines toten Fisches aus, aber dahinter koennte auch die Strategie stehen, dass nur ein Militaerputsch das Chaos der Strasse beenden wuerde.

Ich bin von keinem der beiden Kandidaten ueberzeugt. Aber in einer Demokratie muss die Entscheidung der Mehrheit respektiert werden und in meiner Praelatur (Arequipa/Ayacucho) haben ueber 80% Castillo gewaehlt. Jetzt ist es wichtig, die Wahlpolemik erstmal abzulegen und zum Wohl aller miteinander zu reden. Vielleicht ist es doch moeglich sich ueber einige Punkte der Pandemie- und Armutsbekaempfung einig zu werden. Pedro Castillo hat im Parlament nur eine kleine Minderheit hinter sich, die nicht ausreicht eine jederzeit moegliche Amtsenthebung zu verhindern. Wenn er sich nicht der demokratischen Mitte annaehert, werden wir ihn wahscheinlich nicht allzu lange als Praesident haben.

lunes, 31 de mayo de 2021

Rundbrief 33 vom 31. Mai 2021

 Liebe Freunde in Deutschland,

Nun sind wir schon im zweiten Covid Jahr. Die Impfung lauft langsam an in Perú, bisher sind ca. Eine Million Menschen mit beiden Dosen geimpft worden, vor allem medizinisches Personal und die ueber 80 Jaehrigen. Diese schauen allerding in der Provinz Caraveli weiterhin in die Roehre, zu uns sind bisher noch keine Impfstoffe gekommen, irgendwie scheint es mit der Verteilung nicht zu klappen.

Die Praelatur Caraveli hat dank der Unterstuetzung deutscher Spender in dieser Zeit vor allem Lebensmittelhilfe geleistet. Es gibt weiterhin 5 Armenkuechen, fuer die Alten und Arbeitslos-Gewordenen. Daneben hat Caritas Caraveli auch Sauerstoffflaschen und kleine Sauerstoff produzierende Geraete erworben, die von den Pfarreien direkt an die Patienten verliehen werden. Medizinischer Sauerstoff ist weiterhin ein knappes Gut, obwohl die Kirche zusammen mit Buerger- und Unternehmerinitiativen ca. 40 grosse Sauerstoffanlagen erworben hat.

In Caraveli haben wir lange unsere Sauerstofflaschen im 3 Stunden entfernten Camaná aufgefuellt. Nachdem aber die beiden Anlagen dort an ihre Produktionsgrenze stossen und es hier Engpaesse in der Versorgung gibt, haben auch wir beschlossen, eine solche Anlage anzuschaffen. Der Buergermeister und Buergervetreter von Caravelí haben sofort die Praelatur gebeten, hier aktiv mitzuarbeiten, was wir auch sofort getan haben.

Die Anlage, die ca. 30 Sauestoffflaschen taeglich fuellen kann, kostet 100.000 US-Dollar. Sowohl die oertlichen Unternehmer, Verwandte und Freunde in Lima als auch die Pfarrei und die Praelatur werden dafuer ihren Beitrag leisten. Alle Spenden von Ihnen/Euch die von Abril bis Juni dieses Jahres eintreffen, werden ebenfalls dafuer eingesetzt.

Daneben haben wir in diesem Jahr eine Kampagne zur psychischen Gesundheit gestartet, die vor allem unsere Pfarrschulen, die Religionslehrer aber auch viele andere Familien erreicht hat. Ueber Zoom und Facebook haben wir 8 Vortraege von Psychologinnen verbreitet, die von uber 2000 Zuhoerern (das sind fast 5% unserer Praelatur) dankbar angenommen wurden. Die Pandemie hat naemlich viel Angst, Stress und Depression erzeugt, da braucht man auch emotionale Hilfe, sowohl spiritueller als auch psychologischer Art.

