miércoles, 30 de octubre de 2019

Statement von Bischof Reinhold Nann zum Abschluss der Amazonassynode




1.       Was bringt die Synode fuer die Kirche am Amazonas?

1. Sie hat die 100 Vikariate, Praelaturen und Dioezesen im Amazonasgebiet geeint und bestaerkt. Dies war bereits in der zweijaehrigen Vorbereitungszeit zu spueren und wird konkret in einem neuen Organ der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz fuer Amazonien. Die Bischoefe sind mutiger geworden, gemeinsam neue Wege zu gehen.

2. Die Kirche wird noch staerker als bisher die Intereesen der Ureinwohner und der Umwelt vertreten. Eine kulturelle und oekologische Bekehrung ist im Gange.

3. Die Kirche wird sich noch staerker als bisher in die Welt der Amazonasvoelker zu inkulturieren versuchen: ihre Botschaft, ihre Liturgie und ihr Personal. Mision wird nicht mehr als Aufpfropfen europaeischer Denkweise verstanden sondern als interkultureller Dialog.

4. Die Kirche wird mehr Ureinwohner zu Diakonen ausbilden, einige davon koennten spaeter auch Priester werden. Es wird wohl eine Art Amt der “Gemeindeleiterin” geschaffen werden, das dem des Diakons weitgehend aehneln wird.

5. Daher sehe ich die Amazonassynode fuer uns hier in Suedamerika als eine ganz grosse Gnade an. Das einzige, was ich mir gewuenscht hatte, waere eine Wahlbeteiligung von Frauen gewesen, obwohl auch so ja alle Vorschlaege mit Zweidrittelmehrheit durchgegangen sind. Das synodale Moment war stark, sollte aber nicht am Ende allein auf Bischoefe beschraenkt bleiben.



2.       Was koennte die Amazonassynode fuer Deutschland und Europa bringen?

Die Synode war ein lokaler Prozess fuer eine lokale Kirche. Dennoch kann man davon lernen, wie man selbst aehnliche Prozesse in Europa gestalten koennte. Ich moechte hier nur ein paar Denkanstoesse geben. Gleichzeitig nervt mich die vorschnelle Kritik von vielen Europaern, die Amazonassynode habe nichts gebracht. Das ist  ein schrecklicher Eurozentrismus, den die Synode gottseidank ueberwunden hat. Wahrscheinlich ruehrt diese Kritik von ueberzogenen Erwartungen her.

11.      Die europaeische Kirche ist in Fragen des Umweltschutzes eigentlich schon viel weiter als die suedamerikanische. Eine staerkere Verzahnung des Engagements fuer die Umwelt und der Pastoral waere wichtig. Arbeitet fuer die oekologische Bekehrung der Kirche und der Staaten Europas.

22.     Europa hat keine wirklich wichtige Europaeische Bischofssynode. Da koenntet ihr vom CELAM einiges lernen. Ebenso war es das Netzwerk REPAM, das den Prozess der Synode ganz entscheidend vorbereitet und gepraegt hat. Ihr braucht eine synodale Bekehrung in Netzwerken.

33.    Die synodale Bekehrung in Europa muss sich mehr vom Heiligen Geist leiten lassen als von Strukturdebatten. Ihr muesst mehr auf euer Volk hoeren und in Momenten der Stille, auf Gott. Wenn es kein geistlicher Prozess wird, werden keine guten Fruechte hervorkommen.

44.    Laien und Frauen haben in der europaischen Kirche breits eine wichtige Bedeutung und das muesste weit mehr anerkannt werden. Die Amazonassynode geht hier bereits erste Schritte. Ich denke, es sollte eine Synode zum Amt in der Kirche nicht nur fuer Europa sondern fuer die Weltkirche geben. Hoffentlich noch, solange Franziskus im Amt ist.

55.    Seit der Amazonassynode bedeutet “Weltkirche” nicht mehr Uniformitaet des ewig Gestrigen. Teilkirchen duerfen jetzt auch eigenstaendige Wege gehen, selbstverstaendlich mit und nicht gegen den Papst.

66.   Der Heilige Oskar Romero hat gesagt, die Kirche kann nur erloest werden, wenn sie sich den Armen zuwendet. Die europaeische Kirche hat das teilweise bei den Fluechtlingen getan. Aber es gibt da in den Gemeinden noch viele Widerstaende. Keine Strukturreform wird euch die Erloesung bringen, nur die Armen werden erloest. Fuer sie ist die frohe Botschaft des Reiches Gottes. Diese Themen sehe ich nicht im deutschen synodalen Prozess. Zieht den Kreis nicht zu eng.

jueves, 5 de septiembre de 2019

¿Worum geht es bei der Amazonassynode?

Es ist eine Regionalsynode, an der ca. 120 Bischoefe dieser Region teilnehmen. Sie findet im Oktober 2019 in Rom statt, mit Beteiligung von Papst Franziskus, der vor 2 Jahren schon diese Synode angekuendigt hat. Sie wurde seither bestens vorbereitet, mit vielen regionalen Kleinsynoden die das Arbeitsdokument zu dem heutigen Instrumentum Laboris gemacht haben, das die Arbeitsgrundlage der Synode sein wird. Der Untertitel lautet bezeichnenderweise: „Neue Wege fuer die Kirche am Amazonas“. Der Lateinamreikanische Bischofsrat hat bereits 2005 in Aparecida Amazonien in den Blickpunkt genommen, daneben darf man vor allem die Enzyklika Laudato si als Grundlagendokument ansehen.

