miércoles, 29 de julio de 2020

Bloss keine pastorale Umkehr - Zur neuen Pfarrei-Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation


Bloss keine pastorale Umkehr – Zur neuen Pfarrei-Instruktion der Kleruskongregation
Als deutscher Bischof im Ausland bin ich verwundert ueber die aufgeregte und voreilige Reaktion einiger meiner Kollegen in Deutschland. Als ich noch Student und dann Priester in der Erzdioezese Freiburg war, hatte ich nach vatikanischen Publikationen auch meist nach Asterix-Manier reagiert: “Die spinnen, die Roemer”. Nach 24 Priester- und 3 Bischofs-jahren am “Ende der Welt”, sehe ich die Dinge etwas gelassener: Roemische Verlautbarungen sind nicht nur fuer mich, sondern fuer ganz unterschiedliche Kirchen in weit ueber  hundert Bischofskonferenzen geschrieben. Dass man die nicht alle vorher konsultieren kann und dass der gesamte Text nicht fuer alle gleich zutrifft, liegt eigentlich auf der Hand.
Die Instruktion der Kleruskongregation ist keineswegs nur fuer Deutschland geschrieben. So wird ausfuehrlich auf die notwendige Mitarbeit der Laien in Pfarrgemeinde- und Stiftungsraeten hingewiesen, sowie auf einen transparenteren und weniger kommerziellen Umgang mit Finanazen allgemein sowie Messstipendien im Besonderen. Das ist eine Gewissenserforschung fuer die Lateinamerikanische Kirche, die Deutsche hat hier ihre Hausaufgaben laengst gemacht.
Deutsche Bischoefe fuehlen sich wahrscheinlich zu Recht in den Kapiteln 6-8 (von 11) angesprochen, wo auch ausfuehrlich auf die Seelsorgeeinheiten und Grosspfarreien eingegangen wird. Dabei scheint es ein Missverstaendnis zu geben: Es geht der Kleruskongregation nicht um eine weitere Klerikalisierung der Kirche sondern im Gegenteil um eine staerkere Mitbeteiligung der Laien. Da wird naemlich das Phaenomen in den Blick genommen, dass Ordinariate gerne am gruenen Tisch neue Riesenpfarreien bilden wollen, ohne auf die Gefuehle der betroffenen Menschen zu achten (Nr 36). Mir scheint es durchaus angebracht zu sein, Pfarreien nur im konkreten Einzelfall aufzuloesen und nicht die Laien in den Pfarreien mit dem schon beschlossenen Pastoralkonzept vor den Kopf zu stossen. Letzlich wird man natuerlich an einer Zusammenlegung nicht vorbeikommen, aber wenn Rom hier ein stufenweises und schonendes Vorgehen anmahnt, macht sich die roemische Behoerde geradezu zum Anwalt der Laien in den Gemeinden. Kritisiert werden hier die oft abgehobenen Verwaltungsplaner in den Ordinariaten.
Die durchaus noetigen Strukturveraenderungen in der deutschen Pfarreienlandschaft werden durch das Papier zeitaufwaendiger in der Durchfuehrung (im Einzelfall und nicht nach Schema F), aber auch kundenfreundlicher. Kichenrechtler werden mehr zu tun haben, dies alles richtig auszudruecken, aber verunmoeglicht werden die neuen Strukturen nicht. Die Leitungsgewalt einer Pfarrei hat nach Kirchenrecht immer ein Pfarrer inne, da ist nichts zu machen. Aber wenn die Pfarreien so gross werden wie geplant, dann muss es in dieser Pfarrei Unterstrukturen geben. Im personellen Sinne sind dies Gemeinden, im raeumlichen