miércoles, 20 de febrero de 2019

Sackgasse Pastoral 2030: Kehrt um und glaubt an das Evangelium!


Am Beginn der Fastenzeit wird den Glaeubigen Asche auf das Haupt gestreut und sie hoeren das Jesuswort: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Als ich nun kurz vor der Fastenzeit im Konradsblatt von der Pastoral 2030 las, spuerte ich die Asche auf dem Haupt gluehen. Mir wurde klar: Wir brauchen eine radikale pastorale Umkehr! Weniger Struktur und mehr Evangelium!

Wir verwalten uns zu Tode

Die Zahlen sind erschreckend: Kirchenaustritte auf hohem Niveau, Gottesdienstbesucher immer weniger und die Zahl der Priester, denen man die Leitung einer Seelsogeeinheit oder Grosspfarrei uebertragen kann, wird im Jahr 2030 etwa bei 80 Priestern liegen.  Als ich 1987 zum Priester geweiht wurde,  gab es noch ca. 800 aktive Priester.

Da scheint eine weitere Verringerung der Pfarreien oder Seelsorgeeinheiten alternativlos zu sein. Waren es vor 30 Jahren noch 1000 Pfarreien, sind diese nun schon auf 220 Seelsorgeeinheiten geschrumpft. Und die sollen nun wiederum auf 40 Kirchengemeinden reduziert werden. Viele Pfarrer sind entsetzt ueber solche Monsterpfarreien, die eigentlich keiner mehr leiten will. Gemeinden fuerchten die Aufloesung ihrer Identitaet und das voellige Verschwinden von Heimat in der Kirche. Schrumpfen wir uns wirklich gesund oder laufen wir in die Sackgasse der voelligen Selbstaufloesung hinein? Denn wenn man mit der Logik des staendigen Schrumpfens weiter machen wuerde, waere doch das Ideal damit erreicht, dass die ganze Erzdioezese eine einzige Pfarrei wird, in der dann der Bischof den einzigen Sonntagsgottesdienst haelt, den man ueber Livestream uberall mitverfolgen kann. Wollen wir etwa 2050 da ankommen?

In meiner Zeit als Pfarrer in Freiburg (1997-2001) war ich erschrocken wie wenig ich wirklich Zeit fuer die Seelsorge direkt bei den Menschen hatte. Die Verwaltung nahm mich in Anspruch, trotz Verrechnungsstelle. Meine Zeitfresser waren: Viele Sitzungen, die vorbereitet werden mussten. Schreibtischarbeit mit Post von Firmen, Geschaeftstellen, Ordinariat und Seelsorgeamt. Gebauderenovationen und Instandhaltung, .... Und mit der Pastoral 2030 wuerde Pfarrei noch groesser. Du bekommst als Pfarrer eine eigene Verrechnungsstelle, aber Du musst der Letztverantwortliche bleiben. Das heisst, du wirst ein noch besserer und efizienterer Manager sein muessen. Einem wirklichen Seelsorger bleibt da nur noch der Ausstieg oder die innere Emigration. (Ich habs gut, ich bin ausgewandert). Und werden diese Aussichten mehr junge Leute fuer das Priesteramt anziehen?

Alternativlos?

Meiner Meinung nach ist die Pfarreienzusammenlegung nicht alternativlos. Es gibt Alternativen und ueber die muss nachgedacht werden. Der springende Punkt ist die Leitung einer Gemeinde, Pfarrei, Seelsorgeeinheit, Kirchengemeinde oder wie immer man das Kind nennen will. Solange die Seelsorgeraume immer von einem Pfarrer geleitet werden mussen, kommen wir am Schrumpfen nicht vorbei. Aber wir werden uns dann wahrscheinlich zu Tode schrumpfen. Wir brauchen daher dringend Alternativen. Und es gibt sie in der Weltkirche. Als noch „junger“ Bischof in Peru (seit eineinhalb Jahren) moechte ich ein paar Alternativen aus der Weltkirche nennen, die man naturlich nicht eins zu eins kopieren kann. Aber man koennte sie benutzen um Alternativen zur Schrumpfpastoral zu finden.

1.       Alternative Suedamerika: Laut Kirchenrecht kann bei grossem Priestermangel die Leitung einer Pfarrei einem Laien uebertragen werden. Das geschieht in Peru schon lange auf unterschiedliche Weise:

-          Pfarreien werden in einigen Faellen an Ordensschwestern oder Katecheten uebertragen, die dort als eine Art Pfarradministratoren taetig sind.

-          Teilgemeinden einer Grosspfarrei (meist Stadteile in Armenvierteln oder ganze Doerfer auf dem Land) werden dem dort ansaessigen Katecheten zur Verwaltung und Liturgie (Wortgottesdienste, Beerdigungsriten, manchmal auch Taufen) uebertragen. Der Pfarrer muss sich dann weder um Kirchenbau noch sonstige Dinge in dieser Teilgemeinde kuemmern). Das geschieht in meiner Praelatur im groessten Teil der Teilgemeinden ausser am Pfarrsitz. Der Pfarrer ist entlastet, kommt nur ein paarmal im Jahr zur Eucharistiefeier in diese Doerfer.