Kardinal Pedro Barreto aus Peru, Vizepraesident der Synode, sagt: Es geht bei der Synode darum, die Kirche zu „amazonisieren“ und die Welt zu „laudatosifizieren“.

Die Kirche amazonisieren: Es geht um eine „pastorale Bekehrung“. Die Kirche wird wirklich zur Amazonaskirche, indem sie in einen echten interkulturellen und interreligioesen Dialog mit den Amazonasvoelkern eintritt. In diesem Sinne muss man die Suche nach eigenen Formen der Verkuendigung, Liturgie und Aemtern in der Kirche verstehen.

Die Welt laudatosifizieren. Es geht um eine oekologische Bekehrung. Der Klimawandel braucht dringend eine uberzeugende Antwort. Die indigenen Voelker haben eine ganz eigene Art ihre Umwelt zu verstehen und zu schuetzen. Wir muessen sie gegen den wilden und seelenlosen Kapitalismus schuetzen. Mit ihrer animistischen Weltsicht koennen sie uns helfen, die spirituelle Dimension der Umwelt zurueckzugewinnen und damit das gemeinsame Haus besser zu schutzen.

miércoles, 14 de agosto de 2019

Interview zur Amazonassynode


1) Herr Bischof Nann, die Amazonas-Synode weckt im Vorfeld in vielen

Ländern Hoffnungen und Befürchtungen. Wie sehen Sie das?



Ich denke dass es in Europa viele ueberzogene Erwartungen und Befuerchtungen gibt. Die Amazonassynode ist kein allgemeines Konzil. Sie wird die Kirche nur besser fuer die Realitaet des Amazonasgebiets aufstellen. Europa muesste fuer seine Kirchenreform schon eine eigene europaische Synode machen. Sie ist und bleibt eine lokale Synode, allerdings was das Klima und den Umweltschutz betrifft, wird die Synode universal sein. Fuer mich als Bischof in Peru ist die Synode eine grosse Hoffnung: Die Kirche wird wirklich zur Ortskirche und kuemmert sich ganz konkret und direkt um die Menschen und die Umwelt, mit all ihren Problemen und das mit direktem Rueckenwind von Papst Franziskus.



2) Teilen Sie die Skepsis, die mehrere Kardinäle mit Blick auf das

Instrumentum laboris geäußert haben? Sehen Sie Korrekturbedarf?



Es ist schon eigenartig, dass diese Kardinaele alle keinerlei Bezug zum Amazonasgebiet haben. Und sie scheinen an spirituellem Alzheimer zu leiden. Das Instrumentum Laboris ist naemlich zum allergroessten Teil die Anwendung der Enzyklica Laudato Si auf ein konkretes Gebiet hin. Und diese Enzyklica ist schliesslich auch Teil des obersten kirchlichen Lehramts, wodurch manche dieser Kritiker unter Haeresieverdacht zu stellen waeren.



3) Trifft das Instrumentum laboris die Probleme der Menschen in Ihrer

Region?

Ja. Ich arbeite im Moment in den Anden, also nicht mehr im Amazonasgebiet. Aber die Quelle des Amazonas liegt in den Anden, keine 300km von meinem Bischofssitz entfernt. Und die Kultur der Andenbewohner ist in vielem denen der Amazonasbewohner aehnlich. Auch hier sind die Menschen arm aber sehr mit der Natur verbunden. Auch hier ist diese Natur von Minen bedroht. Auch hier herrscht ein eklatanter Priestermangel.



4) Welche Bedürfnisse und Nöte der Menschen im Amazonas sollte die Kirche

sorgfältiger in den Blick nehmen?



Kirche muss praesenter vor Ort werden. Es kann nicht sein, dass ein Dorfbewohner tagelang unterwegs sein muss um einen pastoralen Mitarbeiter der katholischen Kirche zu treffen.

Kirche darf sich nicht nur ueber die Sakramente definieren. Armut, Exklusión und Umwelt sind die Themen. Geht es um die “kleinen Leute”, so wie bei Jesus?



5) Was hat Ihnen während Ihrer Zeit als Pfarrer einer Amazonasgemeinde am

dringendsten gefehlt? Wären mehr viri probati eine Hilfe gewesen?



Meine Pfarrei hatte 37 Doerfer am Putumayofluss umfasst, auf 800km Laenge. In nur 3 Doerfern gab es ueberhaupt Katecheten und das weiteste Dorf war 4 Tagesreisen entfernt. Da kann man nur Feuerwehr machen. Ich haette zunaechst Geld und Personal gebraucht fuer die Schulung und Neugewinnung von Katecheten. Spaeter haette ich sie zu Kommunionhelfern und staendigen Diakonen gemacht. In meiner Pfarrei waren die Viri Probati noch nicht dran.  In manchen anderen Gegenden vielleicht schon. Es muessten Leute aus dem Dorf sein, Indigene, die auf ihren Dienst erst vorbereitet werden muessten.



6) Wünschen Sie sich für Ihre Territorialprälatur  eines Verstärkung des

Klerus als Lösung?