Sinne sind es Pfarrzentren. Beide Einheiten koennen durchaus von Laien geleitet werden. So ist das hier in Peru. Pfarreien werden immer von Pfarrern geleitet, deswegen habe ich nur 22 in meiner Praelatur. Aber die Vorsteher der Gemeinden in den ueber 500 Doerfern sind selbstverstaendlich Laien, Katechisten nennen wir sie. Wegen Priestermangels sind einige Pfarreien auch Ordensschwestern “anvertraut”, ich darf sie halt nur nicht “Pfarrerinnen” nennen. Hier zaehlt sowieso kaum, was auf dem Papier steht, das Entscheidende ist eher die reale Ausuebung.
Fuer mich ist die vatikanische Instruktion hilfreich. In einem Arbeitspapier habe ich ihre wichtigsten Impulse fuer uns zusammengefasst und werde sie in den Versammlungen der Pfarrer, Ordensschwestern und Katechisten besprechen. Die “pastorale Bekehrung”, die Papst Franziskus bereits in Evangelii Guadium eingefordert hat, wird nun noch etwas konkreter. Fuer uns heisst das: Pfarrer muessen in ihrer Verwaltung transparenter werden und Laien konsequenter in Pastoral und Verwaltung einbinden. Mit Sakramentenspendung darf nicht “gehandelt” werden. Wir haben da noch manche Bekehrung vor uns und lassen uns dazu ehrlich von dem Text anregen.
Der Hintergrund des Problems ist fuer mich folgender: Die Deutsche Kirche und zum Teil auch einige andere europaeische Kirchen sind Beamtenkirchen. Sie besteht aus haupt-amtlichen Priestern und Laien und neben-amtlichen Laien. Wer in dieser Kirche etwas will ist ein Bittsteller, der seinen Antrag ans Amt stellen muss, der dann je nach Moeglichkeit gewaehrt wird. Der groesste Teil der Weltkirche ist dagegen eine Servicekirche. Sie bietet Sakramente wie Dienstleistungen an. Pfarrer halten hier gerne mehr als 4 Messen am Sonntag, wenn die Messe denn gut bezahlt wird. Das kaeme einem deutschen Beamtenpfarrer mit festem Gehalt natuerlich nie in den Sinn. Ein Pfarrer in Peru nimmt gerne noch eine Pfarrei dazu, weil ihm das mehr Einnahmen bringt. Er gibt dann auch gerne alles an Laien ab, was ihm keine finanziellen Einnahmen bringt. Ich halte beide Extreme fuer nicht gut. Und ich sehe in der Instruktion in Rom eine gute Anregung, beide Modelle noch einmal zu uberdenken. Deutschland ist viel zu sehr im Kirchensteuer und Beamtenmodell verstrickt, um echte Veraenderungen zuzulassen. Nirgendwo auf der Welt gibt es 200.000 “Kirchenaustritte” pro Jahr wie in Deutschland. Das liegt natuerlich auch an der Kirchensteuer. Aber es zeigt auch, dass das Kirchenmodell ausgedient hat. Bei solchen Austrittszahlen zu behaupten, die deutsche Kirche sei schon genuegend missionarisch ausgrichtet, halte ich fuer betriebsblinde Schoenrednerei. Natuerlich gibt es Veraenderungsbedarf in Deutschalnd. Und die Warnung aus Rom trifft auf einen wunden Punkt. Man will nur Verwaltungs-Strukturen veraendern, aber die alte Beamtenmentalitaet unangetastet lassen. Anstatt die neue Instruktion nur abzulehnen, taete es der deutschen Kirche gut, die Herausforderungen darin ernsthaft anzunehmen. Das waere ein Schritt zur “pastoralen Umkehr”.
Caraveli, 29.07.20            Reinhold Nann