Wir sind gerade in der Endphase der Stichwahl im Praesidentschaftswahlkampf. Waren es im ersten Wahlgang 15 Kandidaten so sind es in der Stichwahl nur die beiden mit den meisten Stimmen: Pedro Castillo, ein linker Gewerkschafts- und Bauernfuehrer gegen Keiko Fujimori, Tochter des Diktators der 90er Jahre, Alberto Fujimori, der im Gefaengnis sitzt. Peru zeigt sich in seiner ganzen Zersplittertheit: Waehrend Lima und die Reichen weitgehend fuer Fujimori stimmen werden, hat Pedro Castillo seine Anhaenger unter den Armen und in der Provinz. Es ist schwer zu sagen, was fuer das Land besser sein wird, beide Parteien sind eher antidemokratisch und mit Korruption vertraut, wirtschaftlich gesehen ist die doch sehr marxistisch inspirierte Partei Castillos eher die groessere Gefahr. Ich kann mich wie viele hier bisher noch nicht durchringen, am naechsten Sonntag einem dieser Kandidaten meine Stimme zu geben.

Trotz allem geben wir die Hoffnung nicht auf. Peru wird auferstehen, der Heilige Geist wird uns zeigen wann und wie.

Ich hoffe im Juni geimpft zu werden. Vielleicht mache ich dann im August/September noch eine Reise nach Deutschland oder ich verschiebe sie doch auf 2021.

Meine viele freie Zeit habe ich seit August letzten Jahres fuer insgesamt 3 monatliche Fernstudien eingesetzt ueber so unterschiedliche Themen wie “Katholischer Feminismus”, “Missionstheologie” und “Kirchenrecht”. War sehr interessant.



Am 9. Abril wurden 4  Priesteramtskandidaten zu Diakonen geweiht. Nach 6 Jahren Pause ist das ein Zuwachs unseres Klerus um 20%. Ein relativ junger Priester schied allerdings Anfang des Jahres aus dem Dienst aus.

Am 13. Mai haben die Seelsorgeschwestern von Caraveli (MJVV) eine weitere Pfarrei (Incuyo) uebertragen bekommen. Nun sind schon 4 Pfarreien der Praelatur Schwestern anvertraut worden. Pfarrer kann ich sie nicht ernennen, nach gueltigem Kirchenrecht, aber sie haben alle Rechte und Pflichten eines Pfarrers uebertragen bekommen, ausser Beichte und Messfeier. Die Schwestern halten ihre Wortgottesdienste, hin und wieder wird auf Bitten der Glaeubigen dann mal ein Nachbar-Pfarrer eingeflogen.

Eine grosse Freude ist es mir, dass seit diesem Jahr in insgesamt 7 Pfarreien die Familienkatechese wieder angefangen hat. Vor 2 Jahren waren es nur 3 Pfarreien. In der Familienkatechese bereiten die Eltern ihre Kinder auf die Erstkommunion vor, in einem 2 jaehrigen Glaubenskurs. Das Material erhalten sie digital zugeschickt und je nach Moeglichkeit wird es den Eltern ueber Zoom oder einfach nur Telefonanruf erklaert. Leider ist in den eher laendlichen Bereichen das Internet nicht ausreichend. Ich bin inzwischen auf Nationalebene fuer die Familienkatechese zustaendig, habe aber ein gutes Team dafuer in Lima.

Irgendwie gefaellt mir die digitale Welt. Ich mache kaum noch Reisen und bin richtig haeuslich geworden. Jetzt habe ich sogar reinen Hund und eine Katze im Haushalt. Mein Hund hat einen Namen auf Quechua bekommen, in der Sprache der Inkas heisst das soviel wie “Schoener” oder “Bello”.

Ihnen/Euch allen herzlichen Dank fuer Eure Anteilnahme. Bleibt gesund und lebt im Vertrauen auf Gott in dieser komplizierten Zeit. Am heutigen 34. Jahrestag meiner Priesterweihe, euch/Ihnen allen ein herzlicher Segensgruss

Ihr/Euer Bruder Bischof                                               Reinhold Nann, Caravelí/Perú.