Ich habe einen jungen Klerus, der aber bei weitem nicht ausreicht. Meine Praelatur ist duenn besiedelt mit ueberwiegend armen Kleinbauern. Von 22 Pfarreien sind nur 15 besetzt und jede hat zwischen 10-50 Doerfer zu betreuen. Wenn ich mehr Priester haette, koennten sie von den mageren Einnahmen dieser Doerfer kaum leben. Ich brauechte also nebenamtliche Priester, die noch einen Zivilberuf haben. Die gibts aber nur verheiratet, bzw. zusammenlebend. Ich braeuchte also Viri Probati, Will es zunaechst einmal als Notloesung mit Katecheten und verheirateten Diakonen probieren. Allerdings gibt es auch da ein Problem: Es gibt nur wenige kirchlich verheiratete Laien.



7) Welche Maßnahmen könnten die Seelsorger im Amazonas entlasten und die

Seelsorge in Gemeinden verbessern, in denen sonntags oft keine Eucharistie

gefeiert werden kann?



Im Amazonas ist Eucharistie im Unterschied zum Andengebiet nicht wirklich von den Bewohnern gefragt. Ein Wortgottesdienst ist fuer die meisten genauso eine Messe. Nur wir Theologen meinen, die Eucharistie waere halt das Wichtigste. Zunaechst koennten gut ausgebildete Katecheten sehr gut den Priester ersetzen. Aber diese Katecheten sollten auch eine Art Amt haben, das ihren Dienst in den Augen der Mitbewohner legitimiert.



8) Welche Erfahrungen haben Sie mir der so genannten "indigenen Theologie"

gemacht? Welches Gewicht kommt ihr zu?



Das ist eine grosse Hoffnung fuer mich. Wer mit Indigenen arbeitet muss eine indigene Theologie vertreten und eine indigene Kirche aufbauen, sonst wird Kirche fuer die indigenen Voelker immer ein Fremdkoerper sein. Inkulturación  bzw. Interkulturalitaet ist die entscheidende Herausforderung fuer die Kirche heute. Bisher wurde die Inkulturation des Evangeliums und damit eine effektive Evangelisierung durch den Verweis auf die “Weltkirche” auch hier in Peru immer verhindert. Daher ist diese Theologie auch in Peru noch nicht mehrheitlich angenommen, aber sie ist im Kommen.



9) Ein deutscher Bischof erwartet sich von der Amazonas-Synode eine Zäsur

für die Kirche. So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf

dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der

Frau in der Kirche müsse überdacht werden. Wie denken die Gläubigen in

Ihrer Territorialprälatur? Was erwarten sie von der Synode?



Natuerlich sind diese Fragen irgendwie mit drin in der Amazonassynode, aber sie treffen nicht den Kern. Die Kirche war am Amazonas bisher schlicht unfaehig, ihre hierarchische Struktur praesent zu machen, ganz geschweige  ihre Sexualmoral. Die Leute leben ihre Moral nicht die kirchliche, was vor allem mit der ganz grossen Abwesenheit der Kirche in ihrem Leben zu tun hat.  Aber das ist kein grosses Thema bei uns . Hier geht es vor allem um Umwelt und Inkulturation. Die Rolle der Frau ist allerdings auch hier in Thema. Es wird ueber ein neues Amt fuer Frauen nachgedacht, eine Art “Gynakolytat”, das dem Diakon zumindest gleichgestellt waere. Wir erwarten eine Kirche, die sich den Armen ganz konkret annaehert, sie beleitet und bestaerkt und fuer die Mutter Erde prohetisch eintritt.

sábado, 29 de junio de 2019

Kommentar zum Brief des Papstes an das Volk Gottes in Deutschland


Zum Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland

Der Brief des Papstes kam fuer alle ueberraschend. Er ist als sein Beitrag zum „synodalen Weg“ in Deutschland zu sehen. Der Papst mischt sich ein, nicht bestimmend, nicht zurechtweisend sondern ermutiegend. Dabei gibt er keine Loesungen vor, zeigt aber Gefahren am Weg auf und macht so eine Weichenstellung, in welche Richtung wir auf dem Weg schauen sollten. Den Weg gehen und die richtigen Schritte tun, das muss die deutsche Kirche dann schon selber tun.

Nicht der erste Papstbrief an ein bestimmtes Land

Im letzten Jahr gab es zwei Briefe von Franziskus. Der erste am 31.5.18 an das Volk Gottes in Chile und der zweite am 20.8.18 an das Volk Gottes ganz allgemein. In beiden Briefen geht es um die Missbrauchsproblematik in der Kirche, im zweiten Brief wird zwar die USA nicht direkt angesprochen, aber der Ausloeser war doch klar die Missbrauchsstudie von Pensilvania. Im Brief an die deutsche Kirche wird zwar der Missbrauch nicht angesprochen, es ist aber doch klar, dass er der direkte Ausloeser der Krise ist, auf die der synodale Weg antworten moechte.

Synodalitaet als Grundprinzip

Der Papste freut sich ueber den synodalen Weg. Er warnt nicht vor dem Weg an sich, sondern vor gewissen Gefahren, die sich dabei ergeben koennten. Er praktiziert Synodalitaet bei seinen jaehrlichen Bischofssynoden im Oktober in Rom. Er entscheidet nicht alles selbst mit dem Heiligen Geist, sondern ist ueberzeugt, dass der Heilige Geist im gesamten Volk Gottes wirkt. Der Synodale Weg in Deutschland darf daher nicht nur eine Bischofssynode sein. Der Weg muss in den Pfarreien und Dioezesen beginnen, bevor die Bischoefe mit einigen Experten darueber beraten. Es ist wichtig, auf das Volk Gottes zu hoeren, nicht nur auf Statistiken und Wissenschaftler. Der Synodale Weg sollte also in den Pfarreien und Verbaenden beginnen.