martes, 12 de mayo de 2020

Erzbischof Viganó, gewaehlter Gegenpapst einer schismatischen Kirche, schlug wieder zu


Erzbischof Viganó ist eigentlich kein Unbekannter. Vor zwei Jahren war er der einzige Bischof, der Papst Franziskus in einem Brief oeffentlich zum Ruecktritt aufforderte, weil er angeblich gelogen und vertuscht habe. Er war wohl gekraenkt, weil er als ehemaliger Nuntius von Washington nicht weiter im vatikanischen Staatssekretariat arbeiten durfte.

Nun hat er ein “Manifest” zur Coronakrise geschrieben, in dem er die Kirche wehrlos staatlicher und internationaler Willkuer und Verschwoerung ausgeliefert sieht. Dieses wurde auch von den Kardinaelen Mueller und Sarah mitunterzeichnet, wobei letzterer seine Unterschrift wieder zurueckzog. Allerdings hatte Viganó seine Telefongespraeche mit ihm aufgezeichnet und zeigte, dass er sehr wohl mit dem Text einverstanden war. Die deutsche Bischofskonferenz hat sich inzwischen oeffentlich von Mueller distanziert, was ich sehr gut finde.

Nun habe ich gestern ein e-mail bekommen, von einem “Katholisch-Byzanthinischen Patriarchat”  http://vkpatriarhat.org/es/ Darin wird auf 4 Seiten begruendet, warum Kardinal Mueller ein Haeretiker sei: Er wuerde angeblich die Auferstehung Jesu leugnen. Aber noch viel interessanter, war die Homepage dieses nicht zur roemisch katholischen Kirche gehoerenden und wahrscheinlich nur virtuell existierenden “Patriarchats”:

-          “Patriarch Elias” hat darin bereits schon Papst Johannes Paul II exkomuniziert, und den roemischen Bischofsstuhl fuer vakant erklaert, weil dieser zum interreligioesen Gebet in Asissi einlud.

-          Und am 14.10.2019 wurden nun auch Papst Franziskus und alle Teilnehmer der Amazonassynode, inclusive Kardinal Sarah, von diesem selbsternannten Patriarchen und seiner “Synode” exkommuniziert. Und da der Stuhl Petri ja immer noch vakant war, wurde an diesem Tag von der Synode dieses “Patriarchats” auch gleich noch ein neuer Papst gewaehlt: Und wer war es bitte: Kein geringerer als Erzbischof Viganó. Leider ist nicht bekannt, ob dieser die Wahl angenommen hat.

-          Selbstverstaendlich wird auf dieser Homepage auch das Manifest Viganós erwaehnt, und zwar als in direkter Opposition zu Franziskus stehend.

Das lustige ist nur, dass dieses Manifest Viganós (der Papst des “Patriarchats”) ja auch von Mueller und Sarah unterschrieben wurde, obwohl diese doch vom Patriarchat bereits exkommuniziert waren. Die Kontakte der beiden Kardinaele zu Sedisvakanz-Gruppen scheinen zumindest wiederspruechlich zu sein.  

Tja, diejenigen die immer vor einer Spaltung in der Kirche gewarnt haben, haben sich laengst in sich aufgespalten. Das ist gut fuer Papst Franziskus und gut fuer die katholische Kirche.

lunes, 11 de mayo de 2020

Rundbrief 32 im Mai 2020 Caritas Caraveli


Reinhold Nann, Rundbrief 32 aus Peru vom 11. Mai 2020

Notfallhilfe Caritas Caraveli

Am 8. Maerz wurde der erste Patient mit COVID19 in Peru entdeckt. Schon eine Woche spaeter wurde eine strenge Quaraentaene verordnet, die insgesamt 10 Wochen dauern wird, bis zum 24. Mai, und auch dann wird sie nur langsam und schrittweise abgebaut werden.

Durch die Quaraentaene hat Peru Zeit gewonnen, die Rate der Infizierten stieg zunaechst nur langsam an, was aber auch an der zu geringen Zahl der Proben lag. Heute (10.5.) hat Peru 67.000 Infizierte und 1890 Tote. Ca. 20.000 sind wieder gesund. Zu Beginn der Krise gab es gerade mal 100 Betten auf Intensivstation mit Beatmungsgeraet. Nun sind es 900 und sie sind fast alle belegt. Das Gesundheitssystem stand schon vorher und nun erst recht kurz vor dem Kollaps.

Die Regierung handelt entschlossen und ca. 80% der Bevoelkerung traegt die Massnahmen mit. Das Problem ist die mangelnde soziale Absicherung: Nur ca. 30% hat einen regulaeren Job. Von denen hat nun auch die Haelfte ihren Arbeitsplatz verloren, ist aber auf einige Monate hin noch abgesichert. Das Problem sind die 70%, Tageloehner oder Scheinselbststaendige, die irgendewas auf der Strasse zum Verkauf angeboten haben und nun dort von Polizei und Militaer weggetrieben werden. Die Leute wuerden gerne zu Hause bleiben, aber dann verhungern sie innerhalb weniger Tage. Die Regierung versucht nun mit einer Art Universalzahlung dem Abhilfe zu schaffen, aber nur ca. 30% in Peru hat ein Bankkonto und es ist fast unmoeglich, alle zu erfassen, ganz besonders bei uns auf dem Land.

Dazu kommt das alte Problem der Korruption: Die Polizei kauft ueberteuert falsche- Atemschutzmasken und infiziert damit hunderte eigene Beamte. Aerzte haben jahrelang in staatlichen Krankenhauesern medizinisches Geraet vergammeln lassen um die Patienten in ihre teuren Privatkliniken umzuleiten. Die Buergermeister kommen mit der Verteilung der Lebensmittelpakete nicht nach, bzw. kanalisieren sie bewusst an die Falschen. Ganz viele wohnen nicht da, wo sie gemeldet sind.