2.       Alternative Schweiz: Dort werden meines Wissens kaum Pfarreien zusammengelegt. Das liegt an der Kirchensteuer: Die geht naemlich direkt an die Pfarrei. Und je nach Kirchensteuereinnahmen kann sich die Pfarrei dann einen Pfarrer oder Gemeinderefernten leisten. Dadurch schrumpft die Verwaltungsarbeit sowohl im Ordinariat als auch in jeder Pfarrei betraechtlich.



3.       Alternative Poitiers/Frankreich Die bisherigen Gemeinden werden von Pastoralteams geleitet. Das sind Laien, die in diesen Gemeinden leben. Sie halten dort auch Wortgottesdienste am Sonntag und verwalten ihre Gebaude. Der Pfarrer feiert die Eucharistie am Hauptort hin und wieder in den uebrigen Gemeinden. Er gibt Impulse und spricht sich mit den Teams ab.



Ich finde es gut, das die Erzdioezese Freiburg wie andere Dioezesen auch, die Probleme ganz realistisch anschaut, den Leuten nichts vormachen will und sich nicht scheut, auch schwierige Dinge vorzuschlagen. Aber ist „Pastoral 2030“ wirklich die einzige Alternative? Mir scheint, die Pastoral 2030 muesste in Wirklichkeit Kirchenverwaltung 2030 heissen. Die eigentliche Seelsorge wird naemlich ganz ausgeblendet oder es wird erwartet, dass die dann in den neuen Strukturen irgendwie vom Himmel faellt. Mir scheint bei der Pastoral 2030 haben mehr Verwaltungsfachleute das Sagen gehabt als Pastoraltheologen. Mir scheint, wir brauchen dringend eine Umkehr zum Wesentlichen, zum Evangelium.

Pastorale Umkehr

Mir ist ein Wort von Papst Franziskus in  „Evangelii Gaudium“ wichtig geworden. Da wirbt er eindruecklich fuer eine „pastorale Umkehr“ (EG 25-33) in unseren Pfarreien. Kurioserweise wurde dieser Begriff in der deutschen Uebersetzung nur sehr abgeschwaecht mit „Neuausrichtung der Seelsorge“ wiedergegeben. (Papst Franziskus aber hat diesen Text weitgehend aus dem Dokument von Aparecida 365-372 uebernommen, wo es ohne Zweifel „Conversión pastoral“ heisst). Die Pastoral braucht eine radikale Erneuerung, kein „weiter so wie bisher“.  Zusammenlegung von Pfarreien ist zunaechst einmal eine strukturelle Antwort auf den Priestermangel. Nach Evangelii Gaudium 26 koennen die neuen Strukturen „nuetzlich sein, wenn ein Leben da ist, das sie beseelt, sie unterstuetzt und sie beurteilt. Ohne neues Leben und echten, vom Evangelium inspirierten Geist ... wird jegliche neue Struktur in kurzer Zeit verderben“. Ist das nicht genau fuer die Pastoral 2030 gesagt?

Fuer mich heisst Pastorale Umkehr hinhoeren, was Gott uns in dieser Krisensituation sagen will und darauf eine neue, kreative Antwort geben. Ich moechte einfach einmal etwas fuer die Zukunft traeumen, wie die Seelsorge 2030 aussehen koennte. Vielleicht koennte die Verwaltung 2030 ja weitgehend so aussehen, wie sie in dem Papier angedacht ist.

Ein Traum fuer die Erzdioezese Freiburg

Ich traume von Pfarreien die geistlich geleitet werden von einem Priester, der fuer das Volk die Sakramente feiert, und mit seinem Pastoralteam aus hauptamptlichen pastoralen Mitarbeitern die Ehrenamtlichen in der Pastoral begleitet und inspiriert. In jeder dieser Pfarreien gibt es viele territoriale Gemeinden, die sich um eine der Kirchen herum bilden. Daneben gibt es auch personale Gemeinden, die unabahaengig von kirchlichen Gebaeuden sich treffen und Dienste leisten. Alle diese Gemeinden werden von Gemeindeteams geleitet, die sowohl fuer die Finanzen, Katechese und Diakoníe in ihrem Bereich als auch fuer ihre nichtsakramentale Liturgie  verantwortlich sind. Diese Gemeindeteams konnten von einem Diakon oder einem auch Frauen offenstehenden neuen Amt in der Kirche geleitet werden. So eine Gemeinde koennte ihr Existenzrecht durch eine Mindestzahl an festen (evt. zahlenden) Mitgliedern erwerben. Alle ihre Dienste und Aemter sind ehrenamtlich, es sei denn, sie koennen welche aus ihren eigenen Einnahmen finanzieren. Die Pfarrei hat hingegen ausserdem ein Verwaltungsteam (Verrechnungsstelle), deren Leiter der Letztverantwortliche fuer alle Verwaltung ist. Dabei stehen der Verwaltung nur 50% aller Personalstellen und 50% der Finanzen zur Verfuegung, der Rest steht fuer pastorale Aufgaben bzw. Personal zur Verfuegung. Das gilt auch fuer die Dioezesanleitung. Vielleicht koennte man so den Einfluss der Verwaltung auf die Pastoral in Grenzen halten. Das Hauptaugenmerk der Pastoral sollte auf der Entstehung und Begleitung von solchen Klein-Gemeinden liegen. Alles was diese (kleinen) Gemeinden selbst tun koennen, sollen sie auch tun duerfen. Die Pfarrei als eine Art subsidiaere Struktur bietet dann zentral alle Dienste an, die diese kleinen Gemeinden nicht selbst leisten koennen. Wenn eine Pfarrei nicht eine Mindestzahl an lebendigen Kleingemeinden aufweisen kann, verliert sie ihr Lebensrecht. Die Kirche wird in diesen Kleingemeinden leben, oder sie wird nicht leben.