 

r.nann@web.de www.reinholdnann.blogspot.com

Fuer Steuerbescheinigungen Spende an Adveniat mit Vermerk: Praelatur Caraveli/Peru:

IBAN DE03 3606 0295 0000 0173 45

viernes, 30 de octubre de 2020

Wenn Kirche aufersteht


Den verzweifelten Frauen vor dem Grab Jesu sagte der Engel “Freut euch!”. Wahrscheinlich glaubten sie sich verhoert zu haben, worueber sollten sie sich freuen, wo Jesús doch schon 2 Tage tot war?

In den 24 Jahren in denen ich in Peru als Seelsorger arbeite, ist mir das zweimal ganz deutlich passiert: eine totgeglaubte Kirche ersteht aus ihren Truemmern…

Das erste Mal war 1992: Inmitten des Terrorismus der spaeter auch 3 Maertyrer zur Seligsprechung fuerte und 60.000 Todesopfer forderte, wo in meiner Vorstadtpfarrei mehrere Zonen von Terrorgruppen kontrolliert waren und ich als Priester nur mit “Genehmigung” alle paar Monate Eintritt hatte, wurden ueberraschenderweise die Raedelsfuehrer festgenommen. Der Mythos war gebrochen, die Angst der Bevoelkerung war weg. Die Menschen bauten Kapellen aus Bastmatten und es brach so etwas wie ein kirchlicher Fruehling an, eine wunderbare Aufbruchszeit. Der Aufbruch war gekennzeichnet von Gebet und Suppenkuechen fuer die Aermsten, viele fanden wieder zu Gott und zur Kirche. 

Das zweite Mal findet gerade jetzt statt. Perú als Schwellenland wurde hart von der Coronakrise getroffen. Dabei hatte die Regierung zunaechst alles richtig gemacht. Schon eine Woche nach dem Auftauchen des ersten Falles wurde eine totale Quarentaene ueber das ganze Land verhaengt. Sie hat auch ungefaehr 2 Wochen funktioniert. Doch dann waren die Ersparnisse der Armen verbraucht. Viele Tageloehner und Scheinselbststaendige muessten ohne Arbeit verhungern, also mussten sie hinaus auf die Strasse um Arbeit zu suchen aber auch sich dem Virus auszusetzen. Dazu kamen enge Wohnverhaeltnisse und ein immer schon defizientes Gesundheitssystem: Es gab damals gerade mal 100 Betten auf Intensivstation – landesweit. Bald wurde auch der medizinische Sauerstoff knapp. Peru hat inzwischen ueber 70.000 Coronatote- mehr als zu Zeiten des Terrorismus. Fast jeder hat einen Verwandten oder Freund, der starb.

Die Kirchen sind geschlossen, nun schon ueber 6 Monate lang. Zunaechst war das auch fuer die Kirche ein Schock, ohne Gottesdienste keine Einnahmen fuer die Pfarrer. Manche haben ernsthaft um ihr Ueberleben gefuerchtet. Die Rettung war Facebook: Ab der ersten Woche haben alle Pfarreien ihre Gottesdienste im sozialen Netzwerk uebertragen. Die Menschen haben ihre Fuerbitten als Kommentare abgegeben und nach ca. 1 Monat auch an das Bankkonto des Pfarrers bezahlt. Inzwischen feiern wir etwa doppelt soviele Messen online als frueher mit Beteiligung der Glaeubigen. Und die Teilnehmer an den virtuellen Messen duerften mindestens dreimal soviel sein.

Vom ersten Moment an war Caritas ein wichtiges Element. Sie konnte Unternehmen und Einzelpersonen im In- und Ausland zu Spenden aufrufen und ueber ihre Pfarrcaritasgruppen direkt bei den Beduerftigsten Lebensmittel und Hygienekits verteilen. Der Erzbischof von Lima meinte treffend: Meine Kathedrale ist jetzt Caritas. In den letzten zwei Wochen gehen die Zahlen der Neuinfizierten und der Toten langsam zurueck. In den meisten Teilen des Landes sind ueber 30% der Bevoelkerung bereits infiziert, in der Urwaldstatt Iquitos sind es ca. 80%, was einer Herdeninmunitaet gleichkommt.