Mit dem totalen Versammlungsverbot ist das kirchliche Leben ist zunaechst mal zusammengebrochen.Meine 15 Pfarrer und Ordensschwestern als Administratorinnen haben sofort reagiert: Alle uebertragen ihren Gottesdienst und anderes auf Facebook. Erstkommunionvorbereitung lauft auch gerade digital an: wir helfen den Eltern, ihre Kinder selbst zu Hause vorzubereiten (Familienkatechese). Ich habe heute auch einen Gruss zum Muttertag auf meinen Kanal bei Youtube gestellt. Wir entdecken gerade die Familie als Hauskirche. Sie bekommen nun jede Woche ueber Whatsapp eine Gottesdienstvorlage ins Haus. Das Problem: Meine Pfarrer leben nur von Messtipendien und Patronatsfesten. Das faellt jetzt gerade alles weg. Ich musste fast allen seit Maerz finaziell kraeftig unter die Arme greifen. Und die einzige einheimische Einnahmequelle der Praelatur ist ebenfalls gerade weggebrochen: Die Miete der Mechanikerwerkstatt in Lima fiel weg, weil das Geschaeft zumachen musste. Mit Messtipendien aus Deutschland und meinen Ersparnissen kann ich das noch eine Weile durchhalten.

Und trotz eigener Schwierigkeiten schaffen wir es, eine arme Kirche fuer die Armen zu sein. Jetzt oder nie sind wir das “Feldlazarett”, das den Armen materielle und spirituelle Hilfe schnell und unbuerokratisch leisten kann. Die Pfarrcaritasgruppen konnten mit Hilfe von Caritas Peru, Misereor und euren privaten Spenden bisher folgendes Hilfsprogramm aufstellen:

5 Pfarreien haben im April Lebensmitteltueten an die Aermsten ihrer Pfarrei verteilt. Ca. 200 Familien wurden erreicht. Die Verteilung geht nur mit Hilfe oder Erlaubnis des Militaers, was auf lokaler Ebene meist einfach zu loesen ist. Folgendes ist geplant und lauft gerade an:

1.       Lebensmitteltueten verteilen: Jetzt im Mai und dann jeden Monat werden wir ca. 1500 Familien in 15 Pfarreien erreichen. Kosten: E 15.000.-monatlich. Dies ist fuer den Monat Mai bereits angelaufen.

2.       Vorsorgekits verteilen. Die Leute auf dem Land haben bisher noch kaum Moeglichkeit und Einsicht ueber die Vorsorgemassnahmen. Daher stellen wir ein Kit inclusive Informationsblatt zusammen mit: 10 Mundschutzmasken. 1 Pack Plastikhandschuhe. 2 Stueck Seife. 1 Schachtel Paracetamol. (ca 15.000.- fuer E 50.000.-)

3.       Medizinkit fuer chronisch Kranke. Es gibt viele chronisch Kranke, die im Moment ohne Medizin auskommen muessen, Weil das knappe Geld fuer Essen ausgegeben wird: Diabetiker, Hoher Blutdruck, Verdauungsprobleme. (ca E 10.000.-)

4.       Bisher haben 2 Pfarreien eine Essensausgabe fuer Durchreisende oder Ankommende aus Lima angefangen. Es gibt im Moment tausende, die aus Lima zu Fuss aufbrechen um in ihre Heimat zu kommen. Dort werden sie aber erst mal in eine Quaraentaene gesteckt (manchmal innerhalb der Kirche!) und muessen versorgt werden. (ca. 5000.- E monatlich).

Caritas Caraveli arbeitet mit Pfarrcaritasgruppen in 15 Pfarreien der Praelatur zusammen. Wir werden die Proyekte soweit ausfuehren, wie wir Mittel dafuer bekommen koennen. Wir sind um jeden Betrag froh. Wir werden euch beim Eintreffen des Geldes informieren, und am Ende einen Abschlussbericht machen.

Gott segne und beschuetze unsere Armen und Euch alle.