Strukturreformen greifen zu kurz

Wir Deutschen werden zwar gelobt als gute Organisierer, aber es wird auch klar festgestellt, dass rein technische Strukturreformen (wie sie zur Zeit ja in vielen Dioezesen zaehneknirschend durchgefuehrt werden) nur kurzzeitige Erleichterung bringen, ohne das Problem loesen zu koennen. Und die Loesung liegt auch nicht in radikalen kirchlichen Reformen bei den „Reizthemen“ Zoelibat, Frauenpriestertum und Sexualmoral. Das darf auf keinen Fall ausgeklammert werden, aber man darf sich davon nicht allzu viel fuer die langfristige Loesung der Krise in einer „Zeitenwende“ versprechen.

Der synodale Weg geht nicht nach vorwaerts oder rueckwaerts sondern nach oben und unten

Noch immer ist die deutsche Kirche in das konservative und progressive Lager gespalten, auch wenn das letztere klar im Aufwind ist. Der Papst stellt klar, dass ein Weg zurueck nach einem Modell der Kirche von fruehren Zeiten nicht geht. Aber ebensowenig nuetzt es, einfach alles ueber den Haufen werfen zu wollen, was in der gegenwaertigen Gesellschaft nicht verstanden wird, das waere „Verweltlichung“, Einebnung des kritisch prophetischen Potentials des Evangeliums. Der Papst insistiert in einem dritten Weg, dem geistlichen Weg. Wir muessen uns zwar die konkrete Realitaet ganz genau anschauen, aber dann alles von „oben“ vom Geist Gottes her erwarten. Wir koennen die Loesung nicht einfach „machen“, sie wird nicht in Kampfabstimmungen erreicht sondern im Hinhoeren auf Gott. Die entscheidende Frage dieses geistlichen Prozesses wird sein: „Was will uns der Geist Gottes in dieser Situation sagen?“. Glauben wir ueberhaupt noch daran, dass Gott auch heute spricht, in den Ereignissen, in den Noeten der Menschen? Haben wir die Methoden, geistlich hinzuschauen und hinzuhoeren oder sind unsere Methoden gaenzlich intellektuell-wissenschaftlich gepraegt? Auch da koennte eine blinde Stelle im deutschen Katholizismus liegen. Nach unten schauen, auf die Realitaet der Notleidenden, und dort die Stimme Gottes hoeren, die von oben kommt.

Geistliche Unterscheidung und Pastorale Bekehrung

Der Papst stellt nicht die Machtfrage: Ich habe recht, weil ich der Papst bin. Nein er ermutigt uns Deutsche, selbst taetig zu werden im Sinne eines geistlichen Unterscheidungsprozesses. Das sollte auf der untersten Ebene bei den Pfarreien beginnen, sich in den Dioezesen fortsetzen und schliesslich auf nationaler Ebene gebuendelt werden.

Der Reformprozess des synodalen Weges muss bei einer „pastoralen Bekehrung“ ansetzen. Dieses Wort ist ein Schluesselwort in dem Lehrschreiben Evangelii Gaudium, auf das sich der Papst immer wieder bezieht. „Conversión Pastoral“ wurde in der Deutschen Ausgabe mit „Neuausrichtung der Seelsorge“ uebersetzt, was die eigentliche Bedeutung geradezu straeflich verwaessert. Bekehrung ist viel grundsaetzlicher als Neuausrichtung. Sie ist das Eingestaendnis, dass wir bisher etwas ganz falsch gemacht haben. Es geht darum nicht mehr den Selbsterhalt der kirchlichen Organisation als oberste Maxime zu setzen, sondern die Noete und Sorgen dieser Welt zu sehen, und vom Evangelium her versuchen, darauf eine Antwort zu geben. Die deutsche und die universelle Kirche muss eine missionarische Kirche werden, die die Umwelt und die Armen ihrer Gesellschaft besonders im Blick hat. 


Auf diesem Weg gilt es auch Spannungen aushalten zu lernen. Gerade in diesen Spannungen ruft uns der Heilige Geist, nicht vorschnelle Loesungen zu suchen sondern auf das Evangelium zu hoeren. 

Lasst uns den Synodalen Weg im Gebet um den Heiligen Geist beginnen.

Caravelí, 29.06.19           Reinhold Nann, Bischof von Caravelí

Der Autor hat 9 Jahre  als Priester in der Erzdioezese Freiburg  und 23 Jahre als Missionar in Peru gearbeitet.

sábado, 15 de junio de 2019

Ein Beitrag auf alemannisch zur Amazonassynode


In dr Seel vum Amazonas schwimme

Fir selli Remer vor zwodausend Johr , sin mir Alemanne au emol di Wilde gsi,

Wege dem schrib i jetz emol in der Sproch vu de Igeborene bi mir deheim.

Sechstausend kilometer ischer lang un windet sich durch de Uehrwald wia a Schlang

S isch a triebi Brieh, mee bruen wia suefer siehter ues

Aber seller Dreck wu ner mitbringt isch a Sege fir sell Land wuner demit iberschwemme duet.