Unser Kardinal Pedro Barreto hat vor einem Monat die Aktion “Peru steht auf – jetzt” gestartet. Wissenschaftler und verschiedene Glaubensbekenntnisse, Unternehmer und Basisorganisationen tun sich zusammen um gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus zu kaempfen. Das ist eine Kirche die nicht um sich selbst kreist sondern wie ein Feldlazarett sich um die Verwundeten dieser Welt kuemmert. Das bringt ihr nicht nur Achtung ein, sondern aktive Mitarbeit. Die Kirche nach der Pandemíe wird eine solidarische Kirche sein, oder sie wird nicht sein. Das Entscheidende ist: In der Dunkelheit nicht jammern, sondern an die Auferstehung glauben. Gott handelt in seiner Kirche auch heute, wenn wir aufmerksam dafuer sind und bereitwillig mittun.

Selbst die Natur erholte sich waehrend der Quaraentaene: Die Luft in den grossen Staedten wurde sauber, Zugvoegel und andere Tierarten hatten mehr Lebensraum.

Auch die Schoenstattfamilie in Peru ist aktiv. Es gibt Facebookmessen aus dem Heiligtum, Rosenkranzgebet vom Hausheiligtum, uebertragen und mitgebetet von Hunderten von Familien, Gruppentreffen per Zoom und Untertuetzung von Armenspeisungen.

Auch die deutsche Kirche ist an dieser peruanischen Auferstehung mitbeteiligt. Fuer meine Praelatur habe ich Hilfe von Adveniat, Misereor und vielen, vielen Freunden und Einzelspendern erhalten. Herzlichen Dank dafuer.

Mitten im Dunkel ist das Licht der Auferstehung bereits sichtbar.

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(Dieser Artikel von mir erschien in der Zeitschrift "Basis" vom November 2020)

jueves, 27 de agosto de 2020

Der Virus der Solidaritaet laesst uns auferstehen

 


Teile Perus sind seit ueber 5 Monaten in Quaraentaene. Dies hat dem maroden oeffentlichen Gesundheitssystem Zeit gegeben, die Zahl der Betten der Intensivastationen zu verzehnfachen. Dennoch reicht es nicht. Es fehlt an Betten, an medizinischem Sauerstoff, an Personal. Die Ansteckungszahlen und die Todesfaelle sind in die Hoehe geschnellt. Die Armen, die schon bisher keinen festen Arbeitsplatz hatten, haben keine Wahl: entweder bleiben sie zu Hause und verhungern, oder sie gehen auf der Strasse arbeiten und stecken sich an. Der Staat war unfaehig, diesen fast 70% der Bevoelkerung eine Grundversorgung zukommen zu lassen. Und die offizielle Wirtschaft ist ebenso kollabiert.

Caritas Peru ist zu einem Hoffnungstraeger geworden. Ohne Unterstuetzung der Regierung hat sie durch lokale und internationale Spenden schnell viele Projekte ueber die einzelnen Pfarreicaritasgruppen abwickeln koennen. Es entstanden wieder selbstorganisierte Suppenkuechen, Lebensmittelpakete werden verteilt, und kleine und grosse Sauerstoffgeraete wurden landesweit angeschafft. In meiner eher laendlichen Praelatur konnten bisher 3000 Familien mit Lebensmitteln  ueber Caritas unterstuetzt werden, und 5 staatliche Gesundheitsposten erhalten ein Sauerstoffgeraet. Im Moment startet die Bischofskonferenz gerade das Programm “Auferstehung – Perú – Jetzt”.

Herzlichen Dank allen Spendern.