Caraveli, 30.04.20                                                           Euer      Reinhold Nann, Bischof von Caraveli



Blog: www.reinholdnann.blogspot.com Facebook und Youtube: Reinaldo Nann



Konten:

In Perú:                Prelatura de Caraveli (Banco de Credito BCP), 193-2070628-1-42              

In Dtld:                 Reinhold Nann IBAN: DE53 7509 0300 0007 1054 87

Adveniat:            IBAN DE03 3606 0295 0000 0173 45 Dauert etwas laenger, aber ohne Abzuege. Ueber 100E wird Spendenquittung ausgestellt. Vermerk: Praelatura de Caraveli/Peru

lunes, 20 de abril de 2020

Der Virus, der unser Leben veraendert – wo geht das noch hin?


Als glauebiger Mensch bin ich ueberzeugt, dass Gott in der gegenwaertigen Coronavirus-Krise laut und deutlich zu uns spricht. Ich interpretiere das was da gerade geschieht so:



1.     Kehr um und glaube an das Evangelium

Das ist der Spruch beim Ascheausteilen am Anfang der Fastenzeit, was in in Latein Quadragesima heisst und da kommt das Wort fuer Quaraentaene her. Jeder einzelne ist eingeladen, seinen irrigen Glauben an das Geld als hoechstes Gut aufzugeben. Geld schuetzt nicht vor Ansteckung und Tod. Was dir dagegen Sicherheit und Gelassenheit gibt ist ein Glaube an ein Leben nach dem Tod, der Glaube an Gott. Ich bemerke, dass viele dem Religioesen wieder mehr Beachtung schenken.

2.     Der Staat muss lenkend in die Wirtschaft eingreifen zum Wohl der Person

Die Wirtschaft wird aus der Krise sehr gebeutelt hervorgehen. Der freie Markt kann zwar Angebot und Nachfrage sich selbst regeln lassen, aber den Schwachen und Kranken hat er nie bevorzugt in den Blick genommen. Die Regierungen tun das nun – auf Kosten des freien Marktes. Die Grenzschliessungen haben dem globalisierten Markt weitere schwere Schlaege versetzt. Wir brauchen eine menschliche, eine solidarische Marktwirtschaft. Der Staat muss gewisse Grundbeduerfnisse wie Ernaehrung und Gesundheit fuer seine Bevoelkerung sicherstellen.  Daneben sollte es eine Art Grundeinkommen fuer jeden geben. Das kann nur mit hoeheren Warensteuern geschehen, speziell fuer importierte Gueter. Oekologisch gesehen, war die Quaraentaene positiv, sie hat der Natur eine Verschnaufpause gegeben. Die Wirtschaft muss also regionaler, sozialer und oekologischer werden.

3.     Die Kirche muss familiaerer werden

Die Kirche hat sich bisher auf den Gemeindegottesdienst, engagierte Gruppen und ihre Tradition konzentriert. All das ist in die Krise geraten. In der Quaraentaene funktionierten real nur noch die christlichen Familien. Dort muessen wir anfangen. Kirche als Netz von familiaeren Hauskirchen. Wobei ich Familie im Sinne von Wohngemeinschaften verstehe. Dann wird Kirche wieder zu einer verbindlichen und familiaeren Gemeinschaft. Dieses Netz von engagierten Familien waere irgendwann mal faehig sich selbst zu finanzieren – ganz ohne Kirchensteuer. Eucharistie gaebe es auch weiterhin durch geweihte Priester an wenigen zentralen Orten. Daneben koennen sich Hauskirchen und ihre Gemeinden ihre eigene Liturgien und Leitungsstrukturen entwickeln, die weniger vertikal und mehr vernetzt waeren.



O.K. Das ist meine ganz persoenliche Interpretation. Da ist noch viel zum Weiterdenken, Austauschen und Tun.

Was die Kirche betrifft, ist meine Praelatur in Peru gerade am Arbeiten an der Bildung und Vernetzung von Hauskirchen.

Fangt doch einfach an. Zuhause. Eine Gebetsecke einrichten und die Mitbewohner zum Sonntagsgebet einladen. Mit anderen Materialien dafuer austauschen. Mit geichgesinnten Familien eine zunaechst virtuelle Gemeinde gruenden, die dann auch wieder zunaechst virtuell sich mit einer Pfarrei vernetzt. Oder der Pfarrer/Hauptamtliche sammelt und inspiriert Familien, die er dann zu Gemeinden vernetzt.  

martes, 24 de marzo de 2020

Srafe Gottes oder Perversion


Die Behauptung, der Coronavirus sei eine Strafe Gottes fuer die Abtreibung und die Homosexualitaet wird in letzter Zeit vereinzelt von Sektenpredigern und katholischen Bischoefen wieder erhoben. Sie ist eine theologische und psychologische Perversion.