Wie gesagt, dieses Kapitel ist nur ein Traum. Aber wenn viele gemeinsamen traeumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Sagte schon Helder Camara.

Ich wuensche den Verantwortlichen und allen Glaubigen der Erzdioezese Freiburg den Beistand des Heiligen Geistes, damit sie zu einer guten Unterscheidung gelangen, die Leben weckt. .



Caravelí/Perú,  Februar 2019                     Reinhold Nann

jueves, 25 de octubre de 2018

Rundbrief 30 im Oktober 2018



Rundbrief 30 von Reinhold Nann aus Peru                                                                                        23.10.11



Liebe Freunde in Deutschland.



Oktober ist in Peru der Monat des Señor de los Milagros, des Herrn der Wunder, und in der Politik sind tatsaechlich viele Wunder geschehen in diesen Tagen:

-          Die Begnadigung von Alberto Fujimori, dem frueheren Praesidenten  wurde vom amerikanischen Menschenrechtsgericht beanstandet und vor wenigen Tagen vom obersten peruanischen Gericht aufgehoben

-          Keiko Fujimori, seine Tochter und Fuehrerin der Fujimoripartei, die im Parlament die Mehrheit hat, kam fuer ein paar Tage in Untersuchungshaft wegen einer  Parteispendenaffaere. Ihr steht das Wasser bis zum Hals. 

-          Der oberste Richter Perus ist am 7.Oktober ilegal nach Spanien ausgereist. Er wurde dort bereits festgenommen und wird wohl wegen Korruption verurteilt werden, die durch das Abhoeren seines Telefons bekannt wurde.

-          Das Parlament hat auf Druck des Praesidenten gegen den Willen der Mehrheit der Fujimoripartei nun doch ein Referendum gebilligt, das in der Bevoelkerung auf grosse Zustimmung stoesst.

-          Mit dem Referendum hat der Praesident Reformen und den Kampf gegen die Korruption auf seine Fahnen geschrieben. Er hat keine Mehrheit im Parlament, aber seine Zustimmung in der Bevoelkerung ist erheblich gewachsen.



Durch die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela sind Millionen auf der Flucht. Es gibt dort z.B. kein Insulin und eine grosse Lebensmittelknappheit. Mit 450.000 Venezolanern wurde das bisherige Auswanderungsland Peru nun ploetzlich zum Einwanderungsland. Trotz einiger neuer fremdenfeindlicher Toene ist das Klima aber stark von Solidaritaet gepraegt. Der Staat gibt zwar keine Sozialhilfe, ermoeglicht aber Aufnahme und Arbeitsfindung.



Die Kirche Perus hatte im Januar den Besuch von Papst Franziskus. Die Bevoelkerung hat massiv darán teilgenommen (ca 1 Million Teilnehmer an den Messen in Trujillo und Lima) und eine sehr schoene Begegnung mit den Indigenen im Regenwald. Ich konnte an allen Veranstaltungen teilnehmen, der Papst hat die Herzen der Peruaner gewonnen.



Es gibt in meiner Praelatur bisher keine Anzeige wegen sexuellem Missbrauch, ich bin wohl der erste Bischof hier, der ein Telefon dafuer eingerichtet hat und vorbeugende Massnahmen in den Pfarreien durchfuehrt. Im Nachbarland Chile geht es drunter und drueber.



Im April hatte ich eine sehr gute Pastoralversammlung der Priester und Ordensschwestern der Praelatur. Wir haben 2 Schwerpunkte gewaehlt: Caritas und Katecheten. Wir wollen die Katecheten besser begleiten und neue ausbilden. Jede Pfarrei wird eine oertliche Caritas mit ehrenamtlichen Mitarbeitern aufbauen. Die Priester haben einen Solidaritaetsfond gegruendet: Die 6 Pfarreien mit den meisten Einnahmen zahlen in den Fonds monatlich zwischen 50 und 100 Euro ein. Die 4 aermsten Pfarreien erhalten davon ca. 150E im Monat. Das finde ich sehr wichtig. Wir koennen nicht von Solidaritaet reden, wenn wir sie selber nicht praktizieren.



Im Januar gab es ein mittleres Erdbeben mit Epizentrum in unserer Praelatur. Caritas Peru konnte Soforthilfe leisten und mit einem Projekt der italienischen Bischofskonferenz von 50.000 Euro konnte die Praelatur 20 Not-Fertighaueser mit einigen Einrichtungsgegenstaenden an mehreren Orten aufstellen. Ausserdem wurden 5 Kirchen ausgebessert, die vom Erdbeben betroffen waren.



Von Mai bis September war ich zu offiziellen Pastoralbesuchen in allen Pfarreien.  So konnte ich mir einen guten Ueberblick verschaffen und groessere Naehe zu den Seelsorgern und den Leuten aufbauen. Und jetzt im Oktober beginnen schon wieder die Firmreisen.