Caravelí, 27.08.20            Reinhold Nann, Bischof von Caravelí/Perú

viernes, 7 de agosto de 2020

Zwischenbericht von Caritas Caravelí vom 31.07.20

 

Herzlichen Dank an alle Spender. Eure rasche und grosszuegige Reaktion auf meinen letzten Rundbrief hat Hungrige gespeist und Hoffnung geweckt.

Caritas Caravelí informiert:

Bis 31 Juli 2020 hat Caritas Caraveli 19 seiner 22 Pfarreien unterstuetzt. Die 19 Pfarreicaritasgruppen haben folgendes geleistet:

2989 Familien haben Lebensmittelpakete im Wert von ca. 50.000 Euro erhalten.

1660 Familien haben Schutz-Kits erhalten (Masken und Desinfektionsmittel). Hunderte von Gesichtsmasken wurden von Ordensschwestern nach Anweisung selbst genaeht.

Die Hilfe war moeglich dank 242 Einzelspenden aus Deutschland, von Caritas Perú und 2 lokaler Unternehmen. Eure Solidaritaet laesst Menschen leben. Danke.

Unsere Hilfe geht weiter mindestens bis zum Dezember. Wir werden ab sofort auch mit medizinischem Sauerstoff helfen.

miércoles, 29 de julio de 2020

Bloss keine pastorale Umkehr - Zur neuen Pfarrei-Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation


Bloss keine pastorale Umkehr – Zur neuen Pfarrei-Instruktion der Kleruskongregation
Als deutscher Bischof im Ausland bin ich verwundert ueber die aufgeregte und voreilige Reaktion einiger meiner Kollegen in Deutschland. Als ich noch Student und dann Priester in der Erzdioezese Freiburg war, hatte ich nach vatikanischen Publikationen auch meist nach Asterix-Manier reagiert: “Die spinnen, die Roemer”. Nach 24 Priester- und 3 Bischofs-jahren am “Ende der Welt”, sehe ich die Dinge etwas gelassener: Roemische Verlautbarungen sind nicht nur fuer mich, sondern fuer ganz unterschiedliche Kirchen in weit ueber  hundert Bischofskonferenzen geschrieben. Dass man die nicht alle vorher konsultieren kann und dass der gesamte Text nicht fuer alle gleich zutrifft, liegt eigentlich auf der Hand.
Die Instruktion der Kleruskongregation ist keineswegs nur fuer Deutschland geschrieben. So wird ausfuehrlich auf die notwendige Mitarbeit der Laien in Pfarrgemeinde- und Stiftungsraeten hingewiesen, sowie auf einen transparenteren und weniger kommerziellen Umgang mit Finanazen allgemein sowie Messstipendien im Besonderen. Das ist eine Gewissenserforschung fuer die Lateinamerikanische Kirche, die Deutsche hat hier ihre Hausaufgaben laengst gemacht.
Deutsche Bischoefe fuehlen sich wahrscheinlich zu Recht in den Kapiteln 6-8 (von 11) angesprochen, wo auch ausfuehrlich auf die Seelsorgeeinheiten und Grosspfarreien eingegangen wird. Dabei scheint es ein Missverstaendnis zu geben: Es geht der Kleruskongregation nicht um eine weitere Klerikalisierung der Kirche sondern im Gegenteil um eine staerkere Mitbeteiligung der Laien. Da wird naemlich das Phaenomen in den Blick genommen, dass Ordinariate gerne am gruenen Tisch neue Riesenpfarreien bilden wollen, ohne auf die Gefuehle der betroffenen Menschen zu achten (Nr 36). Mir scheint es durchaus angebracht zu sein, Pfarreien nur im konkreten Einzelfall aufzuloesen und nicht die Laien in den Pfarreien mit dem schon beschlossenen Pastoralkonzept vor den Kopf zu stossen. Letzlich wird man natuerlich an einer Zusammenlegung nicht vorbeikommen, aber wenn Rom hier ein stufenweises und schonendes Vorgehen anmahnt, macht sich die roemische Behoerde geradezu zum Anwalt der Laien in den Gemeinden. Kritisiert werden hier die oft abgehobenen Verwaltungsplaner in den Ordinariaten.
Die durchaus noetigen Strukturveraenderungen in der deutschen Pfarreienlandschaft werden durch das Papier zeitaufwaendiger in der Durchfuehrung (im Einzelfall und nicht nach Schema F), aber auch kundenfreundlicher. Kichenrechtler werden mehr zu tun haben, dies alles richtig auszudruecken, aber verunmoeglicht werden die neuen Strukturen nicht. Die Leitungsgewalt einer Pfarrei hat nach Kirchenrecht immer ein Pfarrer inne, da ist nichts zu machen. Aber wenn die Pfarreien so gross werden wie geplant, dann muss es in dieser Pfarrei Unterstrukturen geben. Im personellen Sinne sind dies Gemeinden, im raeumlichen Sinne sind es Pfarrzentren. Beide Einheiten koennen durchaus von Laien geleitet werden. So ist das hier in Peru. Pfarreien werden immer von Pfarrern geleitet, deswegen habe ich nur 22 in meiner Praelatur. Aber die Vorsteher der Gemeinden in den ueber 500 Doerfern sind selbstverstaendlich Laien, Katechisten nennen wir sie. Wegen Priestermangels sind einige Pfarreien auch Ordensschwestern “anvertraut”, ich darf sie halt nur nicht “Pfarrerinnen” nennen. Hier zaehlt sowieso kaum, was auf dem Papier steht, das Entscheidende ist eher die reale Ausuebung.
Fuer mich ist die vatikanische Instruktion hilfreich. In einem Arbeitspapier habe ich ihre wichtigsten Impulse fuer uns zusammengefasst und werde sie in den Versammlungen der Pfarrer, Ordensschwestern und Katechisten besprechen. Die “pastorale Bekehrung”, die Papst Franziskus bereits in Evangelii Guadium eingefordert hat, wird nun noch etwas konkreter. Fuer uns heisst das: Pfarrer muessen in ihrer Verwaltung transparenter werden und Laien konsequenter in Pastoral und Verwaltung einbinden. Mit Sakramentenspendung darf nicht “gehandelt” werden. Wir haben da noch manche Bekehrung vor uns und lassen uns dazu ehrlich von dem Text anregen.
Der Hintergrund des Problems ist fuer mich folgender: Die Deutsche Kirche und zum Teil auch einige andere europaeische Kirchen sind Beamtenkirchen. Sie besteht aus haupt-amtlichen Priestern und Laien und neben-amtlichen Laien. Wer in dieser Kirche etwas will ist ein Bittsteller, der seinen Antrag ans Amt stellen muss, der dann je nach Moeglichkeit gewaehrt wird. Der groesste Teil der Weltkirche ist dagegen eine Servicekirche. Sie bietet Sakramente wie Dienstleistungen an. Pfarrer halten hier gerne mehr als 4 Messen am Sonntag, wenn die Messe denn gut bezahlt wird. Das kaeme einem deutschen Beamtenpfarrer mit festem Gehalt natuerlich nie in den Sinn. Ein Pfarrer in Peru nimmt gerne noch eine Pfarrei dazu, weil ihm das mehr Einnahmen bringt. Er gibt dann auch gerne alles an Laien ab, was ihm keine finanziellen Einnahmen bringt. Ich halte beide Extreme fuer nicht gut. Und ich sehe in der Instruktion in Rom eine gute Anregung, beide Modelle noch einmal zu uberdenken. Deutschland ist viel zu sehr im Kirchensteuer und Beamtenmodell verstrickt, um echte Veraenderungen zuzulassen. Nirgendwo auf der Welt gibt es 200.000 “Kirchenaustritte” pro Jahr wie in Deutschland. Das liegt natuerlich auch an der Kirchensteuer. Aber es zeigt auch, dass das Kirchenmodell ausgedient hat. Bei solchen Austrittszahlen zu behaupten, die deutsche Kirche sei schon genuegend missionarisch ausgrichtet, halte ich fuer betriebsblinde Schoenrednerei. Natuerlich gibt es Veraenderungsbedarf in Deutschalnd. Und die Warnung aus Rom trifft auf einen wunden Punkt. Man will nur Verwaltungs-Strukturen veraendern, aber die alte Beamtenmentalitaet unangetastet lassen. Anstatt die neue Instruktion nur abzulehnen, taete es der deutschen Kirche gut, die Herausforderungen darin ernsthaft anzunehmen. Das waere ein Schritt zur “pastoralen Umkehr”.
Caraveli, 29.07.20            Reinhold Nann