1.       Gott straft nicht, der Mensch bestraft sich selbst und allenfalls die Natur verzeiht niemals. Auch wenn der Gedanke der Strafe Gottes im Alten Testament immer wieder zu finden ist, so wird er im Buch Job und ganz besonders durch Jesus Christus entschieden zurueckgewiesen (Lk 13,2-5; Jn 9,3). Gott hat kein Chemielabor aus dem er toedliche Viren hervorzaubert. Er leidet vielmehr am Kreuz mit den Opfern des Virus mit, er kaempft mit den Aerzten und Pfegepersonal an dessen Ueberwindung.

2.       Wer den Coronavirus und andere Katastrophen ohne Grund und inneren Zusammenhang immer wieder mit sexuellen Themen (Abtreibung, Homosexualitaet, Gender) in Verbindung bringt, offenbart damit wahrscheinlich ein eigenes inneres Problem: ein verdraengte und unreife Sexualitaet, die wahrscheinlich heimlich und pervertiert ausgelebt wird. Das permanente Herumhacken und Verteufeln dieser Themen ist dann eine Stategie des Selbstschutzes.

Es ist eine Schande, dass es in den verschiedenen Kirchen immer noch diese theologisch und menschlich Pervertierten gibt. Zum Wohl der Kirchen und der Menschheit gehoert ihnen dringend der Mund gestopft. Papst Franziskus redet wohltuend anders: Von einem barmherzigen Gott und ohne sich staendig auf die Themen der menschlichen Sexualitaet zu versteifen.

martes, 17 de marzo de 2020

Meine Sicht aus dem Glauben: Coronavirus als Chance zur Veränderung


Der Coronavirus zeigt uns die Zerbrechlichkeit der globalisierten Welt: Etwas so Kleines kann weltweit Panik und enorme wirtschaftliche Verluste verursachen. Die Weltpresse verbreitet es mit Morbidität: Jeden Tag gibt es neue Zahlen von Infizierten und Toten, und niemand hat die Lösung. Das ist das Erschreckendste: Unsere gesamte Technologie, Wissenschaft und unser Geld können einen kleinen, unsichtbaren Feind nicht bekämpfen. Sie konfrontiert uns mit unserer tiefsten Angst: Unser Leben ist bedroht, wir könnten bald sterben und niemand wird uns retten.
In diesem Sinne zerstört der Coronavirus das Glaubensbekenntnis des modernen Menschen: sich selbst für allmächtig zu halten. Mit dem Geld und dem Wissen, das er hat, gegen alle Risiken des Lebens versichert zu sein. Dem ist nicht so. Wir sind in dieser Welt immer noch zerbrechlich und bedroht. Der Glaube an Technologie und Geld kann Sie nicht vor der Zerbrechlichkeit Ihrer Existenz retten: Sie sind sterblich. Punkt.
Die Armen dieser Welt haben immer gewusst, dass wir nicht die Herren unseres Lebens sind. Wir haben es von einem anderen erhalten: Es gibt einen Gott, der über allem Irdischen steht. Jetzt vor dem Coronavirus sind wir alle arm, hilflos, ängstlich: Das ist Ihre Chance: Verlassen Sie die falschen Götter, die in dieser Krise der Moderne nicht mehr nützlich sind: Der Gott des Geldes, der Gott der menschlichen Allmacht. Und akzeptieren Sie die andere Wahrheit: Sie sind ein Geschöpf. Es gibt jemanden über Ihnen steht, der Sie liebt, auch wenn Sie ihn verlassen haben. Es ist Gott. Er ist der Vater von Jesus. Er hört nicht auf, Sie anzurufen. Er hört nicht auf, an Sie zu glauben. Und jetzt ist es an der Zeit, sich zu ändern und ihm zu vertrauen.
Klingt das für Sie wie eine Illusion? Eine Projektion? Ein "Opium für das Volk", wie Marx es definiert hat? Es ist kein Beruhigungsmittel. Es ist eine Hand, um vorwärts zu gehen, gemeinsam zu kämpfen und sich in schwierigen Zeiten begleitet zu fühlen. Sie entscheiden: Wollen Sie sich Ihren Existenzängsten allein stellen oder nehmen Sie eine freundliche, unvergiftete Hand an? Es gibt die Hand Gottes.
Warum bin ich mir da sicher? Die Bibel sagt in Lk 13,4-5: "Oder glauben Sie, dass die achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Siloam starben, schuldiger waren als der Rest der Einwohner Jerusalems? Ich sage Ihnen, nein, und wenn sie sich nicht bekehren, werden Sie alle auf die gleiche Weise enden".
Die 18 Toten aus dem Einsturz des Turms von Siloam sind wie die Opfer des Coronavirus. Sie sind nicht gestorben, weil sie schlechte Menschen waren. Es war keine Strafe Gottes. Aber sie sind ein Zeichen für uns: Wir müssen zum Gott der Bibel zurückkehren. Wir müssen unsere Gewohnheiten und Überzeugungen ändern. Dieser Virus ist ein starkes Zeichen und eine Einladung zur Veränderung...
Und wie kann ich mich ändern?
Wer nicht an Gott glaubt, suche einen Menschen, der glaubt. Lassen Sie sich von ihm sagen, wie der Glaube ihm Hoffnung gibt. Lassen Sie sich von ihm über seine Erfahrungen und Überzeugungen berichten. Auch wenn es über das Telefon ist. Auch wir Gläubigen haben Angst, aber viel weniger, weil wir nicht allein sind.
Auch wir Gläubigen fühlen uns in dieser Krise der postmodernen Gesellschaft in Frage gestellt. Was sagt uns unser Glaube in dieser Krise? Meine Überzeugung ist diese:


1. In der Einsamkeit Gott suchen:

Lesen Sie die Bibel. Beten Sie (es ist wichtig, dass die Kirchen nicht geschlossen werden, auch wenn es keine Messen oder Gottesdienste gibt, sollten sie Orte der persönlichen Begegnung mit Gott anbieten.
In der Stille wird Gott zu Ihnen sprechen. In den Geräuschen der Tempel und Konsum-Events werden Sie Ihn nicht finden. Gott sei Dank: Für eine Weile wird alles geschlossen sein. Es ist die Zeit der Fastenzeit, die Zeit des Fastens, die Zeit der Wüste, in der Gott will, dass Sie sich wieder in Ihn verlieben... Es ist eine Quarantäne der Welt, die Sie für die andere Dimension öffnet…


2. Ihr Leben vereinfachen und die Umwelt schonen

Das Coronavirus hat erreicht, was kein Umweltschützer und kein Papst erreichen konnte: uns zu überzeugen, dass ein einfacherer Lebensstil uns glücklicher macht. Jetzt, wo internationalen Flüge gestrichen wurden, verbrauchen wir weniger Energie, wir verlangsamen den Klimawandel, wir verlangsamen unser hektisches Leben. Die am meisten Ausgeschlossenen, Verlassenen und Vergessenen leben sicherer und glücklicher: Es ist das "Good Living", das sie glücklich macht und nicht das mehr und mehr Haben-Wollen.

3. Die Kirche ist nicht Masse: sie ist eine Familiengemeinschaft

An einigen Orten gibt es wegen des Virus keine Messen mehr. Aber wir können uns zu Hause treffen, als Familie. Sprechen Sie ueber ihre Ängste und Probleme. Lassen Sie das Handy für Momente des Dialogs und des Gebets stehen. Finden Sie die Lebensqualität dort: in den Personen an ihrer Seite. Bei den Großeltern. Sie sind für uns die „Naechsten“. Jesus sagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da werde ich in eurer Mitte sein". Wie beten? Ich finde den Rosenkranz beruhigend. Er wiederholt dieselben Worte, bringt Sie aber in Gottes Rhythmus. Im Internet finden Sie Hilfe, zum Beispiel beim Beten. Und Schweigen. Und die Bibel. Versuchen Sie es als Familie oder mit denen, die sich das Haus, die Nachbarschaft teilen. Mit weniger Menschen ist es besser. Man kann sich auch virtuell verbinden: es gibt Messen, Gebete, Impulse…

4. Ihre Ängste in Gottes Hand legen

Haben Sie schon einmal einen Blankoscheck unterschrieben und einem Freund ausgehändigt? Das ist ein großes Risiko. Er kann Sie täuschen, Sie ruinieren. Nur wenn Sie dem Freund absolut vertrauen, können Sie es tun. Ich habe dieses Vertrauen in Gott. Ich gebe ihm jeden Tag einen Blankoscheck. Er wird das einbauen, was endlich das Beste für mich sein wird. Ich tue alles Notwendige und akzeptiere alles, was von Gott kommen wird: Ob ich den Virus bekomme oder nicht: Gott will und tut immer das, was für mich am besten ist. Ich bau auf Deine Macht und Deine Guete. Sind Sie bereit, Gott eine Blankovollmacht fuer Ihr Leben auszustellen?