Nur seller Schisdreck vu Quecksilber vu de Goldsuacher

un sel Eel vu der Erdeelbohrer, wo furtlauft

un seller Huefe Wald wu si scho abgholzt hen - sel isch nit grad so gsund.



He wa hets do Wasser. Un Baim, hecher wia de Minsterturm.

Un Fisch, un Viecher, des kansch der nit vorstelle.

Wenn nur selli Muckeseggel nit waere, si lehn dr bigot kei Rua.

S’het a paar alti Heiler, dia sage, s’waer frieher nit so gsi.

Aber seli bese Geischder vu sellene wu iberal nur de Profit sueche,

die sin in selli Schnooge nigfahre

Un sitterher simmer halt plogt.

Dr Amazonas isch wie a Vatter wu de Muaderboode segne duet

Un alli Kinder, seies Mensche, Tierer oder Pflanze hen a Seel.

Wenn dr des alles bschausch, do muesch doch eifach an a Herrgott glaube.

Dr Amazonas gibt dr halbe Welt si Luft zum schnuefe.

Mr sotte scho ne bitzili meh ufn uffpasse.

martes, 7 de mayo de 2019

Kirchen-Manifest: Ein deutsch-peruanischer Bischof macht sich so seine Gedanken zur Kirche:



Kirchen-Manifest: Ein deutsch-peruanischer Bischof macht sich so seine Gedanken zur Kirche:

¿Was passiert gerade in der katholischen Kirche?

1.       Wir werden weniger: Massiver Mitgliederschwund in Deutschland. Massiver Rueckgang der Gottesdienstbesucher und massiver Rueckgang der Zahl der Priester.

2.       Missbrauchskrise: Die Missbrauchskrise hat die Glaubwuerdigkeit des Klerus, die hierarchische Struktur der Kirche und den Zoelibat noch einmal massiv in Frage gestellt.

3.       Fluegelkaempfe: Im Vatikan und auf der Ebene der Bischoefe geht es gerade heiss her: Immer deutlicher aeussern sich Kritiker von Papst Franziskus: Erst waren es die Zweifler-Kardinaele (dubia): Burke, Meissner, Brandmueller und Caffara. Dann kam Kurienerzbischof Viganó gefolgt von einigen US-Sympatisanten. Und gerade erst Papst Benedikt und Kardinal Mueller. Kardinal Sarah gehoert schon laenger zu diesem Fluegel.

Die konservative Fraktion stellt sich gegen Franziskus und dessen Reformplaene. Kardinal Mueller meint gar, die Kirche als Institution sei gar nicht reformierbar, weil sie von Gott stammt. Dass sich ihre geschichtliche Gestalt in den letzten 2000 Jahren staendig veraendert hat, scheint er ueberhaupt nicht wahrzunehmen. Auf der anderen Seite ein staendig wachsender Block der (nicht nur aber vor allem) von Franziskus ernannten Bischoefe und Kardinaele. Die Synodalitaet bringt Bewegung in die Reform der Kirche, auch wenn sie aufgrund der grossen Zahl der Bischoefe und der sehr unterschiedlichen Situationen weltweit nur sehr langsam vorankommt. Und es gibt auch einige sehr agressive rueckwaertsgewandte Priester und Laien.

4.       Frauenfrage Daran kommt die Maennerkirche nicht vorbei. Und es faellt ihr unsagbar schwer, hier wirkliche Erneuerung zuzulassen. Viele Frauen in Europa und Nordamerika werden ungeduldig, koennen nicht laenger warten: Wird es rechtzeitig zu wirklichen Reformen kommen, oder werden die Frauen massiv aus der Kirche auswandern? Das koennte zu einer neuen Fluechtlingskrise fuehren. (Das koennte man auch ausweiten auf die Laien- und Gender-Fragen).

5.       Welt ohne Gott: Gott kommt kaum noch vor in der saekularen Welt. Allenfalls als Traditión, Erinnerung an fruehere Zeiten. Der Mensch hat seine Stelle eingenommen. Aber die Welt ist dadurch nicht menschlicher geworden: Gewalt, Krieg, Leid und Hunger sind nicht auszurotten.



¿Wohin wird das fuehren?

Was ich mir nicht erhoffe:

1.       Eine Spaltung in der katholischen Kirche. So wie nach dem Konzil die Lefebfre-Leute aus der Kirche auszogen, koennten nun auch die Burkes und Muellers eine neue, „rechtglaeubige“ Kirche gruenden.

2.       Ein massiver Auszug der fortschrittlichen Kraefte aus der Kirche mit einem anschliessenden Rechtsruck der Uebriggebliebenen, die im besten Fall noch die Groesse einer Sekte wie die Zeugen Jehovas haette.

3.       Eine voellige Verweltlichung der Kirche. Ohne frohe Botschaft, ohne Gott, waere sie noch so eine Art christlicher Heimatverein mit etwas sozialem Engagement.

Was ich mir erhoffe:

1.       Kirche, als Ort des Lebens. Da darf und muss es unterschiedliche Formen von Zugehoerigkeit geben: Engagierte, die in kleinen intensiven Gemeinschaften zuhause sind und von dort aus wirkliches soziales oder kirchliches Engagement zeigen. Mitarbeiter, die sich zeitweise und je nach ihren Gaben engagieren. Mitglieder, die die Intensitaet ihrer Mitgliedschaft selber bestimmen koennen. Sprirituelle, die bei der Kirche immer wieder auftanken, ohne sich deswegen binden zu muessen. Hilfesuchende, die zumindest ein offenes Ohr finden.