martes, 12 de mayo de 2020

Erzbischof Viganó, gewaehlter Gegenpapst einer schismatischen Kirche, schlug wieder zu


Erzbischof Viganó ist eigentlich kein Unbekannter. Vor zwei Jahren war er der einzige Bischof, der Papst Franziskus in einem Brief oeffentlich zum Ruecktritt aufforderte, weil er angeblich gelogen und vertuscht habe. Er war wohl gekraenkt, weil er als ehemaliger Nuntius von Washington nicht weiter im vatikanischen Staatssekretariat arbeiten durfte.

Nun hat er ein “Manifest” zur Coronakrise geschrieben, in dem er die Kirche wehrlos staatlicher und internationaler Willkuer und Verschwoerung ausgeliefert sieht. Dieses wurde auch von den Kardinaelen Mueller und Sarah mitunterzeichnet, wobei letzterer seine Unterschrift wieder zurueckzog. Allerdings hatte Viganó seine Telefongespraeche mit ihm aufgezeichnet und zeigte, dass er sehr wohl mit dem Text einverstanden war. Die deutsche Bischofskonferenz hat sich inzwischen oeffentlich von Mueller distanziert, was ich sehr gut finde.

Nun habe ich gestern ein e-mail bekommen, von einem “Katholisch-Byzanthinischen Patriarchat”  http://vkpatriarhat.org/es/ Darin wird auf 4 Seiten begruendet, warum Kardinal Mueller ein Haeretiker sei: Er wuerde angeblich die Auferstehung Jesu leugnen. Aber noch viel interessanter, war die Homepage dieses nicht zur roemisch katholischen Kirche gehoerenden und wahrscheinlich nur virtuell existierenden “Patriarchats”:

-          “Patriarch Elias” hat darin bereits schon Papst Johannes Paul II exkomuniziert, und den roemischen Bischofsstuhl fuer vakant erklaert, weil dieser zum interreligioesen Gebet in Asissi einlud.

-          Und am 14.10.2019 wurden nun auch Papst Franziskus und alle Teilnehmer der Amazonassynode, inclusive Kardinal Sarah, von diesem selbsternannten Patriarchen und seiner “Synode” exkommuniziert. Und da der Stuhl Petri ja immer noch vakant war, wurde an diesem Tag von der Synode dieses “Patriarchats” auch gleich noch ein neuer Papst gewaehlt: Und wer war es bitte: Kein geringerer als Erzbischof Viganó. Leider ist nicht bekannt, ob dieser die Wahl angenommen hat.

-          Selbstverstaendlich wird auf dieser Homepage auch das Manifest Viganós erwaehnt, und zwar als in direkter Opposition zu Franziskus stehend.

Das lustige ist nur, dass dieses Manifest Viganós (der Papst des “Patriarchats”) ja auch von Mueller und Sarah unterschrieben wurde, obwohl diese doch vom Patriarchat bereits exkommuniziert waren. Die Kontakte der beiden Kardinaele zu Sedisvakanz-Gruppen scheinen zumindest wiederspruechlich zu sein.  

Tja, diejenigen die immer vor einer Spaltung in der Kirche gewarnt haben, haben sich laengst in sich aufgespalten. Das ist gut fuer Papst Franziskus und gut fuer die katholische Kirche.