 Lima, 13. März 2020 +Reinaldo Nann

sábado, 14 de marzo de 2020

Endlich: Der Impfstoff fuer den Virus ist da


Der Coronavirus haelt uns weltweit alle auf Trab. Da er neu ist, hat ihn niemand im Griff. Die Panik ist allerdings speziell bei der Mittel- und Oberschicht zu spueren. Die Armen sterben sowieso auch an allen moeglichen Krankheiten und weit haeufiger als an diesem Virus. Fuer Hamsterkaeufe haben die Armen kein Geld. Dadurch nehmen sie das Ganze weitaus gelassener, sie wissen ohnehin, dass man sein Leben nicht vollkommen „im Griff haben“ kann.

Fuer mich offenbart sich in unserer Reaktion auf den Virus eine seelische Krankheit, ein Virus der schon lange das Denken mindestens der Intellektuellen aller Laender infiziert hat: das Machbarkeitsdenken, der Glaube sein eigener Gott zu sein, der blinde Glaube an Wissenschaft und Fortschritt. Pater Josef Kentenich der Gruender der Schoenstattbewegung hat es das „mechanistische Denken“ genannt, ein Denken das ganz im Materiellen bleibt und das Spirituelle ins Private verbannt. Dagegen setzt er das „organische Denken“, modern ausgedrueckt: „alles ist miteinander vernetzt“. Das mechanistische Denken vergleicht er just mit einem „Virus“, der bereits ganz Westeuropa infiziert hat und sich von dort ueberall ausbreitet. Das sagte er vor ca. 80 Jahren, damals gab es noch keinen globalen Virenalarm.

Meine These: Wir waren schon laengst geistig und seelisch infiziert mit dem Virus des „mechanistischen Denkens“.  Deshalb ist unsere postmoderne Gesellschaft so anfaellig fuer Krisen aller Art, zur Zeit gerade der Coronavirus. Unsere ueberreizten Reaktionen legen diesen geistigen Virus offen, der interessanterweise bei vormodernen Bevoelkerungen wie z.B. in den Anden und am Amazonas so nicht festzustellen ist. Da gibt es eine gewisse Imunitaet. Wollen wir als Gesellschaft uns von dieser geistig-seelischen Epidemie schuetzen, muessen wir im Kontakt mit der imunen Bevoelkerung einen Impfstoff entwickeln und zwar dringend.

Pater Kentenich empfahl als Impfstoff die Marienverehrung. Sie hilft uns mit Gott in Verbindung zu treten und dennoch ganz geerdet zu bleiben. Tatsaechlich ist diese bodenstaendige Marienverehrung in der Volksreligiositaet der Armen Lateinamerikas gut festzumachen. Was waere darin der Impfstoff: Die Kindlichkeit. Ein Kind Mariens geht niemals zugrunde. Ein Kind Gottes vertraut auf Gott in den schwierigsten Situationen. Niemals wird es Hamsterkaeufe machen. Niemals wird es in Panik ausbrechen. Es kennt keine Depressionen. Es ist imun. Der ganzen westlichen Welt wuerde ich so gerne eine Dosis Kindlichkeit einimpfen, in wenigen Wochen waeren wir alle geheilt.

Ich will damit keiner Verantwortungslosigkeit das Wort reden. Wir sollten alles tun, was wir tun koennen, um den Coronavirus einzudaemmen. Auch hier gilt: Bete so, als hienge alles von Gott ab. Aber handle so, als hienge alles von Dir ab. Oder wie wir in Schoenstatt sagen: „Nichts ohne Dich (Gott) – Nichts ohne Uns“. Das gibt Gelassenheit und Entschlossenheit zur gleichen Zeit. Und in diesem Gleichgewicht bleiben wir seelisch und koerperlich gesund.