Im August habe ich in Puquio vier Wochen lang mit einem Privatlehrer Quechua zu lernen versucht. Ich verstehe jetzt doch einiges, aber zum Sprechen reichts noch nicht. In Quechua sagt man nicht Herr oder Frau soundso. Alle aelteren Leute sind Mutter oder Vater und alle juengeren werden Kind genannt. Deswegen ist das Wort fuer Familie und Dorf identisch. Eine sehr familiaere Denkweise der Inkas kommt da zum Ausdruck.

Im August kam auch Sophia an, die erste Freiwillige aus der Erzdioezese Freiburg in Caravelí.



Im September wurde der Seligsprechungsprozess des ersten Bischofs von Caravelí offiziell eroeffnet: Friedrich Kaiser (1903-1993) aus Duelmen bei Muenster. Ich konnte ein Faltblatt und Comic herausgeben. Er ist der Gruender der Caravelí-Seelsorgeschwestern und ein Ansporn zum Apostolat und zur Heiligkeit.



Was habe ich mit dem gespendeten Geld anfangen koennen:



-          Die Priester waren alle mit ihrer freiwilligen Rentenversicherung 2 Jahre lang im Rueckstand.: ca. 2000E und ausserdem konnte ich einigen konkret in Krankheiten oder Notfaellen helfen.

-          Die Schwestern von Puquio haben eine Art Behindertenheim fuer ca. 15 Kinder. Sie sind am umbauen. Ich konnte ihnen ca. 10.000E zukommen Lassen.

-          Das Auto der Pfarrei in Chala hatte einen Motorschaden. 3000E. Das Auto der Schwestern von Lampa ist mit Fahrer und zwei Insassen den Hang hintergestuerzt. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Aber das Auto hatte einen Totalschaden: 5000E.

-          Die Kirche der “Jungfrau zum guten Geleit” in Caravelí ist seit Jahren im Bau, nach dem Erdbeben von 2011. Ich habe eine Tuer gespendet: 2000E.

-          In der Pfarrschule von Caraveli wurde ein Computerraum eingerichtet und die Aussenmauer der Altenspeisung in Caravelí konnte nach dem Erdbeben neu aufgebaut werden: 7000E aus Herbern.

-          Die Pfarrcaritas funktioniert bereits in 9 Pfarreien. Jede bekommt von mir, bzw. von den Spendengeldern 1300E im Jahr. Damit werden ueberwiegend Projekte fuer Senioren gemacht. In den meisten Orten wandern die jungen Menschen ab. Die Alten bleiben, und wenn sie von den Jungen nicht unterstuetzt werden, sind sie die Aermsten der Armen. Der Grossteil der Spendengelder wird also in Zukunft in diese Pfarrcaritasprojekte fliessen.



Ganz herzliche Gruesse und Gottes Segen aus Caravelí    vom Bruder Bischof Reinhold Nann




Spenden koennen auf das normale Adveniatkonto eingezahlt werden mit dem Vermerk: Praelatur Caraveli             

domingo, 20 de mayo de 2018

Pastorale Schwerpunkte und ein Gluecksfall


Im Maerz waren Priesterexerzitien der Praelatur mit dem Leiter des Paepstlichen Missionswerkes. Dabei waren auch ein Priester und 2 Priesteramtskandidaten, die gerne hier arbeiten bzw. geweiht werden moechten.

Die Karwoche Ende Maerz habe ich hier in Caravelí verbracht.

Im April war die Pastoralversammlung. Da kommen alle Priester und Ordensschwestern 5 Tage lang zusammen um sich ueber die Seelsorge des vergangenen Jahres auszutauschen. Ich gab einige Impulse fuer dieses Jahr und dann versuchten wir uns einig zu werden, was Gott von uns will in diesem Jahr. Ich nenne mal das wichtigste:

Die Visión der Praelatur ist:      Wir sind eine einfache, barmherzige, einge Praelatur die nahe bei den Menschen ist. Wir haben viele, gut ausgebildete und missionarische Laienkatecheten.

Das Jahresmotto 2018 lautet: Geeint in der Naechstenliebe fuer die Mission

Schwerpunkte der Pastoral 2014 sind:

-          Pastoralbesuche des Bischofs in jeder Pfarrei (drei Tage) in der ersten Jahreshaelfte.

-          Gruendung von Caritas Caravelí und Pfarreicaritas. Jede Pfarrei wird aus Spendengeldern ein kleines Sozialproyekt jaehrlich durchfuehren.

-          Gruendung von 4 Dekanaten, um eine bessere Zusammenarbeit der Hauptamtlichen zu ermoeglichen.

-          Erarbeitung eines Ausbildungsprogramms fuer Landkatecheten, Kommunionhelfer (=Wortgottesdienstleiter) und staendige Diakone.

-          Erarbeitung von eigenen Materialien fuer die Katechese.

Im Mai habe ich bereits 5 Pfarreien visitiert. Das ist eine gute Moeglichkeit fuer mich, die Realitaet der Praelatur besser kennenzulernen und die Pastoral und Verwaltung vor Ort zu bestaerken.