2.       Statt Ausschluss Einbeziehung der Gaben aller. Hinhoeren und Neues zulassen. Altes nicht leichtfertig ueber Bord werfen, sondern sorgfaeltig pruefen.

3.       Auf Gott hoeren. Nicht meinen Willen durchsetzen bei den dringend anstehenden Reformen, sondern ganz auf Gott vertrauen. Gott ist schon da, in dieser globalisierten und sich staendig veraendernden Welt. Es muss Seine Reform sein, nicht meine. Ich glaube, dass uns in dieser Zeit des Wandels der Geist geschenkt wird, der Heilige Geist von der pfingstlichen Erneuerung der Kirche.

¿Was sollten wir jetzt tun?

1.       Zielstrebig an der Erneuerung arbeiten aber mit langem Atem. Wer mit kurzem Atem rennt, wird schnell muede und gibt auf. Daher langsam gehen, aber vorwaerts, niemals zurueck. Das Konzil wird jetzt erst wirklich umgesetzt, es wird wohl noch einiger National- und Dioezesansynoden beduerfen.

2.       Nicht gegen Franziskus sondern mit ihm. Er hat die Erneuerung angestossen, stoesst aber auf viele Grenzen und Widerstaende. Auch wenn es mir zu langsam geht, nicht dem vorsichtigen Reformer in den Ruecken fallen.

3.       Gemeinschaftliche Prozesse anstossen. Wir sollten viele „Basisgemeinden“ gruenden. Leute die beten, suchen und einfach vorwaerts gehen. Wir sind Kirche. Wir sind Gemeinde. Franziskus und seine Bischoefe brauchen Leute, die einfach einmal die zukuenftige Kirche ausprobieren und leben. Ohne gleich Priesterinnen zu weihen, koennen heute schon Frauen Kleingemeinden leiten. Solange nur Priester Eucharistie feiern duerfen, sollten einfach neue Gottesdienstformen ausprobiert werden. Die Pfarreien werden immer groessere Territorien umfassen. Aber darin wird Platz sein zum Ausprobieren von vielen neuen Gemeindetypen. Das sollten wir einfach tun. Papst Franziskus beginnt die Reform an der Spitze. Wir sollten uns an der Basis mehr zutrauen.



Caravelí, 7.5.19                Reinhold Nann



Fragen zum Weiterdenken:

Carlos Castillo der neue Erzbischof von Lima, hat bei seiner Bischofsweihe im Februar dieses Jahres allen Glaeubigen und Gruppierungen in Lima, ja sogar den Nichtglaubenden folgende Frage gestellt, die ich dann auch in meiner Praelatur gestellt habe und Ihnen allen stellen moechte:

1.       ¿Was fuehlen Sie in der Tiefe ihres Herzens, wie die Kirche sich aendern sollte?

Ich wuerde dem noch eine zweite Frage hinzufuegen:

2.       ¿Wozu sind Sie bereit, mitzutun an dieser Aenderung?

Treten wir in einen Dialog ein. Ihre Antwort (oder die ihrer Gruppe) koennen Sie schicken an: r.nann@web.de

viernes, 12 de abril de 2019

Heimaturlaub


Vom 15. Mai bis 10.Juni bin ich auf Heimaturlaub, allerdings auch auf Reisen mit meiner Mutter und Geschwistern.

So sieht mein oeffentliches Programm aus:

16.Mai 19 Uhr:  Maiandacht am Schoenstattheiligtum in Merzhausen/Freiburg

17. Mai Fahrt nach Drei-Aehren (Trois Epis) im Elsass.

19. Mai: 8.30 Sonntagsmesse in Achkarren

19.-20. Mai: Treffen mit meinem Weihekurs in Hemsbach/Heidelberg

1.-6.6. Besuche in Fulda, Hildesheim und Schoenstatt

7.6. 20 Uhr: Gemeindeabend in Breisach

9.6.  10.30  Messe im Breisacher Muenster

Weitere Besuche sind eher schwierig zu bewerkstelligen. Wenn mich jemand in Achkarren besuchen will, kann er das gerne am 18.Mai oder am letzten Wochenende vom 8.-9. Juni.

Meine Handy-Whatsapp ist 0051-969961661 und das Festnetz in Achkarren: 07662-6212.



Jetzt erstmal allen eine gute Karwoche.  

 

Caravelí, 12.4.19                                          Euer Bruder Bischof       Reinhold Nann


Als Kaiserstuehler ganz im Element: Jetzt ist Traubenernte in Caravelí.

miércoles, 20 de febrero de 2019

Sackgasse Pastoral 2030: Kehrt um und glaubt an das Evangelium!


Am Beginn der Fastenzeit wird den Glaeubigen Asche auf das Haupt gestreut und sie hoeren das Jesuswort: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Als ich nun kurz vor der Fastenzeit im Konradsblatt von der Pastoral 2030 las, spuerte ich die Asche auf dem Haupt gluehen. Mir wurde klar: Wir brauchen eine radikale pastorale Umkehr! Weniger Struktur und mehr Evangelium!