Pfingsten habe ich in Caravelí gefeiert. An diesem Tag hat der Heilige Geist kraeftig geweht: Es wurde veroeffentlicht, dass Pedro Barreto SJ, der Bischof von Huancayo, zum Kardinal von Peru ernannt wird. Pedro Barreto ist ein Umweltaktivist und Mitglied des Vorstands der Amazonassynode. Er war mehrere Jahre Vorsitzender des Nationalrats der Partnerschaft Freiburg-Peru. Peru hatte bisher immer nur einen Kardinal, den jeweiligen Erzbischof von Lima. Damit wird die Anden- und Amazonasregion aufgewertet. Die Macht von Cipriani als bisher “dem” Kardinal von Peru wird geschmaelert und anderen aufstiegsversessenen Bischoefen erstmal das Wasser abgegraben.


viernes, 2 de marzo de 2018

Besuch in Buettelborn




Bodenständiger Bischof zum Anfassen  Bischof Reinhold Nann aus Caraveli war zu Gast in Büttelborn

Er ist erst kurz im Amt und besuchte nun zum ersten Mal die Pfarrei St. Nikolaus von der Flüe in Büttelborn: Reinhold Nann - Bischof der Territorialprälatur Caravelí (Peru). Mit dabei war als Überraschungsgast Diakon Hermann Schweikart aus Oberá (Argentinien), ein langjähriger Freund des Bischofs.

Gottesdienst

Es war schon ein besonderer Gottesdienst, der am Sonntagnachmittag (25.02.) in der Büttelborner Pfarrkirche gefeiert wurde. Der Kirchenchor sang, drei Diakone, zwei Priester und ein Bischof im Altarraum und trotz der  ungewohnten Zeit  (17:00 Uhr) am Nachmittag, war der Gottesdienst auch noch relativ gut besucht.

Zu Gast in der Büttelborner Pfarrgemeinde St. Nikolaus von der Flüe, war Bischof Reinhold Nann aus Caraveli. Er ist seit August 2017 Bischof der Prälatur im Süden von Peru. Diese wird seit rund ca. 10 Jahren von der Büttelborner Pfarrgemeinde unterstützt. Bereits der Vorgänger von Bischof Nann, Bischof Juan Carlos Vera Plasencia MSC, besuchte zwischen 2009 und 2014 dreimal die Pfarrei in Büttelborn. Gemeinsam mit Pfarrer Joachim Respondek (St. Nikolaus von der Flüe) und Pfarrer Norbert Kissel (St. Walburga Groß-Gerau) zelebrierte Bischof Nann den Gottesdienst. Diakon i. R. Günter Seemann (Astheim / Groß-Gerau), Diakon i. R. Dr, Joseph Theruvath (Groß-Gerau) und Überraschungsgast Diakon i. R. Hermann Schweikart aus Oberá (Argentinien) assistierten. Hermann Schweikart und Bischof Nann kennen sich seit vielen Jahren. Außerdem arbeitet Hermann Schweikart in den 80er Jahren in Puquio, dass zur Prälatur von Caravelí gehört. "Wir freuen uns sehr, dass sie schon so relativ kurz nach ihrer Bischofsweihe unsere Pfarrei besuchen“,  sagte der PGR-Vorsitzende Markus Schenk am Ende des Gottesdienstes. 

Benefizessen

Bodenständig und unkompliziert so präsentierte sich der Gast aus Peru beim anschließenden Benefizessen im Pfarrzentrum – dort waren fast alle Plätze besetzt. Die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde freuten sich über rund 80 Teilnehmer, die sich das vorbereitete Essen schmecken ließen und das Spendenschwein fütterten. Immer wieder nutzten Gäste und Bischof die Möglichkeit zum Gespräch und gegenseitigen Austausch. Den Erlös des Benefizessens (ca. 560,- €) stellt die Pfarrgemeinde den Projekten von Bischof Nann in der Prälatur von Caravelí zur Verfügung. Hinzu kommen noch weitere Spenden, die im Zusammenhang mit dem Besuch des Bischofs eingegangen sind. Außerdem werden auch die Kollekten der Gottesdienst des Wochenendes; den Projekten von Bischof Nann zur Verfügung gestellt. So wird wohl ein vierstelliger Betrag zusammen kommen. Die Organisatoren (Pfarrgemeinderat, Festausschuss und Freundeskreis für Lateinamerika) danken recht herzlich allen Helfer/innen sowie allen Teilnehmern und Spendern, die für ein gutes Gesamtergebnis  zur Unterstützung der Projekte gesorgt haben.  

Bischof Reinhold Nann

Reinhold Nann: geboren am 25. August 1960 in Breisach, aufgewachsen in Achkarren, Studium in Freiburg, Priesterweihe 1987, Seelsorger in Mannheim-Rheinau und Waldkirch, 1992 Bistum Carabayllo in Peru, 1997 bis 2001 Brühl bei Mannheim, 2002  Wechsel ins Erzbistum Trujillo (Peru). Zuletzt Pfarrer in „San Antonio de Padua“ im Amazonasgebiet, an der Grenze zu Kolumbien. Dort erreichte ihn im Mai 2017 die Nachricht von seiner Ernennung durch Papst Franziskus. Bischofsweihe: 15. August 2017 in Trujillo – Amtseinführung: 22. August 2017 in Caravelí. 

Caraveli

Die Territorialprälatur Caravelí wurde im Jahr 1957 gegründet. Sie liegt im Department Arequipa, im Süden Perus. Der Ort Caravelí selbst hat ca. 4000 Einwohner und liegt 1700 m hoch. Das Gebiet der Prälatur reicht von der Pazifikküste bis auf eine Höhe von über 4.000 m, umfasst ca. 30.000km² und ist damit fast so groß wie Baden-Württemberg – allerdings leben dort nur ca. 150.000 Menschen. Die Prälatur hat 22 Pfarreien mit 15 Priestern und 5 weibliche Ordensgemeinschaften. Die Region ist eine der trockensten des Landes. Deutlich spürbar sind dort die Folgen des Klimawandels.

Peru

Peru ist das drittgrößte Land Südamerikas - dort leben ca. 32 Mio. Menschen. Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Lima oder in deren Einzugsgebiet.Auch wenn sich die Armut und die Ungleichheit im Land verringern, sind sie nach wie vor das größte Problem Perus. Vermögen und Einkommen sind sehr ungleich verteilt. Besonders stark ausgeprägt ist die Armut in den ländlichen Regionen des Andenhochlandes, am Ostabhang der Anden, in Amazonien und unter der indigenen Bevölkerung. Ein Großteil der Peruanerinnen und Peruaner lebt von Subsistenzlandwirtschaft (Selbstversorgung) und von schlecht bezahlten Tätigkeiten im informellen Sektor. Die Landflucht steigt weiter an und auch heute werden viele Indigene diskriminiert. Große multinationale Konzerne bauen die vorhandenen Bodenschätze ab und streichen die Gewinne ein. Verlierer sind die einheimische Bevölkerung und die Umwelt. Peru leidet besonders unter den Folgen des Klimawandels.

Südamerikaprojekte

Schon seit rund 30 Jahren unterstütz die Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus von der Flüe aus Büttelborn Projekte mit den Schwerpunkten: Kinder, Bildung, Gesundheit, Selbsthilfe und Nachhaltigkeit  in Südamerika. Von Beginn an wurden die Projekte von Diakon Hermann Schweikart und seiner Frau Doris unterstützt, die seit 1989 in Oberá im Nordosten von Argentinien leben. Einige Jahre zuvor, zwischen 1984 und 1988  arbeiteten sie für dreieinhalb Jahre in Peru. Die Stadt Puquio, in der sie damals lebten, gehört zur Prälatur von Caravelí. Durch diese Verbindung entwickelte sich im Jahr 2008 das Engagement der Büttelborner Pfarrei in Caravelí.  


miércoles, 28 de febrero de 2018


Badische Neueste Nachrichten | Acher- und Bühler Bote | ACHERN | 28.02.2018  



Gottesdienst im Zeichen der Barmherzigkeit

Bischof Reinhold Nann spricht über Arbeit im peruanischen Caravelí / Kollekte für Erdbebenhilfe



Mit großem Interesse begegneten die Gottesdienstbesucher Bischof Reinhold Nann (Zweiter von links) und seiner Arbeit in Caravelí. Dieser bekundete seine Hoffnung auf die angekündigte Bischofssynode für das Amazonasgebiet. Foto: Michael Karle

Von unserem Mitarbeiter Michael Karle

Achern. Zum Bischof geweiht wurde er im Sommer 2017. Nun war Reinhold Nann aus der peruanischen Prälatur Caravelí zu Gast in der Liebfrauenkirche.

„Ich freue mich, hier vielen zu begegnen, die sich für die Partnerschaft mit Peru interessieren und engagieren“, begrüßte der aus Achkarren am Kaiserstuhl stammende Nann zum pontifikalen Wortgottesdienst.

Der von Pfarrer Martin Karl willkommen geheißene Bischof begann mit einer einführenden Weihwasserzeremonie und stellte im Predigtgespräch und bei den Bitten den Begriff der „Barmherzigkeit“ in den Mittelpunkt der Feier. Verzeihen, Vertrauen und Geben als Grundhaltungen christlichen Selbstverständnisses klangen auch in den Liedern des von Kantor Frank Hodapp geleiteten Jugendchors „Unterwegs“ eindrucksvoll durch. „Vertraut den neuen Wegen“, sangen die Jugendlichen zusammen mit den Gottesdienstbesuchern. Mit dem bischöflichen Segen und dem Segenslied der Jugendlichen fand die kirchliche Feier ihren Abschluss.

Mit viel Interesse an der Person des Bischofs, an seinem besonderen Einsatz, sich im Sinne von Papst Franziskus besonders für die Armen in den Anden und im Amazonasgebiet einzubringen und an den Möglichkeiten der Partnerschaft fand man auch beim anschließenden Empfang im Josefshaus zusammen. Die Kollekte kommt Erdbebenopfern Caravelí zugute. „Die Armen treffen solche Katastrophen am stärksten. Unser Engagement hilft den betroffenen Familien“, betonte der Bischof. Bei dem Erdbeben im Januar wurden in Caravelí 100 Häuser beschädigt. Im Sinne der Kirche, so Reinhold Nann, sei für ihn die von Papst Franziskus angekündigte Synode von Bischöfen des Amazonasgebiets von besonderer Bedeutung. „Hier werden wir erleben, dass die Kirchen Südamerikas und Perus eine eigene und wichtige Stimme bekommen.“

   Spendenkonto

Die Bischöfliche Aktion Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, sammelt für die Erdbebenopfer in Caravelí. IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45, Verwendungszweck: Praelatur von Caraveli.

miércoles, 24 de enero de 2018

Der Papst in Peru



Vom 18. Bis 21. Januar war in Peru der Ausnahmezustand: Der Papst ist da. Zum letzten Mal war es Papst Johannes Paul II vor 30 Jahren. Und Stolz: Wir sind Papst. Die Welt schaut auf uns.