Wir verwalten uns zu Tode

Die Zahlen sind erschreckend: Kirchenaustritte auf hohem Niveau, Gottesdienstbesucher immer weniger und die Zahl der Priester, denen man die Leitung einer Seelsogeeinheit oder Grosspfarrei uebertragen kann, wird im Jahr 2030 etwa bei 80 Priestern liegen.  Als ich 1987 zum Priester geweiht wurde,  gab es noch ca. 800 aktive Priester.

Da scheint eine weitere Verringerung der Pfarreien oder Seelsorgeeinheiten alternativlos zu sein. Waren es vor 30 Jahren noch 1000 Pfarreien, sind diese nun schon auf 220 Seelsorgeeinheiten geschrumpft. Und die sollen nun wiederum auf 40 Kirchengemeinden reduziert werden. Viele Pfarrer sind entsetzt ueber solche Monsterpfarreien, die eigentlich keiner mehr leiten will. Gemeinden fuerchten die Aufloesung ihrer Identitaet und das voellige Verschwinden von Heimat in der Kirche. Schrumpfen wir uns wirklich gesund oder laufen wir in die Sackgasse der voelligen Selbstaufloesung hinein? Denn wenn man mit der Logik des staendigen Schrumpfens weiter machen wuerde, waere doch das Ideal damit erreicht, dass die ganze Erzdioezese eine einzige Pfarrei wird, in der dann der Bischof den einzigen Sonntagsgottesdienst haelt, den man ueber Livestream uberall mitverfolgen kann. Wollen wir etwa 2050 da ankommen?

In meiner Zeit als Pfarrer in Freiburg (1997-2001) war ich erschrocken wie wenig ich wirklich Zeit fuer die Seelsorge direkt bei den Menschen hatte. Die Verwaltung nahm mich in Anspruch, trotz Verrechnungsstelle. Meine Zeitfresser waren: Viele Sitzungen, die vorbereitet werden mussten. Schreibtischarbeit mit Post von Firmen, Geschaeftstellen, Ordinariat und Seelsorgeamt. Gebauderenovationen und Instandhaltung, .... Und mit der Pastoral 2030 wuerde Pfarrei noch groesser. Du bekommst als Pfarrer eine eigene Verrechnungsstelle, aber Du musst der Letztverantwortliche bleiben. Das heisst, du wirst ein noch besserer und efizienterer Manager sein muessen. Einem wirklichen Seelsorger bleibt da nur noch der Ausstieg oder die innere Emigration. (Ich habs gut, ich bin ausgewandert). Und werden diese Aussichten mehr junge Leute fuer das Priesteramt anziehen?

Alternativlos?

Meiner Meinung nach ist die Pfarreienzusammenlegung nicht alternativlos. Es gibt Alternativen und ueber die muss nachgedacht werden. Der springende Punkt ist die Leitung einer Gemeinde, Pfarrei, Seelsorgeeinheit, Kirchengemeinde oder wie immer man das Kind nennen will. Solange die Seelsorgeraume immer von einem Pfarrer geleitet werden mussen, kommen wir am Schrumpfen nicht vorbei. Aber wir werden uns dann wahrscheinlich zu Tode schrumpfen. Wir brauchen daher dringend Alternativen. Und es gibt sie in der Weltkirche. Als noch „junger“ Bischof in Peru (seit eineinhalb Jahren) moechte ich ein paar Alternativen aus der Weltkirche nennen, die man naturlich nicht eins zu eins kopieren kann. Aber man koennte sie benutzen um Alternativen zur Schrumpfpastoral zu finden.

1.       Alternative Suedamerika: Laut Kirchenrecht kann bei grossem Priestermangel die Leitung einer Pfarrei einem Laien uebertragen werden. Das geschieht in Peru schon lange auf unterschiedliche Weise:

-          Pfarreien werden in einigen Faellen an Ordensschwestern oder Katecheten uebertragen, die dort als eine Art Pfarradministratoren taetig sind.

-          Teilgemeinden einer Grosspfarrei (meist Stadteile in Armenvierteln oder ganze Doerfer auf dem Land) werden dem dort ansaessigen Katecheten zur Verwaltung und Liturgie (Wortgottesdienste, Beerdigungsriten, manchmal auch Taufen) uebertragen. Der Pfarrer muss sich dann weder um Kirchenbau noch sonstige Dinge in dieser Teilgemeinde kuemmern). Das geschieht in meiner Praelatur im groessten Teil der Teilgemeinden ausser am Pfarrsitz. Der Pfarrer ist entlastet, kommt nur ein paarmal im Jahr zur Eucharistiefeier in diese Doerfer.



2.       Alternative Schweiz: Dort werden meines Wissens kaum Pfarreien zusammengelegt. Das liegt an der Kirchensteuer: Die geht naemlich direkt an die Pfarrei. Und je nach Kirchensteuereinnahmen kann sich die Pfarrei dann einen Pfarrer oder Gemeinderefernten leisten. Dadurch schrumpft die Verwaltungsarbeit sowohl im Ordinariat als auch in jeder Pfarrei betraechtlich.



3.       Alternative Poitiers/Frankreich Die bisherigen Gemeinden werden von Pastoralteams geleitet. Das sind Laien, die in diesen Gemeinden leben. Sie halten dort auch Wortgottesdienste am Sonntag und verwalten ihre Gebaude. Der Pfarrer feiert die Eucharistie am Hauptort hin und wieder in den uebrigen Gemeinden. Er gibt Impulse und spricht sich mit den Teams ab.