Nach Puerto Maldonado reisten Vertreter von Amazonas-Indianer-Staemmen aus weit entfernten Gegenden an. In Lima und Trujillo waren jeweils weit ueber eine Million Menschen bei den Gottesdiensten. An allen Strassen, wo er durchkam, Menschentrauben, selbst vor der Nuntiatur haben welche uebernachtet um ihn zu sehen. Die Begeisterung war deutlich zu spueren. 77% der Peruaner sind katholisch, bei einer Umfrage bewerteten 66% der Befragten den Papstbesuch positiv.

Einige Schlaglichter:

  1. Der Papstbesuch begann in Puerto Maldonado, einer 100.000 Einwohnerstadt im suedlichen Regenwald. Ein ueberdachtes Stadion voll mit Vertretern der indigenen Amazonasvoelker. Das sind kleine Minderheiten mit eigener Sprache die ueberwiegend vom Fischfang leben. Sie haben dem Papst von ihren Problemen erzaehlt, 30 Minuten lang. Und der Papst hat zugehoert. Frueher haben ihre Organisationen die Kirche oft zurecht kritisiert, weil sie ihre Kultur vielfach nicht respektiert hat. Dies hat sich mit Papst Franziskus und seiner Enzyklica “Laudato si” veraendert. Nun wurde der Papst und die Kirche als Verbuendeter angesehen. Und darán liess der Papst keinen Zweifel in seiner Ansprache. Er klagte die ruecksichtslose Ausbeutung des Regenwaldes an. Es geht ihm um die Mutter Erde und die Menschen, die seit Jahrhunderten im Amazonasgebiet wohnen: “Ihr seid wichtiger als das Gold, das Erdoel und die Edelhoelzer. Ihr seid Kinder Gottes und der Kirche. Niemand hat das Recht Euch euere Stammesgebiete im Namen des Fortschritts zu entreissen”. Das hat den Bewohnern der Stadt Puerto Maldonado nicht so gut bekommen. Und er hat klargemacht, dass ihre Kultur wichtig ist fuer die Welt. Dass auch die Kirche nicht einfach eine westliche Kultur im Namen des Evangeliums ueberstuelpen darf, sondern dass es einen interreligioesen Dialog braucht. Die Kirche will immer mehr eine Amazonas-Kirche werden, sich in diesen Raum inkulturieren. Dazu dient eine fuer das naechste Jahr angekuendigte Amazonas-Synode, an der Vertreter aus 100 Apostolischen Vikariaten aus 7 Laendern teilnehmen werden, die alle zum Amazonasgebiet gehoeren. Als Missionar, der immerhin 5 Monate im Amazonasgebiet gearbeitet hat, war ich hellauf begeistert von diesem Treffen.
  2. In Trujillo, der zweitgroessten Stadt Perus mit knapp einer Million Einwohnern kam ueber eine Million Menschen zusammen. Es war ein Fest der Volksfroemmigkeit Perus. Von weit entfernt kamen ueber 40 besonders verehrte Heiligenbilder in zum Teil eigens dafuer angefertigten Heiligen-Mobilen (dem Papamobil nachempfunden). Da waren: Die Virgen de la Puerta, das Kreuz von Motupe, der “Gefangene” Jesus von Ayabaca, der Heilige Jakobus von Santiago de Chuco und selbst die Schoenstattmuttergottes war dabei. Und mit ihnen die Menschen, die dieses Bild verehren und Folkloregruppen, die davor tanzen. Und so wie die Heiligenfigur haben viele auch den Papst gesehen: Vielleicht kann er mich heilen, vielleicht hilft es mir ihn zu sehen oder ihn zu beruehren. Natuerlich gibt es auch heute noch Wunder und der Papst ist schliesslich ein Mann Gottes, so sehen das viele. Er hat ein Muttergottesbild gekroent zur Mutter der Einheit und der Hoffnung. Der Papst kennt diese Volksfroemmigkeit, greift sie auf und setzt doch auch neue Akzente: Maria ist eine Frau. Daher ist Gewalt gegen Frauen inakzeptabel. Wenn Maria Mutter ist und eines ihrer Kinder leidet, muessen die anderen mithelfen. Der Papst besuchte die Opfer der Ueberschwemmungen vom vergangenen Jahr.
  3. In Lima ist mir vor allem die Begegnung mit den Bischoefen zu Herzen gegangen. Er war da ganz offen, hat spontane Fragen zugelassen, und das Fernsehen hat alles live gefilmt. Er hat vom Heiligen Toribio von Mongrovejo erzaehlt aber dabei der Kirche Perus ganz kraeftig den Kopf gewaschen. Der zweite Bischof Limas hat damals seine Dioezese (fast ganz Peru) dreimal bereist: Das heisst, er war 18 Jahre (von 22 als Bischof) ausserhalb Limas auf dem Pferd unterwegs. Hat Gefirmt, Regional-Synoden abgehalten und einen zweisprachigen Katechismus herausgebracht. Nur 4 Jahre war er insgesamt am Sitz in Lima. Das heisst nahe bei den Menschen sein.


Auffallend war fuer mich, dass der Papst die typischen konservativen Themen der katholischen Sexualmoral mit keinem Wort erwaehnte. Es ging ihm vor allem um soziale Probleme und praktische Lebenshilfe. Auch der Staatspraesident konnte den Papst nicht vor seinen Karren spannen: Vor wenigen Tagen hat er ein neues “Kabinett der nationalen Versoehnung” gebildet. Der Papst dagegen nahm das Wort “Versohnung” nicht einmal in den Mund. Die peruanische Kirche muss menschlicher werden, Menschen in ihren Problemen begleiten und nicht verurteilen. Und das kam bei den Menschen gut an. Weg vom Klerikalismus, hin zu einer dienenden Kirche.

sábado, 30 de diciembre de 2017

Reflexionen zum Jahreswechsel aus Peru



Was hat 2017 gebracht, und wie koennte man das im Licht des Glaubens sehen?

  1. Zu Beginn des Jahres hat das Wetterphaenomen “El Niño” vor allem im Norden grosse Schaeden durch Ueberschwemmungen angerichtet. Dies erzeugte eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevoelkerung. Auch die Regierung war sofort mit Notfallhilfe zur Stelle, aber der Wiederaufbau geht gewohnt langsam voran.
  2. Der Fall “Odebrecht” hat das riesige Ausmass der Korruption sichtbar gemacht. Fast alle Firmen, die in den letzten 20 Jahren Staatsauftraege bekamen haben geschmiert, und die Funktionaere haben gerne mitgemacht. Fast alle Expraesidenten und Parteien sind verwickelt und angeklagt, einer sitzt bereits in Untersuchungshaft. Die Korruption scheint allmaechtig zu sein. Allerdings ist die Justiz zur allgemeinen Ueberraschung deutlich energischer als frueher an der Verfolgung auch grosser Fische dran.
  3. Mitte des Jahres hat der Lehrerstreik ueber Monate die oeffentlichen Schulen lahmgelegt. Das Gehalt der Lehrer wurde kraeftig erhoeht. Das war richtig, haette aber ohne soviel Unterrichtsausfall vonstatten gehen muessen.
  4. Peru hat gerade noch fuer die Fussballweltmeisterschaft in Russland 2018 qualifiziert, nach ueber 30 Jahren. Das hat das Volk mehr geeint und aufatmen lassen, als alles andere. Auch wenn Paolo Guerrero zunaechst wegen Doping ausgeschlossen und dann doch wieder zugelassen wurde.
  5. Kurz vor Weihnachten waere beinahe der Praesident vom Parlament gestuertzt worden. Und dann drei Tage danach begnadigt er den ExPraesidenten Fujimori. Die Fujimori Partei hat die Mehrheit im Parlament, aber einige Abgeordnete haben sich enthalten. Die meisten glauben, dass die Begnadigung ein Kuhhandel des Praesidenten war, um an der Macht zu bleiben. Nun gehen Tausende auf die Strassen, um gegen die Begnadigung zu protestieren. Da zeigt sich der ganze Frust am politischen System. Der Konflkt zeigt die tiefen Graeben in der peruanischen Gesellschaft auf: Zwischen Fujimoristen und Anti-Fujimoristen. Fujimori regierte in den 90 Jahren 10 Jahre als Diktator. Es gab viel Korruption und ein Mordkommando der Regierung mit ueber 20 Opfern. Aber er hat Peru auch vom Terrorismus des “Leuchtenden Pfades” befreit und die Hyperinflation besiegt. Nun sind auch die Parteien in sich gespalten. Der politische Gegner wird satanisiert und zum Feind gemacht. Es gibt keinen Dialog, weil jede Seite die Fehler nur beim anderen sucht.

Und was bringt 2018?

  1. Die Regierungschefin hat eine neue “Regierung der nationalen Versoehnung” ausgerufen. Das ist pathetisch. Diese Regierung wird wahrscheinlich nicht bis zum Jahresende dauern. Versoehnung muesste im Volk geschehen. Nach der Zeit des Terrorismus wurde diese Chance verpasst. Man hat 2002 nicht auf die “Wahrheits- und Versoehnungskomission”gehoert, weil niemand eigene Schuld eingestehen mochte. Die Vorraussetungen sind sehr schlecht, dass das 2018 gelingen wird.
  2. Der Kampf gegen die Korruption von Seiten der Staatsanwaltschaft geht weiter. Wird die Bevoelkerung eine Art Pakt gegen die Korruption einfordern koennen, bei dem jeder zuerst im eigenen Haus kehrt?
  3. Die Weltmeisterschaft in Russland laesst uns hoffnungsvoll nach vorne schauen. Mit Opfern und Begeisterung kann eine Mannschaft und ein Volk zum Erfolg kommen.
  4. Der Papst kommt nach Peru. Franziskus wird mit offenen Armen empfangen. Er ist Hoffnungstraeger, zeigt uns, dass man aus dem Glauben heraus die Welt veraendern kann. Er zeigt uns, die Armen nicht auszuschliesen und lenkt unseren Blick auf die Amazonasvoelker und die Umweltprobleme.
  5. Seit August bin ich nun Bischof von Caravelí. In ca 8 Wochen auf Reisen habe ich fast alle meine 22 Pfarreien kennengelernt. 2018 moechte ich beginnen, zusammen mit den Pfarrern, Schwestern und Katecheten einen Pastoralplan zu erarbeiten. Ich bin guten Mutes.


Ein gutes Neues Jahr wuenscht Ihnen/Euch      Ihr/Euer  Bruder Bischof aus Caravelí     +Reinhold Nann