Ich finde es gut, das die Erzdioezese Freiburg wie andere Dioezesen auch, die Probleme ganz realistisch anschaut, den Leuten nichts vormachen will und sich nicht scheut, auch schwierige Dinge vorzuschlagen. Aber ist „Pastoral 2030“ wirklich die einzige Alternative? Mir scheint, die Pastoral 2030 muesste in Wirklichkeit Kirchenverwaltung 2030 heissen. Die eigentliche Seelsorge wird naemlich ganz ausgeblendet oder es wird erwartet, dass die dann in den neuen Strukturen irgendwie vom Himmel faellt. Mir scheint bei der Pastoral 2030 haben mehr Verwaltungsfachleute das Sagen gehabt als Pastoraltheologen. Mir scheint, wir brauchen dringend eine Umkehr zum Wesentlichen, zum Evangelium.

Pastorale Umkehr

Mir ist ein Wort von Papst Franziskus in  „Evangelii Gaudium“ wichtig geworden. Da wirbt er eindruecklich fuer eine „pastorale Umkehr“ (EG 25-33) in unseren Pfarreien. Kurioserweise wurde dieser Begriff in der deutschen Uebersetzung nur sehr abgeschwaecht mit „Neuausrichtung der Seelsorge“ wiedergegeben. (Papst Franziskus aber hat diesen Text weitgehend aus dem Dokument von Aparecida 365-372 uebernommen, wo es ohne Zweifel „Conversión pastoral“ heisst). Die Pastoral braucht eine radikale Erneuerung, kein „weiter so wie bisher“.  Zusammenlegung von Pfarreien ist zunaechst einmal eine strukturelle Antwort auf den Priestermangel. Nach Evangelii Gaudium 26 koennen die neuen Strukturen „nuetzlich sein, wenn ein Leben da ist, das sie beseelt, sie unterstuetzt und sie beurteilt. Ohne neues Leben und echten, vom Evangelium inspirierten Geist ... wird jegliche neue Struktur in kurzer Zeit verderben“. Ist das nicht genau fuer die Pastoral 2030 gesagt?

Fuer mich heisst Pastorale Umkehr hinhoeren, was Gott uns in dieser Krisensituation sagen will und darauf eine neue, kreative Antwort geben. Ich moechte einfach einmal etwas fuer die Zukunft traeumen, wie die Seelsorge 2030 aussehen koennte. Vielleicht koennte die Verwaltung 2030 ja weitgehend so aussehen, wie sie in dem Papier angedacht ist.

Ein Traum fuer die Erzdioezese Freiburg

Ich traume von Pfarreien die geistlich geleitet werden von einem Priester, der fuer das Volk die Sakramente feiert, und mit seinem Pastoralteam aus hauptamptlichen pastoralen Mitarbeitern die Ehrenamtlichen in der Pastoral begleitet und inspiriert. In jeder dieser Pfarreien gibt es viele territoriale Gemeinden, die sich um eine der Kirchen herum bilden. Daneben gibt es auch personale Gemeinden, die unabahaengig von kirchlichen Gebaeuden sich treffen und Dienste leisten. Alle diese Gemeinden werden von Gemeindeteams geleitet, die sowohl fuer die Finanzen, Katechese und Diakoníe in ihrem Bereich als auch fuer ihre nichtsakramentale Liturgie  verantwortlich sind. Diese Gemeindeteams konnten von einem Diakon oder einem auch Frauen offenstehenden neuen Amt in der Kirche geleitet werden. So eine Gemeinde koennte ihr Existenzrecht durch eine Mindestzahl an festen (evt. zahlenden) Mitgliedern erwerben. Alle ihre Dienste und Aemter sind ehrenamtlich, es sei denn, sie koennen welche aus ihren eigenen Einnahmen finanzieren. Die Pfarrei hat hingegen ausserdem ein Verwaltungsteam (Verrechnungsstelle), deren Leiter der Letztverantwortliche fuer alle Verwaltung ist. Dabei stehen der Verwaltung nur 50% aller Personalstellen und 50% der Finanzen zur Verfuegung, der Rest steht fuer pastorale Aufgaben bzw. Personal zur Verfuegung. Das gilt auch fuer die Dioezesanleitung. Vielleicht koennte man so den Einfluss der Verwaltung auf die Pastoral in Grenzen halten. Das Hauptaugenmerk der Pastoral sollte auf der Entstehung und Begleitung von solchen Klein-Gemeinden liegen. Alles was diese (kleinen) Gemeinden selbst tun koennen, sollen sie auch tun duerfen. Die Pfarrei als eine Art subsidiaere Struktur bietet dann zentral alle Dienste an, die diese kleinen Gemeinden nicht selbst leisten koennen. Wenn eine Pfarrei nicht eine Mindestzahl an lebendigen Kleingemeinden aufweisen kann, verliert sie ihr Lebensrecht. Die Kirche wird in diesen Kleingemeinden leben, oder sie wird nicht leben.

Wie gesagt, dieses Kapitel ist nur ein Traum. Aber wenn viele gemeinsamen traeumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Sagte schon Helder Camara.

Ich wuensche den Verantwortlichen und allen Glaubigen der Erzdioezese Freiburg den Beistand des Heiligen Geistes, damit sie zu einer guten Unterscheidung gelangen, die Leben weckt. .



Caravelí/Perú,  Februar 2019                     Reinhold Nann